Dienstag, 1. Februar 2011

Wahres Licht vom wahren Licht – Darstellung des Herrn


Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh 1, 9-14)


Der volkstümliche Name des Festes der Darstellung des Herrn ist Mariä Lichtmeß. Dieses freudige Fest bildete früher das Ende der Weihnachtszeit. Die Kirche feiert an diesem Tag zwei Geheimnisse: die Darbringung des neugeborenen Jesuskindes im Tempel am 40. Tag nach seiner Geburt und das Dank- bzw. Reinigungsopfer (gewöhnlich ein Lamm und eine Taube oder aber zwei Tauben) der Gottesmutter, beides nach dem Gesetz des Mose. Dieses Gesetz sah auch für die Geburt eines Jungen die Zahlung einer Summe von fünf Schekeln an dem Tempel vor. Die Begegnung mit Simeon und Hanna mag beim Warten auf den Priester geschehen sein, der die Gaben entgegennehmen sollte.

Die Liturgie des Festes der Darstellung sieht seit ältesten Zeiten eine Lichterprozession vor, Schon die geweihte Jungrau Egeria (Ätheria) schreibt über diesen Brauch:
Der vierzigste Tag nach der Erscheinung des Herrn wird ohne Zweifel mit den allerhöchsten Ehren gefeiert, denn an diesem Tage findet eine Prozession in der Grabeskirche statt, an der alle teilnehmen. Alles wird in guter Ordnung und mit der allergrößten Freude begangen, genau wie am Osterfest. Alle Priester und nach ihnen der Bischof predigen über die Stelle des Evangeliums in der Josef und Maria den Herrn am vierzigsten Tage in den Tempel brachten und Hanna, die Prophetin, die Tochter Phanuels, ihn erblickte … Nachdem alles, was Brauch ist, in guter Ordnung versehen wurde, wird das Sakrament gefeiert und das Volk entlassen („Sacramenta aguntur et sic fit missa.“)
Die Liturgie des Festes beginnt mit der Kerzenweihe und der Prozession zum Altar, dem Ort, an dem wir, wie einst Simeon im Tempel, Christus selbst begegnen.

Bei der Kerzenweihe werden die Kerzen für den liturgischen Gebrauch* des Kirchenjahres gesegnet: die Altarkerzen und die Kerzen, die in der Liturgie sonst angezündet werden (etwa für den Blasiussegen) wie auch die Lichter, die die Gläubigen zur Prozession und zur Lesung des Evangeliums in Händen tragen. Zumindest Anfang des letzten Jahrhunderts war es noch vielfach üblich, diese Kerzen, die die Gläubigen später mit nach Hause nehmen, sorgsam aufzuheben, damit sie einmal in der Stunde des Todes am Sterbebett brennen konnten. Sie sind, wie die Osterkerze ein Christussymbol, ein Sinnbild des wahren Lichts, das in die Welt kam. Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, beten wir auch im Glaubensbekenntnis.

Die Kirche singt am Abend jeden Tages im Stundengebet den wunderbaren Lobgesang des Simeon, den er an Gott richtete, als er dieses wahre Licht selbst erblickte:
Nun läßt du, Herr, deinen Knecht wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Traditionell singt man diesen Gesang zur Lichterprozession und dazu die Antiphon Lumen revelationem.

Durch die Segnung werden die Kerzen zum Sakramentale, zum heilswirksamen Zeichen. Auch die alten Gebete zur Kerzenweihe (insgesamt waren es fünf) sind sehr schön. Zur Segnung spricht der Priester

℣: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
℟: der Himmel und Erde erschaffen hat!

℣: Lasset uns beten!
Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, wir bitten Dich, segne diese Kerzen + und lege in sie hinein durch die Kraft Deines heiligen Kreuzes + einen wahren Himmelssegen. Du hast sie uns Menschen gegeben zur Verscheuchung der Finsternis. Darum mögen sie durch das Zeichen des heiligen + Kreuzes eine solche Kraft erlangen, daß von allen Orten, wo sie gebraucht oder aufbewahrt werden, die Mächte der Finsternis mitsamt ihrem Anhang weichen müssen, um nie mehr jene zu beunruhigen und zu quälen, die Dir dienen, dem allmächtigen Gott, der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

In dem Licht, Glauben, Vertrauen und der Hoffnung des Festes der Darstellung des Herrn feiert die Kirche auch den Tag des geweihten Lebens.
Betrachten wir die Jungfrau, wie sie ihren Sohn im Tempel von Jerusalem darbringt. Die Frau, die in der Stunde der Verkündigung den Willen Gottes bedingungslos annahm, wiederholt heute in gewisser Weise die damals von ihr gesprochenen Worte: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Diese Haltung der fügsamen Treue gegenüber dem Plan Gottes wird ihren gesamten Lebensweg prägen.

Daher ist die Gottesmutter das erste und höchste Vorbild jedes geweihten Menschen. Laßt euch von ihr leiten, liebe Brüder und Schwestern. Nehmt ihre Hilfe demütig und vertrauensvoll in Anspruch, vor allem in Zeiten der Prüfung.

Und du, Maria, wache über diesen deinen Kindern, führe sie zu Christus, Ruhm Israels, Licht der Völker. Virgo Virginum, Mater Salvatoris, ora pro nobis! (Papst Johannes Paul II. am Tag des geweihten Lebens 2004)
__
*Eine Ausnahme ist die Osterkerze, die in der Lichtfeier der Osternacht bereitet und gesegnet wird.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...