Mittwoch, 2. März 2011

Das gefährliche Amt

Etwas verwirrt bin ich von dem Feng-shui, das zur Zeit teilweise darum gemacht wird, daß man bitte in den Fürbitten bloß nicht den verkehrten Titel bzw. das verkehrte Wort – oder eines, das jemand als verkehrt ansehen mag – verwendet (weil uns anderenfalls wahrscheinlich der Himmel auf den Kopf fällt, beim Belenus!)

Gestern ging es dann, ich möchte schon fast sagen, wegen gleich mehrerer vorheriger Ansagen tatsächlich etwas quer. Für unseren lieben… Erzbischof Altbischof Kardinal …. Heraus kam: „Für unseren lieben Bischof… Altbischof… Kardinal…“ Der Himmel ist jedenfalls nicht eingestürzt. Als nächstes hat wahrscheinlich jemand zum Wort „lieben“ etwas zu sagen. – Soviel übrigens zur „Viertelstunde Ruhm in der Pfarrei“ beim Sprechen der Fürbitten (den Blogbeitrag über dieses Zitat habe ich dann doch nicht gepostet). Bei den Fürbitten kann man sich auch komplett zum Narren machen, aber das ist ja genuin christlich, schon Paulus meint: Wir sind Narren um Christi willen.

Ich erinnere mich übrigens gern an eine heilige Messe mit dem damaligen Dompropst Riedel einige Zeit nach dem Tode Papst Johannes Pauls II., in der der Dompropst „in Gemeinschaft mit unseren Papst Johannes Paul“ betete, dann innehielt und in wirklich rührendem Tonfall sagte: „Ach nein, der heißt ja jetzt Benedikt!“ Sowas ist ganz natürlich und herzerwärmend. Mir ging es ähnlich, „unser (lieber) Bischof Georg“ ist für mich einfach eine vertraute Sprachfigur. Viel wichtiger als die Wahl der Worte oder korrekten Titel finde ich, daß für unseren Altbischof gebetet wird.

Dieser kurze Text des Direktors der katholischen Akademie Hake aus seiner Kolumne Für Sie notiert unter dem Titel Das gefährliche Amt rückt auch das leicht alberne Hin- und Herschieben irgendwelcher Worte wieder in die richtige Perspektive.
Wann habe ich das letzte Mal für einen Amtsträger in der Kirche gebetet und vor allem dafür, daß er mit seinem Amt im Gericht bestehen wird und ihm vergolten wird, was er in seinem Amt für mich und andere getan hat? Unter den Perspektiven, mit denen wir üblicherweise das Amt betrachten, dürfte diese Frage eher zu den weniger geläufigen gehören. Mehr als zwei Gedankenfetzen kann ich dazu heute nicht notieren. Erstens: Für Verschleierung fragwürdiger Machtverhältnisse wird diese Frage vor allem derjenige halten, der keine Furcht vor dem Gericht hat oder dieses Gericht nur in immanenten Kämpfen um Macht und Einfluß am Werk sieht. Zweitens: Das Amt in der Kirche gewinnt mit dem Horizont des Gerichts jenes Relief und jene Kontur, die es vor Klerikalismus ebenso wie vor Nivellierung bewahrt und darin dem Amtsträger jene einsame Spannung in die Zukunft eröffnet und zumutet, von der seine Berufung für die Gemeinschaft und seine besondere Lebensform zehrt. Oft zitiert und vielen doch so fremd ist die Aussage von Augustinus: „Was ich für euch bin, erschreckt mich; was ich mit euch bin, tröstet mich. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Bischof, das ist der Titel einer Aufgabe, die man übernimmt; Christ, das ist der Name einer Gnade. Der Titel ist gefährlich, der Name ist heilbringend.“ (Augustinus, Sermo 340)
Daß einer mit seinem Amt im Gericht bestehen wird und ihm vergolten wird, was er in seinem Amt für mich und andere getan hat, das ist ein wichtiges Gebet, darum laßt uns beten.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Oh ja, das mit dem Gericht, was Bischof Augustinus anschneidet, ist wohl wirklich ein viel zu selten bedachter Aspekt. Danke dafür!

Josef Bordat hat gesagt…

Ja, wirklich: Danke! - Dass mit dem "Lektoren-Ruhm" kann ich ganz gut nachempfinden - bin mal über den Nachnamen unseres lieben Altbischofs gestolpert... Das ist aber noch nichts im Vergleich zum "Küster-Ruhm", wenn das Rochett zu klein ist oder vergessen wurde, zum Apostelfest die Apostelleuchter zu entzünden. Da reicht die Viertelstunde nicht, das kriegt man auch noch Monate später aufs Butterbrot geschmiert. ;-)
JoBo

Josef Bordat hat gesagt…

Mal wieder auf Berlin-Visite konnte ich in der Vorabendmesse in St. Konrad (Schöneberg) die für das Hochgebet ungewöhnliche, aber nicht unsympathische Formel "vereint mit [...] unserem Bischof Bistums-Administrator Matthias und unserem kranken Kardinal" hören.

War mal wieder schön, eine Messe auf deutsch zu hören, nach einem Jahr "català"...

JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Wirklich sympathisch und auch geschickt gelöst, mit dem "Bistumsadminstrator" :) Der "Diözesanadministrator Weihbischof Matthias" ist auch etwas schwierig herauszubringen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...