Donnerstag, 14. April 2011

Pie Pelicane, Iesu Domine – O guter Pelikan


Sonst ganz selten zu hören und nun in der Passionszeit die beiden letzten Tage hintereinander: die Strophe aus dem Adoro te devote des hl. Thomas, die Christus als Pelikan besingt, der die Jungen mit seinem Herzblut nährt. Christus erwirbt mit seinem Blut für uns das ewige Leben; der Pelikan ist das Sinnbild dieser Liebe Christi für uns, die sich selbst verzehrt.

Pie Pelicane, Iesu Domine,
me immundum munda tuo sanguine:
cuius una stilla salvum facere
totum mundum quit ab omni scelere.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein,
wasch in deinem Blute mich von Sünden rein.
Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld,
bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld.



Einige Beispiele dieser Christusdarstellung aus der Ikonographie:


Schnitzerei an einem Chorgestühl
und über einer Sakristeitür

Kirchenfenster – die Schrift verweist auf den Brief des Apostels
an die Epheser: Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder 
und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt 
und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.
eine Darstellung aus der Paramentik



diese Pelikane sind schon eher adlerartig geraten, was sicherlich auch daran
 liegt, daß manch einer in seinem Leben eben keinen Pelikan in natura gesehen hat

Im Englischen nennt man diesen Typus der Christusdarstellung The pelican in her piety. Auf Deutsch – keine Ahnung. Gibt es überhaupt eine Entsprechung?

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Vielen lieben Dank für diese herrlischen Bilder. Vor allem: GUTE IDEE!!!
Vielleicht lege ich einmal mit einem coolen Beitrag nach. Auf einem Thomaslastigen Blog wie meinem würde das ganz gut passen. ;)

Michael hat gesagt…

Da will ich doch auch einen Beitrag leisten, wenn sich auf meiner Collegeflagge schon der Pelikan findet:

http://www.flickr.com/photos/45196103@N04/5221114951/

... bzw. im Front Quad:

http://www.flickr.com/photos/45196103@N04/5221684446/

Gummipunkte für den, der weiß, wo das ist.

Anonym hat gesagt…

Zitat: "...diese Pelikane sind schon eher adlerartig geraten, was sicherlich auch daran liegt, daß manch einer in seinem Leben eben keinen Pelikan in natura gesehen hat..."
Ggf. sind die Pelikane gar keine, denn man könnte auch genauer hinschauen: Der Phönix von altägyptisch benu: „Der Wiedergeborene/Der neugeborene Sohn“; lateinisch phoenix) ist ein mythischer Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. Diese Vorstellung findet sich heute noch in der Redewendung „Wie ein Phönix aus der Asche“ für etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint. Bereits in der ägyptischen Mythologie gibt es Benu, meist dargestellt in Form eines Reihers, der im Abstand von mehreren hundert Jahren erscheint, bei Sonnenaufgang in der Glut der Morgenröte verbrennt und aus seiner Asche verjüngt wieder aufersteht. Im Antiken Griechenland wurde er als Phönix überliefert. In der Zeit des Hellenismus verbreiteten griechische und römische Autoren die Vorstellung, dass der Phönix aus der Asche des Osiris oder seinen sterblichen Überresten hervorgegangen sei und ein hohes Alter von ungefähr 300–500 Jahren erreiche. Dazu baut er am Ende seines Lebens ein Nest, setzt sich hinein und verbrennt. Nach Erlöschen der Flammen bleibt ein Ei zurück, aus dem nach kurzer Zeit ein neuer Phönix schlüpft. Eine zweite Variante dieser Sage berichtet, dass der rot- und goldfarbene Vogel alle 500 Jahre einmal nach Heliopolis kommt, jeweils am Todestag seines Vaters. Aus Weihrauch formt er dann ein Ei, das von der Größe her die Leiche seines Vaters aufnehmen kann. Dieses Ei trägt der Benu dann in den Tempel von Heliopolis, wo es feierlich begraben wird.
In der Spätantike wurde der Phönix dann zum Symbol der Unsterblichkeit, da er die Fähigkeit hatte, sich zu regenerieren, wenn Feinde ihn verwundet hatten. Bei den Christen war er Sinnbild der Auferstehung.

Dismas hat gesagt…

vielen, vielen Dank

Braut des Lammes hat gesagt…

Johannes – ja, bitte und Michael – vielen Dank, das sind schöne Bilder. Die Gummipunkte werde ich wohl nicht gewinnen…

Braut des Lammes hat gesagt…

Anonym: danke für den Beitrag über den Phoenix. In der Tat ist das ein Christussymbol, das ich in der gleichnamigen Reihe noch nicht verbloggt habe. Trotzdem glaube ich nicht, daß es sich bei den adlerartigen Pelikanen um Phoenixe handelt, denn das charakteristische an den Pelikandarstellungen ist ja gerade, daß er sich die Brust aufreißt, um die Jungen mit dem eigenen Blut am Leben zu erhalten und zu nähren. Das tut der Phoenix nicht – er verbrennt, und aus der Asche entsteht das neue Leben. Der Phoenix ist also eher ein Sinnbild des auferstandenen Christus – wie du ja selbst andeutest. Der Pelikan eher für den leidenden bzw. eucharistischen.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Dismas - willkommen auf diesem Blog und in der Blogocese. Ich hab dich nebenan verlinkt.

Michael hat gesagt…

Na dann ganz ohne Gummipunkte:

Corpus Christi College, Oxford. Name und Pelikan stehen natürlich in Verbindung.
Danke auch für deine Bilder, auch wenn ich selbst nicht blogge, bin ich doch gerne Gast auf vielen Seiten der Blogozoese ;)

Braut des Lammes hat gesagt…

Jetzt wo du das schreibst, Michael, fällt mir ein, das Thomas Merton das mal als Frage zum Nachschlagen an Teilnehmer einer Summer School gerichtet hatte (ich glaub, die Antwort stand aber nicht dabei).

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