Samstag, 9. April 2011

5. Fastensonntag (Passionssonntag) – Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt

Am fünften Sonntag der Fastenzeit, Judica, geht das öffentliche Wirken Jesu dem unabwendbaren Ende entgegen. Bald wird er seinen Blick nach Jerusalem richten und die ersten Schritte auf dem Weg gehen, an dessen Ende seine Verhaftung und der Tod auf ihn warten. Auch das Netz, in das ihn seine Widersacher verwickeln wollen, ist fast zu Ende gewoben.

Daß er der Messias, der Sohn Gottes ist, hat sich in seinem öffentlichen Wirken machtvoll gezeigt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen umher, Aussätzige werden rein und den Armen wird das Evangelium verkündet.

Nun ist einer seiner engsten Freunde gestorben, schlimmer noch, er ist gestorben und Jesus war nicht bei ihm. Der Vorwurf, den Martha und die Umstehenden ihm offen machten (und vielleicht auch Maria, die im Haus blieb und dem so sehnlichst Erwarteten nicht einmal entgegenging, durch ihr Schweigen und ihre Abwesenheit) – „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, daß dieser hier starb?“ – muß ihn bekümmert und tief getroffen haben, nicht umsonst heißt es im Evangelium: Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt.

Er geht zum Grab und ruft einen von den Toten zurück, dessen leiblicher Verfall bereits eingesetzt haben muß, denn es war bereits der vierte Tag – Lazarus, komm heraus!

Stephen King hat einmal geschrieben, wenn Jesus nur gerufen hätte, „Komm heraus!“, so wären alle Toten aus den Felsengräbern herausgekommen. Die schiere Vorstellung von der Macht und Größe eines solchen Geschehens macht zumindest mir eine Gänsehaut. Machtvoller hätte Jesus nicht kundtun können, wer er ist: wahrer Mensch und wahrer Gott, der Messias, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Wahrer Mensch ist er auch hier – über den Tod seines Freundes weint er bittere Tränen, das Schicksal der Menschen teilt er bis in ihr Sterben, den Tod und das Grab hinein. Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein. Sein Leben war das eines Menschen, er entäußerte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz.

Das Grab des Lazarus gab diesen auf Geheiß Jesu wieder heraus. Sein eigenes Grab konnte ihn nicht festhalten. Die Auferweckung des Lazarus ist eine Vorausschau der Auferstehung, wie die Auferstehung Christi die Auferstehung derer bedeutet, die an ihn glauben. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Das vertrauensvolle Wort Hiobs, Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, als letzter erhebt er sich über dem Staub, hat mich durch den größten Teil des vergangenen Jahres begleitet, zuletzt bei der Trauer um einen Freund, bei dem ich nicht sein konnte, als er gestorben ist. Wie Jesus sich in der Trauer um Lazarus gefühlt haben muß, kann ich gut verstehen. Der Glaube an die Auferstehung trägt und hält mich auch hier.

Der Glaube an die leibliche Auferstehung der Toten gehört zu den Fundamenten unsere Glaubens, wir bekennen ihn im Glaubensbekenntnis. Der Apostel zeigt auf, wie sehr der Glaube an Christi Auferstehung zum innersten Wesen dessen gehört, was das Christsein ausmacht: Wäre Christus nicht auferstanden, wäre unser Glaube tot und leer und wir wären immer noch in unseren Sünden. Dem setzt Paulus etwas ganz Schlichtes, aber geradezu Triumphales entgegen: Nun aber ist Christus auferstanden, als Erstling derer, die schlafen.

Das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus wendet unseren Blick ein weiteres Mal auf die Fragen des Priesters bei der Erneuerung des Taufbekenntnisses in der Osternacht und soll uns für die Antwort bereiten: Glaubt ihr an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben? – Ich glaube.

Kommentare:

U.I.O.G.D. hat gesagt…

ganz tolle Gedanken. Werde meine Predigt wohl umstellen müssen. Aber in der Langfassung des Textes macht Maria ihrem Herrn durchaus Vorwürfe: Joh 11,32. Gottes Segen Dein Ulli

Braut des Lammes hat gesagt…

VIelen lieben Dank für das freundliche Lob. Ich hoffe, das Umstellen der Predigt hat nicht zuviel Arbeit gemacht.

Mit Vers 32 hast du natürlich absolut recht, ich hatte das versehentlich als einen weiteren Ausruf Marthas wahrgenommen. Vergelt's Gott und auch Dir Gottes Segen!

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