Freitag, 15. April 2011

Segne diese Zweige – bald ist Palmsonntag

Allmächtiger, ewiger Gott,
segne
+ diese (grünen) Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges,
mit denen wir Christus, unserem König, huldigen.
Mit Lobgesängen begleiten wir ihn
in seine heilige Stadt;
gib, daß wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
(Segensgebet des Priesters zur Palmweihe)



Selbst empfunden und gerade heute noch einmal in Gesprächen geteilt – die Empfindung, daß die Fastenzeit uns eigentlich nicht lang, sondern eher (viel) zu kurz erschienen sei. Besonders nach Laetare scheint die Zeit irgendwie schneller zu vergehen, so daß wir dem Osterfest, wie es im Tagesgebet des Laetaresonntags heißt, tatsächlich freudig entgegeneilen.

Trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, man habe eigentlich innerlich noch kaum richtig angefangen und bräuchte noch mehr Zeit. Als sehr tröstlich habe ich da dieses kürzlich Gelesene zu genau diesem Gedankengang empfunden:
…und doch wird Pascha – Ostern – kommen und wir werden voll Freude sein, und alles wird gut sein, und wir werden in der Festpredigt von Johannes Chrysostomos hören, daß alle zum Fest geladen sind. Die gefastet haben und die nicht gefastet haben. Die Arbeiter der ersten und die der elften Stunde! Denn barmherzig und menschenliebend ist Gott.

Das oben ist mein Bild des gestrigen Abends und des heutigen Tages (da wir heute Palmsträuße gebunden haben – mit rotem Band[1], bitte schön!): Menschen, die auf Bäume klettern, um Zweige – Palmwedel, Oliven – zu schneiden, mit denen sie dem Herrn bei seinem Einzug in Jerusalem[2] entgegeneilen.

Die geweihte Jungfrau Egeria, die im ausgehenden 4. Jahrhundert ins Heilige Land reiste und von dort mehrere Briefe als Reisebericht an andere Jungfrauen schickte, berichtet in ihren Aufzeichnungen von der Palmprozession in Jerusalem (Itinerarium Egeriae 31,1). Die Palmprozession in Jerusalem fand damals am Palmsonntag etwa zur Stunde der zweiten Vesper statt und nahm ihren Ausgangspunkt vom Ölberg. Die Palmweihe war zu jener Zeit offenbar noch unbekannt, ist aber im Jahre 834 schon lange bekannt und herausragender Teil der Liturgie des Palmsonntags.
Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! (Mt 21,8-9)

Im Ritus der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien ist es Brauch, daß die Gläubigen ihre grünen Zweige (hauptsächlich Oliven) bei der Verkündigung des Evangeliums in Richtung des Evangeliars – einem Christussymbol – werfen, hier werden dem Herrn die Palmen also auch gestreut.

Das Grün der Zweige ist ein Zeichen der Macht und des Sieges des Leben über den Tod. In der Ostersequenz werden wir dann singen: Mors et vita duello conflixere mirando; dux vitae mortuus, regnat vivus – Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf; des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend.

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[1] Ich hatte mich beim Kauf des Bandes um den Faktor 10 verrechnet (dachte ichs mir doch gleich, das da was nicht stimmt). Jetzt haben wir 80 Meter grünes Band. Nun ja…

[2] Grad hab ich ein Bild vom Einzug des Herrn auf einem schwarzen Esel gesehen. Das hat mich regelrecht schockiert, weil es ikonographisch gar so ungewöhnlich war.

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