Freitag, 11. März 2011

Katechumenen

Taufbrunnen und Altar in St. Thomas von Aquin
Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund. Wohin der Fluß gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden die Fluten gesund; wohin der Fluß kommt, dort bleibt alles am Leben. (Ez. 47, 8-9)

Neben dem Gedanken der Buße und Sühne ist ein weiterer zentraler Gedanke der Fastenzeit der Gedanke an das Sakrament der Taufe.

Mit dem Weg der Fastenzeit macht sich die Kirche auch auf, die Katechumenen auf dem Weg zur Taufe in der Osternacht zu begleiten. Mit den Katechumenen, die in der Osternacht die Taufe empfangen, bereiten sich die Gläubigen auf die Erneuerung des eigenen Taufversprechens in der Osternacht vor. Das Wasser, mit dem die Taufe in der Osterzeit vollzogen und mit dem die Gemeinde nach der Erneuerung des Taufversprechens besprengt wird, weiht der Priester in der österlichen Nachtwache in einem besonders feierlichen Ritus (den ich ganz wunderbar finde). In ihm ruft er die Kraft des heiligen Geistes in das Taufwasser herab: Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinen Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben. Dabei taucht er die Osterkerze, ein Christussymbol, in das Taufwasser ein.

Im frühen Christentum waren unter den Taufbewerbern naturgemäß die meisten Erwachsene, dann wurde man über Jahrhunderte hinweg zumeist als Kind in die Kirche aufgenommen.

Seit einigen Jahrzehnten und insbesondere verbunden mit dem Fall des Ostblocks hat die Zahl der erwachsenen Taufbewerber wieder stark zugenommen. Dies ließ es sinnvoll erscheinen, den altkirchlichen Katechumenat mit seinen Stationen und Skrutinien wiederzubeleben. Diese Stationen auf dem Weg zur Taufe umfassen die Feier der Aufnahme in den Katechumenat, die Bezeichnung mit dem Kreuz, die Überreichung des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses, Gebete, Segnungen, die Feier der Zulassung zu den Sakramenten, das Sprechen des Glaubensbekenntnisses, der Effata-Ritus, ggf. die Wahl eines christlichen Namens und die Salbung mit Katechumenenöl.


Inwieweit die liturgische Gestaltung dieser – ohne jeden Zweifel sehr sinnvollen – Wiedereinführung der Stationen gelungen scheint, darüber kann man verschiedener Ansicht sein. So findet die Übergabe des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses durch den taufenden Priester mit etwa diesen oder ähnlich bedeutungsschwangeren Worten (ich habe das entsprechende Rituale nicht) statt: „Hiermit übergebe ich Ihnen das Vaterunser.“ Im Ernst – bedeutende Experten für Liturgie haben sich jahrelang Gedanken gemacht und dann kommt eine Pappkarte und ein solcher Text heraus? Ich bin froh, daß unser Pfarrer in solche Feiern menschliche Wärme und Ausstrahlung bringt.

Zu den letzten Schritten auf dem Weg zur Taufe in der Osternacht gehört die Feier der Zulassung zu den Sakramenten, die vom Bischof geleitet wird und bei der daher Täuflinge aus dem ganzen Bistum in die Kathedrale kommen, um dort dem Bischof vorgestellt und von ihm zum Empfang der Sakramente der Taufe, der Firmung und der Heiligen Kommunion zugelassen zu werden. Liturgisch hat das Ganze den Rahmen einer Vesper (was, glaube ich, nur noch für mit dem Stundengebet Vertraute gerade noch zu erkennen ist, denn es kommt das Magnificat vor, das Tagesgebet des ersten Sonntags der Fastenzeit und etwas Weihrauch), ansonsten ist es eine eher bräsig herüberkommende Geschichte, was wohl durchaus auch von Täuflingen so empfunden wird. Schön finde ich, daß der Bischof die Taufbewerber segnet und daß es oft sehr viele Taufbewerber sind – im vergangenen Jahr waren es 62. Die Feier der Zulassung ist übrigens eine öffentliche Feier der Kirche (dies scheint weitgehend aus dem Bewußtsein verschwunden, wenn es denn je darin war).

In der Tat sind diese Stationsgottesdienste für die Katechumenen, ihre Begleiter und die ganze Kirche wichtig. Für die Katechumenen sind es die letzten Schritte auf ihrem Weg in die Kirche, und einzigartige dazu – niemals wird man ein zweites Mal zugelassen oder nach der Taufe noch mit dem Katechumenenöl gesalbt. Für die Begleiter mögen sie die beglückende Erfahrung mit sich bringen, jemandem auf dem Weg zum Heil ein wichtiges Stück begleitet zu haben. Oft ist derjenige mehr als die sprichwörtliche Meile mitgegangen. Für die Kirche, die Gemeinde, ist es die Erfahrung, daß sie lebendig ist, wächst, daß der Baum neue grüne Triebe hervorbringt.

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