Mittwoch, 23. Februar 2011

Kathedra Petri – ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt


(oder: warum ich nicht unterschrieben habe)

Von dem sich immer schneller drehenden Karussell an offenen Briefen und deren Kommentierung habe ich mich auf meinem Blog weitgehend ferngehalten. Aufmerksame Leser haben womöglich trotzdem zwischen den Zeilen gelesen, vor allem im Hinblick auf das, worüber ich nicht geschrieben habe.

Zum einen: mein Blog ist meine Party, wie es so schön heißt, zum anderen – viel wichtiger – stand ganz zu Anfang parallel zu den aktuellen Entwicklungen eine Predigt unseres Herrn Pfarrers, in der dieser die Frage anriß, ob man sich mit dem Schreiben offener Briefe manchmal wirklich einen Gefallen täte, weil diese an Dinge rührten, an die man nicht rühren darf. Später dann: Man sollte auch bei Dingen, für die es sich lohnt, mit ganzer Hingabe einzutreten, einen kühlen Kopf bewahren. Genau.

Auf Aufforderungen im Stile von (wenn ich mich recht erinnere) „Noch nicht unterschrieben? Jetzt aber hin!“ mag ich sowieso nicht reagieren, wahrscheinlich ist das der etwas rebellische, typisch württembergische Zug in mir. Ich möchte etwas aus Einsicht heraus tun, und nicht, weil viele es tun.

Zum Fest der Kathedra Petri paßt es allerdings wirklich gut, etwas darüber zu schreiben. Der Dienst, den wir am Fest Kathedra Petri besonders betrachten, ist das Lehramt des Petrus und das Hirtenamt der Kirche. Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes wird den Bischöfen in der ersten Lesung des Festes aufgetragen. Im Evangelium hören wir dann ein Versprechen des Herrn selbst, auf das wir uns getrost und vertrauensvoll verlassen können: Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Offene Briefe und immer neue Mahnungen an die, die zum Hirtenamt in der Kirche bestellt sind, helfen uns nicht weiter, sie schaffen nur Unfrieden und verhärten die Herzen. Im Grunde tut auch die Petition nichts anderes. Ich meine, es ist ein Unterschied, ob ich an einen Bischof oder an einen Priester schreibe, um ihn zu bestärken: „Ich finde es wunderbar, daß Sie … gern möchte ich Ihnen an dieser Stelle einmal dafür danken“ oder ob ich von Rechten schreibe und von dem, was ich meine, das mir zusteht: „Sorgen Sie dafür, daß…“, „Wir haben ein Recht darauf, daß…“

Bei all dem Hin- und Herschreiben und Unterzeichnen ist mir diese Stelle aus den Briefen des Apostels an die Gemeinde in Korinth in den Sinn gekommen:
Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloë berichtet, daß es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, daß jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt? (1 Kor 1, 11-13)
Mir klingt das im Moment oft ähnlich: Ich halte zum Memorandum – ich zur Petition – ich zu Papst Benedikt – ich zu Christus. Das wunderbare daran, zu einer Weltkirche zu gehören und auch eine der wichtigen Aufgaben des Papstamtes ist, uns jeweils die richtige Perspektive bzw. Relation aufzuzeigen und so manches vielleicht temporär wichtig erscheinende wieder etwas geradezurücken.

In der gestrigen Predigt unseres Weihbischofs em. zum Fest der Kathedra Petri bezog er sich auf die Lukaspassion, in der es heißt: Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt.

Das ist ein Gebet für den Nachfolger Petri, das wir sprechen sollten: Wir haben für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. In der Tat tun wir es bei jeder Heiligen Messe, um den Papst zu stärken bei seinem schweren Amt.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für die Worte, die mich nachdenklich machen. Ihr Text ist ein spiritueller Tritt in meinen Hintern.

JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke. Das von Ihnen als Philosoph und jemand, dessen Blogbeiträge mir außerordentlich gut gefallen, ehrt mich.

Gespräche-am-Jakobsbrunnen hat gesagt…

Gut dass du es geschrieben hast, liebe Braut des Lammes, mir geht es nämlich genau so. Und ehrlich: was soll es denn bringen, es wird alles weiter gehen wie bisher.; die einen werden weiter nach REformen rufen und die anderen weiter schweigen.
Der von dir zitierte Korintherbrief geht aber weiter, so haben wir am Sonntag den wunderbaren Satz daraus gehört, der mich sehr getröstet hat: "Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott."
Es ist mir wahrlich nicht egal, was sich da in der Kirche tut, aber heute in der hl. Messe wurde mir wieder bewusst, dass allein von Gott Rettung kommen kann. Oder um es mit dem Gotteslob zu sagen: "Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann: erbarm dich Herr!"

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke dir. Mich hat eben diese Stelle am Sonntag auch angesprochen.

Johannes hat gesagt…

Der heilige Thomas sagt einmal, ein Richter muss anordnen, dass ein Übeltäter verfolgt und belangt wird. Dessen Frau muss ihn verstecken dürfen.
Der Richter hat das Wohl des Staates zu besorgen, die Frau das Wohl ihrer Familie. Beides hat gute Gründe, beides muss deshalb sein dürfen. Eine wunderbare Haltung des Heiligen. Gleichschalten wollen immer die Totaliären.

Als Unterzeichner und Unterstützer der petitio kann ich durchaus gute Gründe für mein Tun erkennen. Katholisch ist, wenn jemand - im selben, sakramentalen Geist verbunden, gute Gründe für eine andere Position hat.

Danke.

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Laß uns einen Offenen Brief mit der Forderung nach Vermeidung von Petitionen und Memoranden verfassen! :-)

Jetzt fühle ich mich nicht mehr so alleine!

Guenter hat gesagt…

Dein Text trifft den Punkt genau. Man könnte auch schreiben: Herr Dein Wille geschehe . . . und wir sind alle Sorgen, Ängste und Nöte los. Nur - glauben will es keiner. Darum die Bitte: im Glauben zu wachsen.

jos.m.betle hat gesagt…

...und was noch dazu kommt: wenn man die Unterschriftenliste ansieht, ist festzustellen, dass sich da Leute tummeln, die sonst sehr unterschiedliche Ansichten haben, oder anders: mit denen einzelne Unterzeichner sicherlich häufig nicht übereinstimmen. Ergo: wie bei einer Wahl; man möchte für einen Aspekt stimmen und muss sich für das Ganze entscheiden; so kommt man mit Menschen zusammen...

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für die Kommentare.
@Vincentius Lerinenis: genau. ;P Deinen Beitrag fand ich gut und hätte gern auch entsprechend kommentiert; gerade am und nach dem Wochenende kam ich aber nicht dazu. Oremus würde vielleicht auch unterschreiben, daß er nicht unterschreibt.

@Jos. Das halte ich für eine etwas schwierige Sichtweise – meist muß man sich ja nicht für das Ganze entscheiden, jedenfalls nicht bei einer Wahl.

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