Mittwoch, 20. April 2011

Kreuzweg der katholischen Blogger 2011


Der Kreuzweg des Herrn, ein Gemeinschaftsprojekt der katholischen Blogger – nochmals ein Dank an Vox coelestis für diese gute Idee und ihre Umsetzung – ist jetzt online. Über über die sechste Station, Veronika reicht Jesus das Schweißtuch, hat Paul Claudel 1947 folgendes geschrieben:

Alle Jünger sind geflohen, voller Taumel verleugnet selbst Petrus. Da wirft sich eine Frau in die dichtgeballte Gemeinheit, in das Zentrum des Todes. Sie findet Jesus und nimmt sein Gesicht in ihre Hände.

Lehre uns Veronika, der Menschenfurcht die Stirne zu bieten! Denn jeder, dem Christus nicht nur ein Bild ist, sondern eine Wirklichkeit, wird den anderen Menschen sofort unangenehm und verdächtig. Sein Lebenstil ist verdreht, seine Beweggründe sind nicht mehr die ihren. Irgend etwas ist in ihm, das ihnen entgeht und fern von ihnen ist. Ein angesehener Mann, der seinen Rosenkranz betet und furchtlos zur Beichte geht, der freitags kein Fleisch ist, und den man wie die Frauen in der Messe sieht: so etwas macht einen lachen, es schockiert, so etwas ist komisch und aufreizend zugleich. Er soll sich nur in acht nehmen bei seinem Tun, denn man hat ein Auge auf ihn! Ja, jeder Christ ist seines Christus wahres, wenn auch unwürdiges Bild. Und das Gesicht, das er zeigt, ist ein trivialer Widerschein jenes göttlichen Antlitzes in seinem Herzen, in Abscheu und Triumph.

Laß es uns noch einmal auf dem Tuch betrachten, o Veronika, wo du es aufgefangen, jenes Angesicht der heiligen Wegzehrung. – Jenen Schleier aus frommen Linnen, auf dem Veronika geborgen hat das Angesicht des Weinkelteres am Tage seiner Trunkenheit (Ps 78,65), damit auf ewig sein Bildnis daran hafte, wie es gemacht ist aus seinem Blut, seinen Tränen und – aus unserem Anspeien.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...