Mittwoch, 9. Februar 2011

Gütiger Himmel! – die Beicht-App

In dem Beitrag Bischof segnet Beicht-App ab berichtet n-tv über Apples neue App Confession: A Roman Catholic App (mit Imprimatur der amerikanischen Bischöfe; die englischen und walisischen überlegen wohl noch). Es handelt sich im wesentlichen um einen elektronischen Beichtspiegel für Spielkälber[1]. – Ja mei, wenns schee macht! Macht euch die Erde untertan, haben wir ja gestern in der ersten Lesung gehört.

n-tv fährt launig fort:
Welcher Katholik kennt das nicht: Die Beichte steht bevor und es will einem einfach keine ordentliche Sünde einfallen. Oder das Sündenregister ist so lang, daß man schon den Überblick verloren hat. Aber Apple sei Dank gibt es jetzt auch für solche Probleme eine App: Confession: A Roman Catholic App (Beichte: eine römisch-katholische App). Sie ist „die perfekte Hilfe für jeden reuigen Sünder“, heißt es in der iTunes-Beschreibung. Die App bietet „jedem Nutzer eine personalisierte Gewissensprüfung, paßwortgeschützte Profile und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Sakrament“.
Liebe Leute, daß mir keine ordentlichen Sünden einfallen wollten, ist – leider – keines meiner Probleme, eher schon, daß ich mich bei der Beichte manchmal innerlich so aufspule: .oO(„Wenn der erst einmal weiß, was ich für ein schlechter Mensch bin…“). Deshalb mache ich mir ab und zu einen Zettel, das kommt auch preislich günstiger. Falls sich dann ein panikbedingter weißer Hohlraum im Kopf bildet, hangle ich mich anhand meiner Gliederung weiter durch und ich fange – hoffentlich – nicht an, einen Unsinn zu erzählen. Einer der es wissen muß, hat mir versichert, Zettel sind beim Bußsakrament nichts Ungewöhnliches.[2]

Immerhin heißt es weiter im Artikel:
Auf der Seite von Hersteller Little i Apps steht geschrieben, dass Confession bereits einen Mann errettet hat, der 20 Jahre lang nicht zur Beichte gegangen ist.
Na, dann ist ja alles gut.

Nach dem Sündenbekenntnis ist der Gläubige gehalten, seiner Reue Ausdruck zu geben, sei durch das Sprechen eines Gebetes, das auch ein Stoßgebet sein kann (Mein Jesus, Barmherzigkeit!) oder ein Gebet in der Stille. Bemerkenswert finde ich dabei übrigens, daß man den sogenannten Akt der Reue (Act of contrition) – „O mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich, daß ich mich gegen dich versündigt habe…“ – in allen möglichen Sprachen finden kann, aber eben nicht auf Deutsch. Mir hat den auch niemand beigebracht, noch kenne ich jemanden, dem er beigebracht wurde. Was sagt uns das? In einem Gespräch mit einem Priester sagte dieser neulich sinngemäß, daß eine konkrete, bestimmte Ausdrucksform auch eine Hilfe bedeuten kann und es zuweilen bedauerlich ist, wenn solche Formen nicht (mehr) zur Verfügung stehen.

Wenn jemand den Reueakt auf Deutsch findet (ich habe mir vergebens einen Wolf nach der Gesamtfassung gesucht), wäre ich dankbar. [ist geschehen, danke!]

____
[1] Man denke nicht, ich meine das herabsetzend, ich bin selber eins.
[2] Mit einem elektronischen Gerät in der Beichte herumzuhantieren (oder wie ist das gedacht?) würde mich aber wahrscheinlich endgültig schaffen: „Moment…! Grad hatte ichs noch! Mist, jetzt ist alles weg!“
Cartoon: Lisa Neun

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Akt der Reue

Mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich alle meine Sünden, nicht nur wegen der gerechten Strafen, die ich dafür verdient habe, sondern vor allem, weil ich dich beleidigt habe, das höchste Gut, das würdig ist, über alles geliebt zu werden. Darum nehme ich mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.

Actus contritionis

Deus meus, ex toto corde pænitet me omnium meorum peccatorum, eaque detestor, quia peccando, non solum pœnas a te iuste statutas promeritus sum, sed præsertim quia offendi te, summum bonum, ac dignum qui super omnia diligaris. Ideo firmiter propono, adiuvante gratia tua, de cetero me non peccaturum peccandique occasiones proximas fugiturum. Amen.

Quelle beider: http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html

Gruß,
polyglott

Braut des Lammes hat gesagt…

Das hat mich mittlerweile auch per Mail erreicht, danke. Ich glaube, der Hauptgrund für die vergebliche Suche lag darin, daß ich mir den ersten Satz in einer anderen Übersetzung gemerkt hatte.

Wäre nicht das GL der Ort, an den sowas auch gehört?

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