Sonntag, 20. März 2011

2. Fastensonntag – dein Angesicht, Herr will ich suchen

Meister der hl. Veronika
Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht!
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht dein Gesicht vor mir.
(Eröffnungsvers des zweiten Fastensonntags, Reminiscere)

Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diese Stelle aus dem Brief des Apostels an die Korinther über den göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi fiel mir im Zusammenhang mit dem Evangelium des zweiten Fastensonntags von der Verklärung ein: Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Der Blick auf dieses verklärte Antlitz Christi ist ein Blick auf die Herrlichkeit Gottes – Gott von Gott, Licht vom Licht, wie es im großen Glaubensbekenntnis heißt.

Zugleich ist und bleibt dieses Antlitz auch menschlich. So habe ich auch an die 6. Station des Kreuzwegs gedacht: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch, in das dieser sein Antlitz drückt – ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Der Blick auf dieses Antlitz Christi vereinigt uns mit seinen Sorgen, seiner Liebe, seiner Einsamkeit und seiner Verlassenheit.

Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so daß wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, daß wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. (Jes. 53, 2-3)

Die heilige Veronika hat von dieser Begegnung mit Christus und dem Abbild seines Antlitzes ihren Namen: Vera (e)ikon – wahres Abbild. In den Augen der Menschen war der Dienst, den sie einem verurteilten Verbrecher geleistet hat, gering, obwohl er schon als solcher Mut erforderte. Selma Lagerlöf hat in ihren Christuslegenden über diese Begebenheit eine wunderschöne Geschichte geschrieben – wie Faustina, die später in der Taufe Veronika genannt wird, dem von Lepra und ausschweifender Lebensart zerstörten Kaiser Tiberius das Tuch bringt, in das der Erlöser sein Antlitz gedrückt hatte. „Ich und alle andern, wir sind wilde Tiere und Ungeheuer, aber du bist der Mensch!“ ruft Tiberius beim Anblick dieses Gesichtes aus und ist im selben Moment geheilt.

Das hl. Antlitz, Dieric Bouts

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten und ihr braucht nicht zu erröten, heißt es im 34. Psalm. „Von deinem lieben Sohne kommt all das Leuchten dein“, singen wir in einem Marienlied. – Das Licht, der göttliche Glanz, der vom Antlitz Christi ausgeht, fällt auch auf unser Gesicht, erleuchtet uns und verleiht uns etwas von seiner Schönheit und wahrer Menschlichkeit. Das Antlitz Christi prägt sich noch immer in das Tuch ein, das wir selbst denen entgegenhalten können, die leiden, arm, hungrig oder durstig an Seele oder Leib sind, die nackt sind, Fremde, oder im Gefängnis sitzen: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Den wahrhaft göttlichen Glanz, wie ihn die Jünger bei der Verklärung geschaut haben, und dessen unbeschreibliche Herrlichkeit sie verwirrte, den werde ich dann einmal schauen, von Angesicht zu Angesicht.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Anschauen und sich selber
anschauen lassen.
Sich ERKENNEN lassen.
ER erkennt dich!

Phillip hat gesagt…

Ja, ich muss sagen- dieses Wort Erkennen hat mich bereits in den letzten Tagen beschäftigt.Übrigens toll zusammengestellt!

lg,
Phillip

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für eure Kommentare. Das sich selbst anschauen lassen war mir vielleicht diesmal weniger im Blick, da mich seit Allerseelen und gerade sehr aktuell Hiob bewegt mit seiner Sehnsucht nach der Schau Gottes. (Hiob 19, 23-27)

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