Freitag, 4. Februar 2011

Wenn das Salz seinen Geschmack verliert…


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
Diese Worte des Herrn aus dem Evangelium für den fünften Sonntag im Jahreskreis richten sich an uns alle. Besonders passend erschienen sie mir gerade im Hinblick auf die aktuelle Debatte und die 143 ways to leave the Roman catholic church.

Unter den Beiträgen der katholischen Blogger hat mir der Beitrag von Johannes auf Vita in Deum dazu sehr gut gefallen:
Der Zölibat ist eine persönliche Berufung, wie auch die Ehe eine solche ist. Die Ehe ist eine persönliche Berufung auf einen ganz bestimmten Menschen hin. Ebenso ist der Zölibat eine persönliche Berufung. die auf ein ganz bestimmtes Leben aus ist. Hier sprechen wir von Gottes Führung und helfender Gnade, auf die der Mensch sich einlassen sollte und die auf seiner Natur aufbaut. Hier gibt es nichts abzuschaffen, weil es von Gott ist. … Was ich sagen will ist: Mit der Abschaffung der Institution vergeht das Leuchten des Charismas. … Es klingt etwas ungewohnt, ist aber so: Erst die Schaffung einer Institution gibt den vielen Einzelcharismen einen Rahmen, einen Stand, einen geschützten Raum. Ähnlich ist es mit dem Charisma des priesterlichen Zölibates. Auch er braucht die Institution, sonst verlöre er seinen Halt und er ginge unter. Hier haben die protestantischen Kirchen etwas abgeschafft, was ich als Katholik nur als Verlust ansehen kann.
Zu Charisma und Stand der geweihten Jungfrauen, die Johannes ebenfalls anspricht, hat die amerikanische Mitschwester Sponsa Christi in einer kleinen Anmerkung zu der Ansprache des Heiligen Vaters zum diesjährigen Tag des geweihten Lebens geschrieben:
One of the challenges of becoming a consecrated virgin at this point in time is that the consecrated virginity as a vocation is frequently overlooked or misunderstood. While I don’t think that this particular difficulty is an intrinsic part of our charism (since consecrated virginity is a PUBLiC state of consecrated life), I still often find helpful in my own spirituality to strive to imitate Jesus in the humility of His Incarnation and in His willingness to be overlooked and unnoticed. The fact that some of the most awesome and glorious events in all of history could be so widely ignored reminds me that it is not human respect or esteem which makes a call from God valuable or “real.”

Eine der Herausforderungen, in unserer Zeit geweihte Jungfrau zu werden, ist, daß die gottgeweihte Jungfräulichkeit als Berufung häufig übersehen oder mißverstanden wird. Obwohl ich nicht glaube, daß dies ein wesentlicher Bestandteil unseres Charismas ist (da die gottgeweihten Jungfrauen ein ÖFFENTLiCHER Stand des geweihten Lebens sind), finde ich es trotzdem für mein eigenes geistliches Leben hilfreich, mich darum zu bemühen, Jesu Demut seiner Menschwerdung und seiner Bereitschaft, übersehen zu werden und unbemerkt zu bleiben, nachzueifern. Die Tatsache, daß einige der ehrfurchtgebietendsten und herrlichsten Ereignisse in der ganzen Geschichte derart weithin übersehen wurden, gemahnt mich daran, daß es nicht menschlicher Respekt oder menschliches Ansehen sind, die Gottes Ruf wertvoll oder „wahrhaftig“ machen.
Leicht fremdgeschämt habe ich mich heute, daß sich tatsächlich 143 oder 144 Leute – Theologen! (Theo-logos ist bekanntlich das Wort, das Sprechen von Gott, nicht das Kreisen um uns selbst) – bereitfanden, so ein Machwerk zu unterschreiben. Andererseits: die Petition zur Erhaltung des ostigen Ampelmännchens – die ich im übrigen wesentlich sinnvoller fand, aber da gings ja auch um Erhaltung, nicht um Demontage – haben seinerzeit viel mehr unterschrieben.

Daß jemand die Stirn hat, einen Forderungskatalog, der weit vom Verständnis der Kirche als mystischer Leib Christi entfernt liegt, Memorandum zu nennen, ist an sich eine Unverschämtheit. So als habe derjenige, der sich da etwas überlegen soll – der Papst, der Nachfolger Petri –, bisher noch gar nicht darüber nachgedacht, und als wäre das, was dabei herauskäme, setzte er diese Forderungen in die Tat um, nicht etwas ganz anderes als die allgemeine, heilige und katholische Kirche, die dieser Leib ist. Ist etwa der ganze Leib nur Auge oder Ohr, sind alle Apostel, Lehrer, Heiler, Helfer, Wundertäter oder prophetisch Redende? fragt der Apostel und widerlegt dies sogleich: jeder von uns hat eine andere Gabe und Aufgabe.

Nach so essentiellen Worten wie Freude, Gnade, Gott, Führung, Leib Christi, Sakrament, Ruf Gottes sucht man in diesem Forderungskatalog des sogenannten Memorandums 2011 vergeblich. Was für ein anderes Verständnis bringen dagegen etwa die Worte des Grazer Bischofs Kapellari zum Ausdruck, der unlängst auf die Frage, ob ihm die Verlängerung seiner Amtszeit nicht doch etwas schwerfiele, geantwortet hat: Ich bin ja nicht Priester und auch nicht Bischof geworden, um mich selbst zu verwirklichen.

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