Donnerstag, 10. Februar 2011

App-solution – gütiger Himmel! (2)

Grade gestern hatte ich ja über die Beicht-App gebloggt. Abends sah ich im Netz eine Mitteilung von Radio Vatikan: Eine sogenannte Beicht-App für das iPhone ist keine sakramentale Beichte. Nanu, dachte ich, hat das denn jemand behauptet? In einem Webforum stellte schon der erste Nutzer die leicht verzweifelte Frage, Herrgott, was fällt dem Bischof ein? Die Antwort: mit den Bischöfen ist soweit alles in Ordnung, aber die Presse hat mal wieder zugeschlagen.

iTunes Produktbeschreibung von Confession: A Roman Catholic App gibt her:
Designed to be used in the confessional, this app is the perfect aid for every penitent. With a personalized examination of conscience for each user, password protected profiles, and a step-by-step guide to the sacrament, this app invites Catholics to prayerfully prepare for and participate in the Rite of Penance. [Hervorhebung von mir].
Bereits aus dem ersten Satz geht ganz klar hervor, daß es sich um ein Hilfsmittel bei der Gewissenserforschung zur Vorbereitung auf die Beichte handelt – nicht mehr. Das unter anderem von mir als Quelle zitierte n-tv hat das auch verstanden. Nichtsdestoweniger textet SPiEGEL online:
Wer es nicht zum Beichtstuhl schafft, kann ab sofort auch in der U-Bahn oder im Büro sein Gewissen erleichtern: Die katholische Kirche in den USA hat eine Beicht-App für Smartphones genehmigt. Die Anregung für das Programm soll von ganz oben gekommen sein.

South Bend – Reuevolle Sünder können ab sofort per Handy ihre Verfehlungen gestehen: Die katholische Kirche in den USA hat eine Beicht-Application für Smartphones befürwortet. Für zwei Dollar führt die Anwendung namens Confession Schritt für Schritt durch das Sündenbekenntnis – abhängig von Alter, Geschlecht und Familienstand.

Noch können lediglich Nutzer von Apple-Geräten ihr Gewissen per Beicht-App erleichtern. Versionen für andere Systeme sind laut Hersteller jedoch in Arbeit.
um dann im Verlauf des Artikels irgendwann doch noch bei der Wahrheit anzugelangen…
Die Kirche stellt jedoch klar: Das Programm soll den Gang zum Beichtstuhl nicht ersetzen, der Sündenerlaß durch einen Priester sei weiterhin notwendig. [Da schau her!]
…und sich sogleich wieder von ihr zu entfernen:
Die Anregung für das Programm komme sogar von ganz oben: Papst Benedikt XVI. hatte im Vorjahr in einer Rede Jugendliche dazu ermutigt, von Social-Media und Internet bei der religiösen Kommunikation Gebrauch zu machen. [Ich ersticke noch mal an dem, was ich nicht blogge!][1]
Der SPiEGEL-Redakteur zeigt damit einfach, daß er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, das allereinfachste zu recherchieren bzw. um des reißerischen Effekts willen die Unwahrheit billigend in Kauf nimmt, denn in der Mitte des Artikels finden wir doch, wie es sich in Wahrheit verhält. Aber das kennen wir ja – wahrscheinlich ist wieder einmal der Zölibat schuld.

Um es ganz klar zu sagen: diese App ist für mich selbst ohne weiteren Belang, ob sie praktikabel ist oder der Beichtvater einen Lachkoller kriegt, wenn man dann das iPhone zückt, steht auf einem ganz anderen Blatt (generell sind Amerikaner – und für die ist es ja zunächst einmal gedacht – aber viel begeisterungsfähiger). Ich mag einfach diese Art der Berichterstattung nicht, die in ein zwei Zeilen unter die Leute bringt, man könne demnächst auch vom U-Bahnhof Weinmeisterstraße aus seine Sünden an die Hedwigskathedrale schicken. Kann man nicht. Wenn einer auf dem U-Bahnhof Weinmeisterstraße seine Gewissenserforschung mit Confession machen möchte und ihm das gefällt, dann kann und darf er. Zum nächstgelegenen katholischen Priester[2] muß er aber anschließend schon noch selbst hin, gell.
___
[1] Was sich hier natürlich auf den SPIEGEL beziehen soll, nicht auf Papst Benedikts Worte!
[2] Mit oder ohne iPhone – in der Kathedrale täglich.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Tja, andere Medien bemühen sich eifrig dem Spiegel nachzueifern.

Erst kamen die Meldungen:
Beichte per App

Nach der Richtigstellung durch P. Lombardi als Beichtspiegel und nicht
Ersatz für die sakramentale Beichte,
kam von krone.at:

Vatikan lehnt iPhone-App für Beichte ab.

Braut des Lammes hat gesagt…

Geradezu schon frech finde ich ja die Formulierung "Der Vatikan hat seinen Schäfchen nun ausgerichtet…" Ich meine, wer hat diesen Käse denn verbreitet und welches Schaf soll ihn geglaubt haben?

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