Sonntag, 20. Februar 2011

Vorfastenzeit – die stimmungsvolle Vorhalle


Septuagesima – siebzigster Tag vor Ostern. Nach der früheren liturgischen Ordnung begann an diesem Sonntag die sogenannte Vorfastenzeit.

Der Schott nennt den kurzen Abschnitt des Kirchenjahres von Septuagesima bis zum Beginn der großen Fastenzeit „sozusagen die stimmungsvolle, schöngegliederte Vorhalle, die in Rom dem Heiligtum der Quadragesima vor dem Tode Gregors des Großen vorgebaut worden ist.“

Selbst habe ich diese Vorhalle nie erlebt, mir ist aber dieses Jahr so deutlich wie nie ins Bewußtsein gekommen, daß man sie vermissen kann oder aber gern eine solche stimmungsvolle, schöngegliederte Vorhalle hätte.

Schön erklärt der alte Schott die Herkunft der Bezeichnung Septuagesima:
Der Zeitabschnitt bis Ostern, in den wir jetzt eintreten, umschließt reiche und tiefe Geheimnisse. Es gibt zwei Zeiten, sagt der hl. Augustinus zu Psalm 148, die eine, die jetzt in den Wirren und Versuchungen dieses Lebens abläuft, die andere, die in Ruhe und ewiger Freude verbracht werden soll. Und beide Zeiten feiern wir hinieden: die eine vor Ostern, die andere nach Ostern. Die Zeit vor Ostern bedeutet die Kümmernisse des Lebens, die Zeit nach Ostern die himmlische Seligkeit, die wir einst genießen sollen. Deshalb verbringen wir die erste dieser Zeiten in Fasten und Gebet, die andere in Freudengesängen, und während ihrer Dauer wird nicht gefastet.

In der Sprache der Kirche stehen in diesen zwei Zeiten zwei Orte zueinander in Beziehung: Babylon und Jerusalem. Babylon, das Bild der in Sünde zerfallenen Welt, wo der Christ die Zeit der Prüfung verbringen muß: Jerusalem, das Bild des himmlischen Vaterlandes, wo er von allen Kämpfen ruht. Das gefallene israelitische Volk (Symbol der ganzen Menschheit) wurde aus Jerusalem verbannt und siebzig Jahre zu Babylon in Gefangenschaft gehalten. Daran erinnert die Zahl Siebzig (Septuagesima). Wir sind Verbannte, Gefangene, eine Beute aller Gefahren, die die böse Welt, Babylon, in sich bringt. Wir schauen nach der Heimat aus und brechen mit den sündhaften Freuden und Genüssen des Erdenlebens. In den Lesungen der Matutin werden wir an die großen Tatsachen der Schöpfung, des Sündenfalles, der Sintflut und des Gerichts über Sodom und Gomorrha erinnert. So leben wir in der heiligen Vorfastenzeit in einer Zeit ernster Besinnung und mutiger Abkehr von der Welt mit ihren Fastnachtsbelustigungen.

Ob es sinnvoll ist, sich persönlich auf eine Vorfastenzeit einzurichten, wenn sie zugleich liturgisch in der ordentlichen Form nicht begangen wird, weiß ich auch nicht zu sagen. (In der Liturgie war die liturgische Farbe Violett, man sang in Stundengebet und Messe schon ab diesem Sonntag kein Alleluja mehr und auch kein Gloria, statt Ite Missa est hieß es Benedicamus Domino). Seit alter Zeit wurden am Sonntag Septuagesima auch die Katechumenen benannt, die in der Osternacht die Taufe empfangen sollten. Dies, wie auch nahezu alles andere aufgezählte, hat sich zur ersten Vesper des ersten Fastensonntags hinverlagert.

Einleuchtend erscheint mir, dem Leib eine Möglichkeit zu geben, sich auf die Fastenzeit einzustellen, bevor es dann „so richtig losgeht“. So habe ich vor, den Fasten, die ich unter dem Jahr einzuhalten versuche (Werke der Buße und des Fastens sind den Virgines unter anderem besonders ans Herz gelegt), etwas – nur weniges – hinzufügen. Zwar ist Fasten bzw. die Buße im allgemeinen kein Hochleistungssport[1], jedoch ist eine gute Fastenzeit vielleicht wirklich mit einem Lauf zu vergleichen. Da fängt man auch nicht mit der längsten Distanz an, ohne zuvor etwas zu trainieren bzw. wenigstens ein paar Übungen zum Aufwärmen zu machen.

Ob man auf diese Weise nicht das Dach der Vorhalle ohne die Säulen hat, weiß ich wie gesagt, auch nicht, denn oben ist ja vom Ernst der Gesinnung und der geistlichen Vorbereitung die Rede, nicht von der Bereitung des Leibes. Wie so vieles, muß man es wahrscheinlich einmal ausprobieren. „Wenn es dir guttut, dann komm!“, sagt der hl. Franziskus.

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[1] Auch sind Fastenopfer nicht vom diätetischen Standpunkt zu sehen. „Gottseidank Fastenzeit/Advent (Nichtzutreffendes bitte streichen) – ich war sowieso zu dick!“

Kommentare:

Pastoergregis hat gesagt…

Danke für die Erinnerung. Mir war das nie so bewußt mit der Vor-fastenzeit. Man muß wohl viel von "Früher" aufarbeiten.

verena hat gesagt…

ich find das Beispiel mit dem "Lauf" richtig gut, denn Training muss unbedingt sein. Warum also nicht vor der Fastenzeit schon einwenig beginnen.

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