Sonntag, 27. März 2011

Das Fastenmagazin…

Das drollige Bild bei Phil mit dem Magazin für die Fastenzeit hat mich wieder an die etwas verwickelten Gedanken erinnert, die ich in manchen Jahren am Anfang der Fastenzeit wälze (in anderen wieder treten sie in den Hintergrund). Gedanken wie diese können wahrscheinlich wirklich nur einem katholischen Hirn entspringen und sind ein Beispiel für die besonderen Freuden des Katholischseins.

Bei der „kleinen Stärkung“ bin ich dieses Jahr ins Schleudern gekommen: ich hatte die früheren Fastenregeln so verinnerlicht, daß nur eine kleine Stärkung erlaubt sei, nicht aber deren zwei. So habe ich trotz Bärenhunger am Aschermittwoch nach der „einmaligen Sättigung“ nichts mehr zu mir genommen und mich abends mit einer aus uralten Beuteln gebrauten Kanne Hagebuttentee (gegen den bin ich noch nicht allergisch, beim früher literweise getrunkenen Brennesseltee bin ich dagegen gleich dem asthmatischen Erstickungstod nahe) über Wasser gehalten. Macht nichts, das hat mir auf keinen Fall geschadet.

Meine anschließende Preisfrage im Hinblick auf die kleine Stärkung am Aschermittwochmorgen war daraufhin: wieviel ist eigentlich so eine kleine Stärkung? Ist da eine Brotscheibe (eine kleine, kein Bauernbrot) mit Käse schon zuviel?

In Klöstern wird die kleine Stärkung meiner Erfahrung nach durchaus unterschiedlich definiert: von einem tinzigwinzigen Stück Brot mit einer Schale Tee über Schwarzbrot mit einem ganzen Forellenfilet und ebenfalls einem Becher Brennesseltee oder einem Teller warmer Suppe mit soviel Brot wie man will (oder jedenfalls soviel, wie sich insgesamt noch auf dem Tisch befindet) ist die Bandbreite ziemlich variabel. Nr. 1 stärkt mich nicht im mindesten (während es ein Täfelchen Dextroenergen hingegen schon täte, jedenfalls temporär), im Gegenteil, falls ich vorher nicht hungrig war, bin ich es nachher. Nr. 2 und 3 machen satt. Wo bleibe ich dann aber mit der einmaligen Sättigung?

Ein Heribert Jone hat in seinem Handbuch für Moraltheologie die Frage nach dem Umfang der kleinen Stärkung offenbar in Gramm angegeben – allerdings wohl nicht für den normalsterblichen Katholiken, sondern als Ratgeber für den Beichtvater, damit der eine Antwort weiß, wenn ihn Leute wie ich etwa mit einer solchen Frage in den Wahnsinn treiben wollten (wollte ich aber nicht…). Ein hilfsbereiter Nutzer in einem Forum veröffentlichte zusätzlich zur Gewichtsangabe als Vergleich noch das Gewicht eines Brötchens und seines eventuellen Belags, was mich im Hinblick auf die Brotscheibe von oben beruhigt hat, bis zur bahnbrechenden Erkenntnis (allerdings erst nach erfolgter Addition der Gewichte):

a) ich glaub, das ist alles völlig akademisch und ein Nebenschauplatz (Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist) und

b) ich dosiere die kleinen Stärkungen so wie ich sie brauche, um an der Altarstufe nicht Flecke in liturgischen Farben vor meinen Augen tanzen zu sehen, während der Chor das Sanctus singt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes,
zu Ihren Äußerungen über das Fasten: Ich habe jetzt schon verschiedentlich festgestellt, dass wenn ich in die kirchlichen Fastenzeiten ein, zwei Wochen Gesundheitsfasten einschiebe, die Freude an schlichtester Gemüse- und Getreidesuppe DERART groß ist, dass sie mit dem Fastencharakter der Tage eigentlich nur noch schwer vereinbar ist, eher schon an das Osterfrühstück erinnert. Eine völlige Abstinenz über 6 1/2 Wochen on the other hand krieg ich nicht hin - und sicher ist es ja auch nicht vorgesehen, an den Sonntagen (zu schweigen vom 25.3.) zu fasten. Da mein Lebensstil eh schon relativ spartanisch ist (was nun u.a. eben auch dadurch bedingt ist, dass eben zweimal im Jahr schlichteste Gemüse- und Getreidesuppen zu einer feinschmeckerischen Offenbarung werden), fällt mir diese kirchlicherseits empfohlene Zwischenstufe mit einer Hauptmahlzeit und einer kleinen Stärkung relativ schwer (bzw. ich habs noch nicht wirklich ausprobiert, kann mir's also nur schwer vorstellen).
Gibt es irgendwo im weltweiten Web eine Seite, wo diese Frage (Verhältnis von liturgischem und Gesundheitsfasten; Verträglichkeit, Unverträglichkeit der beiden Absichten, eventuell die Möglichkeit, sich zu ergänzen ...) ein wenig hin- und hergewendet wird?

