Dienstag, 8. Februar 2011

Da rief er ein Kind herbei – hl. Josephine Bakhita, Jungfrau


In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. (Mt 18, 1-5)

In diesen Tagen hören wir in den ersten Lesungen die Schöpfungsgeschichte, die auch die erste Lesung in der Osternacht ist. Es ist höchst angemessen, daß wir heute den Gedenktag der heiligen Josephine Bakhita gefeiert haben, einer noch recht neuen Heiligen. Papst Johannes Paul II. sprach sie 2000 heilig. Diese Heilige hatte neben vielen anderen Tugenden eine große Ehrfurcht für die Schöpfung und die Allmacht des Schöpfers, die sich darin zeigt: „Wenn ich die Sonne, den Mond und die Sterne anblickte, fragte ich mich: Wer kann der Herr all dieser schönen Dinge sein? Und ich fühlte ein großes Verlangen, ihn zu sehen, zu erkennen und ihm Dank zu erweisen.“

Diese Worte kindlichen Staunens stammen von einer Frau, die als Kind in die Sklaverei verkauft wurde und furchtbare Mißhandlungen erduldet hat: sie wurde geschlagen, gefoltert, gebrandmarkt, mit Messern geschnitten und gequält, bis sie schließlich von dem italienischen Konsul in Karthoum gekauft wurde, der sie später in sein Heimatland mitnahm und einer Famlie in Verona schenkte, für die sie als Kindermädchen arbeitete. Als sie Sklavin wurde, gab man ihr den Namen Bakhita, die Glückliche, in der Taufe im Januar 1890 nannte man sie Josephine Margaret.

Beim Anblick eines Kreuzes fragte sie: „Was hat dieser Mann verbrochen, daß er so behandelt wurde?“ Man gab ihr die Antwort: „Nichts, er wollte für uns sterben, aus Liebe zu uns und auch für dich!“ Diese Worte gaben ihrem Leben eine ganz neue Wendung. Einem Herrn, der ebenso gelitten hatte, der mißhandelt und geschlagen worden war wie sie und das aus Liebe zu ihr, wollte Bakhita dienen, nicht aus Zwang, sondern aus Gegenliebe, dem Verlangen, ihn zu erkennen und ihm Dank zu erweisen. Im Alter von 21 Jahren erbat sie die Taufe und drei Jahre später die Aufnahme als Postulantin bei den Canossianerinnen, was ihr zunächst wegen ihrer Hautfarbe verwehrt, auf direkte Intervention des Patriarchen von Venedig (später Papst Pius X.) aber dann doch gestattet wurde. Am 8. Dezember 1896, dem Hochfest Maria Immaculata, legte sie die Profeß ab. Ihr Leben lang war Sr. Josephine für die Taufgnade zutiefst dankbar. Das Tagesgebet greift diesen Gedanken auf:
Gott, du hast die selige Josefine
aus der Sklaverei befreit
und ihr die Würde verliehen,
deine Tochter und die Braut Christi zu sein.
Die Erfahrungen ihres harten Lebens haben die hl. Josephine nicht bitter und kalt gemacht, sie war sogar bekannt für ihre Güte, Geduld und Milde, wie auch für ihr freundliches Lächeln. Einmal sagte sie: „Würde ich den Sklavenhändlern begegnen, die mich geraubt haben, und denen, die mich gefoltert haben, dann würde ich mich niederknien und ihnen die Hände küssen. Wenn das alles nicht passiert wäre, würde ich heute nicht Christin und Ordensschwester sein.“ – 1947 starb Josephine Bakhita, nach 51 Jahren im Orden.

Über ihre Vorstellung, wie sie einmal im Himmel ankommen würde, sprach sie kurz vor ihrem Tode:
„Ich gehe langsam, Schritt für Schritt, denn ich trage ja zwei Koffer bei mir: in dem einen sind meine Sünden, und in dem anderen, der viel mehr wiegt, sind die unendlichen Verdienste Jesu. Wenn ich vor dem Gericht Gottes stehe, bedecke ich meinen häßlichen Koffer mit den Verdiensten der Jungfrau Maria; dann werde ich den anderen öffnen, die Verdienste Jesu Christi vorzeigen, und dem ewigen Vater sagen: Ewiger Vater, jetzt kannst Du selbst urteilen. Und zum heiligen Petrus sage ich: Mach die Tür zu, denn ich bleibe jetzt hier.“

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