Montag, 9. Mai 2011

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche


Den letzten Beitrag Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit über die koptischen Märtyrer habe ich recht flott geschrieben und deshalb später noch über den Satz Wir jedoch wissen: das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche nachgedacht – nicht, weil er etwa nicht stimmte, sondern weil er möglicherweise von wichtigen Dingen ablenkt.

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche – das wissen wir und daran glauben wir. Daß die Hoffnung der Gerechten voll Unsterblichkeit ist, heißt jedoch nicht – und sollte es auch nicht heißen –, daß nicht auf diese Weise hier in der Sterblichkeit unendliches Leid über Menschen gebracht wird.

Ein zweites tritt hinzu: im Unterschied zu fast allen Märtyrern – die, die im Martyrologium stehen und die, deren Namen niemand kennt –, haben sich die bei Attentaten oder Pogromen Ermordeten vermutlich nicht, wenigstens in einem kurzen Augenblick, für das Martyrium entscheiden können. Bei einer Predigt, die ich kürzlich gehört habe, nannte der Prediger das Martyrium die unwiderruflichste Entscheidung für Christus und die Bindung an ihn. Das ist so wahr, daß ich es mir bisher nicht einmal wirklich bewußt gemacht habe.

Ein drittes: wenn die Christen in den arabischen Ländern systematisch verfolgt werden, wo soll der Same wachsen, den das Blut der Märtyerer hervorbringt? Antworten darauf können uns Untergrundkirchen wie die in China oder Japan geben, wo Christen in der Verfolgung und Verborgenheit überlebt haben, manchmal jahrhundertelang. Der Herr selbst sichert dem Petrus zu: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Ein Grund auch, sich in Freude und Dankbarkeit an die Gnade des eigenen Getauftseins zu erinnern und der vielen Möglichkeiten, wie wir hier haben, die verfolgten Christen jedoch nicht. Sie brauchen unsere Stimme, unser unablässiges Gebet.

Als der Erzbischof von Algier, Ghaleb Bader, mit einigen anderen Bischöfen Mitte April zur Abendmesse kam und die Predigt hielt, berichtete er über die Lage der Kirche vor Ort, das Zusammenleben von Christen und Muslimen, in dem es durchaus auch Zeichen der Hoffnung und Versöhnung gibt. Er schloß mit der Bitte um unser Gebet und versicherte uns gleichzeitig des Gebets der algerischen Christen. Das hat mich wirklich sehr bewegt: die verfolgten Christen, die in der ärgsten Diaspora leben, beten für uns.

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Bilder: Wandmalerei in der Calixtus-Katakombe aus dem 2. bis 3. Jahrhundert

Kommentare:

Lauda Sion hat gesagt…

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir ihr Gebet mehr benötigen, als sie unseres...Die Wandmalereien zeigen das Brotbrechen/ Eucharistiefeier??

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das habe ich auch gedacht. Trotzdem fand ich es bewegend, daß diese Menschen in ihrer Bedrängnis sich im Gebet für uns verwenden Der Bischof hat es auch so ausgedrückt, daß klar wird, er spricht nicht von der Zukunft, sondern sie beten schon eine Weile.

Braut des Lammes hat gesagt…

Zu schnell abgeschickt: ja, die Wandmalereien zeigen das Brotbrechen und die eucharistischen Symbole Fisch und Brot.

Lauda Sion hat gesagt…

heute in der arbeit (kath. kita) meinte eine kollegin allen ernstes, wer weiss ob die christen nicht angefangen haben und deshalb ermordet wurden...dann fing sie an mit den kreuzzügen und dass christen ja wohl auch moslems abschlachten würden(heute noch)...zum k...aber ich denke^(hoffe) ich konnte ein paar gute impulse setzen

Josef Bordat hat gesagt…

Martyrium - das ist ein sehr schwieriges Thema. Die Differenzierung zwischen „unfreiwilligem Opfer“ und „bewusstem Martyrium“ ist wichtig. Ebenso ist wichtig, dass uns immer bewusst ist: Das bewussteste – wenn man das so sagen kann – Martyrium hat Gott selbst zu erleiden gehabt - im Kreuzestod Jesu Christi. Hierzu spannt Karl Rahner in „Die Theologie des Todes“ einen interessanten Bogen zwischen Liturgie (Eucharistie) und Martyrium. Das fiel mir ein wegen der Wandmalerei.

Die Kirche gedenkt in jeder Heiligen Messe des göttlichen Martyriums als „Bezeugung, die untrüglich ist“. Rahner bindet nun die Heiligkeit des Martyriums und die Heiligkeit der Kirche aneinander, indem er darauf verweist, dass „Kirche und Martyrium [sich] gegenseitig [..] bezeugen“ (S. 93). Die Kirche zeugt durch das „Wortzeugnis [...] von der eschatologisch siegreichen Gnade“, in dem „die innerste Interpretation des Martyriums gegeben [wird]: es ist wirklich, was es zu sein scheint: die wirklich umfassende Tat des weltüberwindenden Glaubens, die Vollendung des Menschen“ (S. 93). Umgekehrt zeugt das Martyrium für die „überweltliche Herkunft“ der Kirche, zumindest für den, „der in der Gnade Gottes zu sehen vermag“ (S. 93). Dieser Akt gegenseitiger Bezeugung verdichtet sich in der Eucharistie, in der die Kirche im „vollendeten kultischen Selbstvollzug“ (S. 94) die mystische Feier des Todes Christi und unseres eigenen in ihm auch deswegen begeht, um im Messopfer auf die Christen zu deuten, die im Martyrertod „pragmatisch“ (S. 94) auf die Kirche gedeutet haben.

Man – ich zumindest – muss Rahners Gedanken an dieser Stelle mehrmals lesen, aber ich finde die doch sehr überzeugend. Daraus spricht auch: Wir sind eine Gemeinschaft, eine communio. Wir gehören zusammen und beten füreinander. Das ist wirklich ein Stück Himmel auf Erden!

Liebe Grüße,
JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielen Dank, Josef, für diesen gut durchdachten und fundierten Kommentar – so etwas freut. :)

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