Montag, 11. April 2011

5. Woche der Fastenzeit

Was zeichnet die 5. Woche der Fastenzeit aus? Coole Lesungen! Nichts wie hin in die Wochentagsmessen, es lohnt sich wirklich!

  • Montag: Susanna im Bade

  • Dienstag: die Kupferschlange, deren Anblick die Israeliten vor dem Tod erretten kann und die eine Reminiszenz zum Kreuz herstellt: Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin.

  • Mittwoch: die drei Jünglinge im Feuerofen

  • Donnerstag: die Verheißung an Abraham – Evangelium: Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich. Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

  • Freitag: Prophetie des Jeremia: der Herr aber steht mir bei – Evangelium: Sie wollten ihn festnehmen; er aber entzog sich ihrem Zugriff.

  • Samstag: Ezechiel und die Verheißung des guten Hirten an das Volk Israel – Evangelium: Kajaphas, der den Gedanken formuliert, es sei besser, einer stürbe für das Volk: Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.
Wir haben allein zwei großartige Lesungen aus dem Buch Daniel (das Buch Daniel ist an sich großartig). Nach der längsten ersten Lesung des Kirchenjahrs, der Geschichte von Susanna im Bade, folgt am Mittwoch die vielleicht coolste erste Lesung überhaupt: die Geschichte der drei Jünglinge im Feuerofen: Drei junge Männer weigern sich, sich vor dem Standbild niederzuwerfen, das Nebukadnezzar in der Ebene von Dura hat errichten lassen. Das Buch Daniel beschreibt es als sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit. Ich habe mir das ausgerechnet, es sind fast siebzig Meter Höhe bei sieben Metern Breite, also ein Bildnis von geradezu monströsen Ausmaßen. Die schiere Größe und Monumentalität ist es nicht allein – mehrfach ist mir im Zusammenhang mit gerade dieser Lesung diese Zeilen aus The Sound of Silence
And the people bowed and prayed to the neon god they made. And the sign flashed out its warning in the words that it was forming. And the sign said: The words of the prophets are written on the subway walls and tenement halls. And whispered in the sound of silence.
im Kopf herumgegangen, dazu die Versuchung Jesu in der Wüste – weg von mir, Satan! Was sind die goldenen Standbilder oder Neongötzen, von denen Satan oder irgendein größenwahnsinniger Nebukadnezzar will, daß wir uns niederwerfen, und denen wir unser Ich widersage! entgegenhalten müßten?

Die schlichte und würdevolle Abfuhr, die die scheinbar in der schlechteren Position Befindlichen ihm erteilen, finde ich unvergleichlich. Ich wünsche mir, daß ich, käme es einmal dazu, genau das fertigbringe, eine solche Antwort auf die Frage Welcher Gott kann dich aus meiner Gewalt erretten? zu geben:
Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten: Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten; auch aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, kann er uns retten. Tut er es aber nicht, so sollst du, König, wissen: Auch dann verehren wir deine Götter nicht und beten das goldene Standbild nicht an, das du errichtet hast.

Über diese Ansage wird der durchgeknallte Nebukadnezzar so wütend, daß er den Ofen siebenmal stärker anheizen läßt, als gewöhnlich (wie oft wurden denn da so Leute im Feuerofen verbrannt?). Darüber, wer der vierte Jüngling, der zwischen den anderen im Feuer – das sie nicht verbrennen kann – herumgeht, kann einem verschiedenes in den Sinn kommen: ein Engel, ein Bote Gottes, ein Göttersohn, wie Daniel es formuliert. Vielleicht ist der Göttersohn eine Vorausschau des Sohnes Gottes, der uns aus jeder Hand erretten kann (was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Weder Tod noch Bedrängnis, noch irgendeine andere Kreatur) und der bei uns bleibt, auch im Feuer.

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