Sonntag, 13. März 2011

1. Fastensonntag – die Versuchung in der Wüste

Christus in der Wüste (die Versuchung in der Wüste), Briton Rivière, 1898
Weil der Teufel sah, daß Christus vierzig Tage lang fastete, war er verzweifelt; als er aber spürte, daß jener Hunger hatte, begann er wieder zu hoffen; daher folgt: Und es trat der Versucher an ihn heran. Wenn du also gefastet hast und versucht wirst, sage nicht: Ich habe den Nutzen meines Fastens verloren; denn auch wenn dir dein Fasten nicht dazu genützt hat, um nicht mehr versucht zu werden, so wird es dir dennoch helfen, von deinen Versuchungen nicht besiegt zu werden. (hl. Johannes Chrysostomus)

Der erste Sonntag der Fastenzeit, Invocabit (Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören), bildet nach dem Aschermittwoch gleichsam ein zweites Tor in die eigentliche Quadragesima, die vierzig Tage. Vom Evangelium dieses Sonntags[1] mit der Versuchung Christi spannt sich ein Bogen zu der Antwort auf die Frage des Zelebranten bei der Erneuerung des Taufversprechens in der Osternacht: Widersagt ihr dem Satan? Und all seiner Bosheit? Und all seinen Verlockungen? – Ich widersage.

Die Versuchungen des Teufels im Evangelium des ersten Fastensonntags stehen für alles, was uns von Gott, dem wir in der Fastenzeit ja gerade näherkommen wollen, wegführen kann: die vornehmliche Sorge um das eigene Wohlergehen und die eigene Bedeutsamkeit, das Verlangen danach, etwas darstellen zu wollen und das Streben nach der Macht, danach, über andere verfügen zu wollen – das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. …wenn du niederfällst und mich anbetest – beim Hören dieses Evangeliums erschien mir heute die Vorstellung, daß Satan tatsächlich gewagt hat, Christus ein solches Angebot zu machen, besonders erschreckend.

Auf jede dieser Versuchungen antwortet Jesus mit einem Verweis auf das Wort Gottes, das Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht, mithin auf die enge Beziehung zwischen ihm und Gott, dem Vater:

Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.


Unter den Versuchungen des Teufels, mit denen dieser an Christus herantritt, ist die Versuchung des Stolzes – Wenn du Gottes Sohn bist… – am listigsten und zugleich am gemeinsten. Wenn ich in einen alten Fehler zurückfalle und zornig werde, liegt es eigentlich regelmäßig daran, daß mich jemand in meinem Stolz verletzt hat.

Wie leicht wäre es für Jesus an dieser Stelle gewesen, seine Macht zu zeigen, oder dem Zorn darüber, daß jemand seine Gottessohnschaft in Frage stellt, nachzugeben. Daß er es nicht tut, soll mir ein Beispiel sein.

Die Art und Weise wie ich am Leiden Christi teilhaben kann, ist oft sehr armselig. Daß sogar dieses wenige noch schwerfallen kann und sei es auch nur scheinbar schwer („Nach dieser Anstrengung brauche ich jetzt einfach etwas Zucker!“), ist nun wirklich kein Ruhmesblatt, aber vielleicht gerade deshalb gut geeignet, meinem Stolz und dem Hochmut entgegenzustehen.

Das meint der Kirchenvater, wenn er sagt: Wenn du also gefastet hast und versucht wirst, sage nicht: Ich habe den Nutzen meines Fastens verloren; denn auch wenn dir dein Fasten nicht dazu genützt hat, um nicht mehr versucht zu werden, so wird es dir dennoch helfen, von deinen Versuchungen nicht besiegt zu werden.

Wenn ich mir klarmache, warum ich faste oder mir einen Verzicht auferlege, wenn ich mich im Gebet stärke mit dem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht, wenn ich die heilige Kommunion empfange – Steh auf und iß, sonst ist der Weg zu weit für dich – dann hilft mir das in der Versuchung, dann wird aus diesen Steinen in der Wüste doch noch Brot.

___
[1] Umständehalber habe ich dieses Jahr die (wenn ich mich recht erinnere) allererste Predigt meines katholischen Lebens zu diesem Sonntagsevangelium gehört, da sonst immer der Hirtenbrief des Bischofs am ersten Fastensonntag verlesen wird. Satz des Tages: Was ist jetzt der Unterschied zwischen Maria und Al Pacino?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen wunderbaren Beitrag samt Bild, der mich wieder ein paar Fastentage lang begleiten wird.

Aber man wüsste doch ZU gern, in welchem Zusammenhang der Satz des Tages formuliert wurde ... (Im Hirtenbrief "unseres" "Bischofs" war von der Wandlungspotenz scheiternder Ehen die Rede, die es doch schön wäre zu nutzen. Das heißt: Es dürfte jetzt wohl bald alles möglich sein.)

Braut des Lammes hat gesagt…

DIe Schriftversion gibt jetzt den Al Pacino (als Teufel im Film) nicht her, aber den Kontext:

Wir kennen einen anderen Menschen, der gleichfalls Jesus zu einem Wunder angestiftet hat – im Johannesevangelium: seine Mutter Maria. »Sie haben keinen Wein mehr« hieß es damals. Da war Jesus auch nicht erfreut, aber immerhin hat er es dann doch getan. Was ist der große Unterschied? Die Prämisse – Maria sagte nicht: »Wenn Du ein braver Junge bist...« - sie setzte Jesus nicht unter Druck – der Versucher hingegen probiert genau das: »Wenn du Gottes Sohn bist...« - genau diese subtile Taktik ist meiner Meinung nach das Kennzeichnende, der Verwirrer nutzt Selbstzweifel, Schwächen, um unser Lebensziel lächerlich zu machen.

Hier die ganze Predigt

abitene hat gesagt…

von wem ist denn das tolle Bild?

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist von Briton Rivière, einem irischen Kunstmaler. Die englische WP hat einen Artikel über ihn: http://en.wikipedia.org/wiki/Briton_Rivière

abitene hat gesagt…

merci. Grad geschaut, seine Bilder mit Daniel und den Löwen sind auch eindrucksvoll.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, die haben mir auch gefallen. :)

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