Donnerstag, 12. Mai 2011

Die Fensterrosette und das Licht der Offenbarung


So sehr wir auch Kirche der Sünder sind, so ist die Gnade Gottes auch jetzt schon siegreich. Siegreich in Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, wie es gerade in der Feier der österlichen Geheimnisse aufleuchtet und in seiner Auferstehung zum Hoffnungszeichen wird. Das Sieghafte an dieser Gnade und dem Erbarmen unseres Gottes ist aber auch schon erkennbar im Leben so vieler Menschen, die wir als heilige Frauen und Männer verehren, die mit uns gewöhnlichen Sündern zur Gemeinschaft dieser Kirche gehören. Das ist verwunderlich und tröstlich zugleich. Ich muß mir nicht für die Zukunft eine ideale Kirche erst erträumen. Ich kann getrost in der realen Kirche bleiben, die eine Kirche von Sündern ist, denn der Herr ist nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder, und Er hat bereits unübersehbar viele geheiligt, die treu geblieben sind. Uns allen zum Trost. –

Er hält Selig- und Heiligsprechungen für mittelalterlich, inflationär vollzogen und spricht angesichts von etwa 300.000 Euro Kosten für das Bistum Würzburg von Geldverschwendung. „Das sind unzeitgemäße Formen, die gerade die Leute heute nicht mehr ansprechen.“ Die Menschen suchten sich ihre Vorbilder selber.


Zwei Zitate – das erste ist das Schlußwort des letzten Hirtenbriefs unseres lieben Herrn Kardinals Warum ich in der Kirche bleibe, das zweite stammt von Magnus Lux, dem Sprecher von WisiKi (zitiert in der Mainpost) und bezieht sich auf die Seligsprechung Pfr. Georg Häfners am kommenden Sonntag. [1]

Lese ich diese beiden Zitate, muß ich gar nicht überlegen, welche Gedanken mir mehr sagen, nicht nur, weil sie ungleich schöner, erhabener, und – ja, tröstlicher – sind. Ich will mich auch gar nicht über Magnus Lux erheben und man muß eine Äußerung wie die seine nicht überbewerten. Bestürzend jedoch ist, daß er, ein Katholik, so gar nicht verstanden hat, worum es bei einer Seligsprechung eigentlich geht.

Die Kirche, die die Heiligen und Seligen hervorbringt, ist die Kirche Jesu Christi. Die Menschen, die die Kirche in das Verzeichnis der Heiligen und Seligen aufnimmt, sind Christus in besonderer Weise nachgefolgt. Etwas von dem göttlichen Glanz des Antlitzes Christi ist auch auf die Gesichter dieser heiligen Menschen gefallen und hat sie und ihre Herzen erleuchtet. Wenn wir in der Osternacht das Feuer von der Osterkerze weitergeben und der Priester gleich darauf im Exsultet singt:
Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.
steht mir oft dieses Bild vor Augen, denn die Osterkerze ist ein Symbol für den menschlichen Leib Christi, die Flamme für seine göttliche Natur. Wie die Osterkerze mit dem Leib Christi und dessen menschlicher Natur verglichen wird, die sich für uns verzehrt, so wird das Licht, das sich in die Runde verteilt hat, verglichen mit der einzelnen Seele, die sich Gott geweiht hat und deren Licht nichts von der Kraft des Glanzes Christi verloren hat.

„Wer kennt denn den Häfner?“ fragt Lux im folgenden noch. Niemals ist es der Kirche darum gegangen, nur solche Menschen heiligzusprechen, die schon besonders bekannt oder prominent sind. Sie gedenkt ebenso derer, von deren Leben und Sterben wir bis dahin wenig gewußt haben und auch solcher, die unerkannt unter uns gelebt haben. Dafür hat sie sogar ein eigenes Hochfest geschaffen, das Hochfest Allerheiligen.

Bei der Heiligsprechung nimmt die Kirche die Namen der Heiligen und Seligen in ein Verzeichnis auf, das Martyrologium. In Klöstern ist es vielfach Brauch, das Martyrologium eines jeden Tages der Gemeinschaft vorzulesen. In Klöstern, die das feierliche Chorgebet pflegen, geschieht das an hohen Festtagen mit besonderer Feierlichkeit: zur Vortrag des Martyrologiums treten Novizen als Leuchterträger hinzu. Der Sinn des Brauches, das Martyrologium vorzutragen, das neben der Angabe des Ortes und der Umstände des Todes eines Heiligen auch eine kurze Wiedergabe seines Lebens enthält, ist eben der, daß diejenigen, die den Heiligen nicht kennen oder wenig von ihm wissen, etwas mehr von ihm erfahren und auf welche Weise die Gnade Gottes sich in seinem Leben und Sterben in besonderer Weise widergespiegelt hat.

In seiner Predigt zum Hochfest Allerheiligen verglich unser Pfarrer das Licht der Offenbarung mit einer Fensterrosette, die das Licht in Tausende von Farbtönen bricht. Dieses durch die vielen Facetten einer Rosette gebrochene Licht der Offenbarung, dessen Farben zusammen genommen doch wieder das reine Licht ergeben, will die Kirche den Menschen nahebringen, wenn sie Heilig- und Seligsprechungen vornimmt.

Unzeitgemäß? – Nein, ich möchte vielmehr mit dem Herrn Kardinal behaupten, dies hat zu allen Zeiten die Menschen angesprochen, berührt und zum Guten bewegt – nun schon über 2000 Jahre lang.

___
[1] Offen gestanden kann einem schon ein wenig auf den Zeiger gehen – Elsa hatte das einmal sehr pointiert formuliert –, daß von hiesigen Medien oft diejenigen bevorzugt zu einem Thema befragt werden, die sich erkennbar am wenigsten mit einem Thema auskennen oder einen Bezug dazu haben (ein Schelm, wer arges dabei denkt). Zur Seligsprechung P. Georg Häfners gibt es soviel zu sagen, es gibt sogar eine Facebook-Seite mit Materialien des Erzbistums und Zitaten aus seinen letzten Briefen. Ich möchte einmal erleben, daß eine Zeitung bei Papst Benedikt anfragt, was er von der anstehenden Seligsprechung hält – dabei käme etwas heraus, das sich sehen lassen könnte! Wie sowas geht, haben uns die Italiener ja neulich sehr schön vorgemacht. Man könnte auch den Postulator des Seligsprechungsverfahrens fragen, der dieses 25 Jahre(!) vorangetrieben und ein Buch darüber geschrieben hat. Stattdessen holt man zum x-ten Mal einen Küng, Drewermann oder eben Lux aus der Puppenkiste mit den gruseligen Figuren. Löse ich mich von diesem leisen Überdruß, bleibt Bedauern. Eigentlich ist es schade.

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