Samstag, 16. April 2011

Des Königs Banner schwebt empor – Palmsonntag

Christi Einzug in Jerusalem, Hippolyte Flandrin, 1842
Siehe, dein König kommt zu dir, gerecht und als Retter (Sach 9,9)

Der Einzug des Friedefürsten und sein Ende. Ein Gedanke, der mich immer wieder bewegt und den der Name des Sonntags – Dominica in palmis de passione Domini – auch nahebringt: wo endet dieser Weg? Der Fürst des Friedens, der König, der erst vor einigen Tagen auf einem Esel in Jerusalem eingezogen ist, wird wenige Tage später die Straßen der Stadt entlang getrieben, hin zur Schädelhöhe. Nicht dieselben Menschen, aber die gleiche Menge wird statt Hosianna dem Sohne Davids! rufen: Gebt uns den Barabbas! und Ans Kreuz mit ihm!

Und doch ist in keinem anderen Zeichen Heil, außer im Kreuz, schreibt der Apostel, und dies glauben wir, deshalb stellen wir das Kreuz als den Baum des Lebens dar, nicht nur die Palmzweige sind Symbol des grünenden Lebens, sondern auch das Holz des Kreuzes selbst ist der grünende Sproß, der aus dem Baumstumpf wächst und von dem der Prophet Jesaja schreibt, daß er dasteht als Siegeszeichen für die Völker: An jenem Tag wird es der Sproß aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf.


Des Königs Fahne schwebt empor, im Glanze geht das Kreuz hervor,
daran der Herr des Lebens starb, als er das Leben uns erwarb.

Es öffnet durch den Lanzenstich die Seite des Erlösers sich,
und uns zu waschen rann ein Quell von Blut und Wasser klar und hell.

Da ward erfüllet der Gesang, der einst von Davids Lippen klang:
Vom Holz herab als seinem Thron regiert Gott alle Nation.

O schöner Baum, es glänzt an dir des Purpurs königliche Zier;
von allen auserwählter Stamm, du trägst das reine Gotteslamm.

An dir als einer Waage schwebt der Preis, der unsere Schuld aufhebt:
des Herren Leib, das Lösegeld für die vom Tod erkaufte Welt.

Dein Kreuz o Christe grüßen wir; all unsre Hoffnung steht zu dir.
Gib den Gerechten neue Huld, den Sündern Nachlaß ihrer Schuld.

Der heiligsten Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit,
die durch des heil'gen Kreuzes Kraft uns Tugend und Belohnung schafft.
(Hymnus Vexilla Regis des Venantius Fortunatus)

Das ist der Grund, warum wir diesen Einzug so festlich und freudig begehen und warum das Lied Tochter Zion, das wir heute als Adventslied kennen, eigentlich einmal ein Lied für den Palmsonntag war: Wir bringen unsere Freude und Dankbarkeit über das Kommen des Erlösers, über das Geschenk unserer Erlösung zum Ausdruck. Die Freude und Dankbarkeit darüber, daß Jesus nicht nur nicht vor dem Mutterleib nicht zurückschreckte, wie es im Te Deum heißt, sondern daß er für mich gestorben ist, armselig wie ich bin, daß ich ihm nachfolgen darf und er das annimmt, in all seiner Armseligkeit. – Siehe, dein König kommt zu dir, gerecht und als Retter.
Auch ich will zu Christus rufen. „Gesegnet sei der König Israels, der kommt im Namen des Herrn“. Die Abschiedsworte am Kreuz sind uns wie Palmzweige, die wir ihm entgegenschwingen. Nicht mit Ölzweigen in den Händen wollen wir ihm zujubeln, sondern geschmückt mit den Almosen, die wir einander spenden. Wie Kleider wollen wir ihm die Sehnsucht unseres Herzens unter die Füße breiten, damit er ganz in uns Fuß fasse, ganz in uns sei und zeige, daß wir ganz in ihm sind. Zion wollen wir mit dem Propheten zurufen: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe dein König kommt zu dir. Er ist gütig und reitet auf einem Esel, einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.

Der überall gegenwärtig ist und das All erfüllt, er kommt, um in dir das allumfassende Heil zu wirken. Er kommt, der nicht gekommen ist, um Gerechte zur Umkehr zu rufen, sondern Sünder, um die in der Sünde Verirrten zurückzuholen. Fürchte dich nicht. Gott ist in deiner Mitte, darum wirst du nicht wanken.


Nimm ihn auf, die Hände zum Himmel gewandt, denn er hat deine Mauern in seine eigenen Hände gezeichnet. Nimm ihn auf, denn er hat dein Fundament in seine Hände gelegt. Nimm ihn auf, denn er nimmt alles, was unser ist, auf sich außer der Sünde, um alles Unsrige in sich aufgehen zu lassen. Mutter, Stadt Zion, freue dich und fürchte dich nicht! Feiere deine Feste. Wegen seines Erbarmens preise ihn, der in dir zu uns gekommen ist. Aber auch du, Tochter Jerusalem, freue dich sehr, singe und tanze! „Auf, werde licht“ – mit Jesaja, der heiligen Posaune rufen wir es – „denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir!“ Welches Licht? Das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt, das ewige Licht, das zeitlose Licht, das der Zeit sichtbar wurde, das Licht, das im Fleisch erschienen aber von Natur aus verborgen ist: das Licht, das die Hirten umstrahlte und den Weisen den Weg zeigte; das Licht, das von Anfang an in der Welt war, durch das die Welt geworden ist, das Licht, das in sein Eigentum kam, das die Seinigen aber nicht aufnehmen.


Die Herrlichkeit des Herrn – was für eine Herrlichkeit? Offenbar das Kreuz, an dem Christus verherrlicht wurde, der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, wie er selbst vor seinem Leiden sprach: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht und er wird ihn bald verherrlichen. Damit nennt er seine Erhöhung am Kreuz Herrlichkeit. Das Kreuz ist ja die Herrlichkeit Christi, seine Erhöhung. Denn er sagt: Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen. (aus einer Predigt des hl. Andreas von Kreta über die Palmzweige)

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