.U. hat gesagt…

Ich habe jetzt eine Weile gesucht, leider nichts gefunden.
@BdL Hast du eine Idee?

Anonym hat gesagt…

Hallo .U., danke schonmal. Ich glaube, was "BdL" oben geschrieben hat:

"Die Freude am Geschmack eines reifen Apfels, dem Sonnenlicht, dem Geruch einer frischgemähten Wiese, dem Gesang einer Amsel - das alles kann schieres, sinnliches Glück schenken, und Gott hat all das nicht erschaffen, damit wir uns nicht daran freuen sollen."

gehört ja auch dazu. Und überhsupt das Wunder von EINFACH NUR Brot und Wein. Wie Teresa das wohl gesehen hätte ...? ("Wenn Fasten, dann Fasten ..." etc.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Leider wenig, da ich mich mit der Thematik des Gesundheits- oder Heilfastens nie beschäftigt habe (ich sehe im Fasten kein diätetisches Mittel).

In Gesprächen hat sich allerdings neulich die Ansicht herauskristallisiert, daß weder in den kirchlichen Geboten für das Fasten noch in irgendeiner sonstigen verbindlichen Literatur die Ansicht geäußert wird, das Essen, daß man zu sich nimmt, dürfe keine Freude bereiten bzw. müsse möglichst schlecht schmecken. Mir ist dazu die Küchenschwester im Karmel eingefallen, die auch über schlichteste Salate oder sonstige Gerichte noch (eßbare) Blümchen wie Boretsch gestreut hat.

Persönlich handhabe ich es so, daß ich am Sonntag und an Hochfesten zwar nicht faste, es ist aber nicht etwa vorgeschrieben, nun unbedingt Fleisch und Wurst essen zu müssen. Kirchlich geboten ist die Abstinenz (und die Sache mit der Stärkung) nur am Aschermittwoch und Karfreitag, falls das oben nicht ganz deutlich geworden sein sollte.

Braut des Lammes hat gesagt…

Zu Teresa: die war eine bemerkenswert nüchterne Frau. Ich glaube, sie hätte es so gesehen, daß man es nehmen soll, wie Gott es schickt. Wenn es so kommt, daß man, wie sie im Buch der Klostergründungen schreibt, "nicht einmal etwas Reisig hat, um eine Sardine zu braten", soll man sich darüber nicht verrückt machen und wenn die Sardine dann da ist, soll man sie dankbar essen.

Anonym hat gesagt…

Ja ... die Gefahr, dass das Heilfasten ein arger Egotrip wird, lässt es sicher ratsam erscheinen, es aus der kirchlichen Fastenzeit ganz rauszuhalten. Hm.

Anonym hat gesagt…

Bei einigen mittelalterlichen Heiligen von der eher asketischen Art wurde das Mißvergnügen am "Futter für den Bruder Esel" ja zu einem besonderen Kennzeichen der Heiligkeit hochstilisiert.

Ich glaube, bei Dionysius dem Kartäuser (einem niederländ. Mystiker, + 1471) ist auch noch überliefert, daß er nichts frisches gegessen habe, weil usw.

Pompous Ass

Braut des Lammes hat gesagt…

Drum schrub ich "verbindliche Literatur". Wenn jemand sich das auferlegen will und ihm das hilft, dann mag er. Beim Herrn Jesus, dem wir ja ähnlich werden wollen, finde ich halt nichts darüber, daß er sich, wenn er nicht gefastet, sondern gegessen hat, bei der Hochzeit von Kana oder bei Martha mäkelig gezeigt bzw. sich Essig über etwas gegossen hätte, in das eigentlich Zucker gehört.

Wenn man sich Ratschläge zur Abtötung wie die von Mercier einmal anschaut, so findet man da halt auch vieles schwer oder gar nicht verständliche bzw. solches, das ein einzelner fassen kann, ein anderer dagegen zu der Zeit eben nicht.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...