Montag, 17. Januar 2011

Wenn du vollkommen sein willst…

Zwischen 356 und 362 schrieb der Bischof von Alexandria, Anthanasius, auf ausdrückliche Bitte das Leben des hl. Antonius nieder – er selbst nannte es allerdings „einen dürftigen Bericht aus der Erinnerung“.

In diesem Leben finden wir etwas völlig Zeitloses und immer wieder Packendes: jemand wird von Christus unmittelbar angesprochen und folgt diesem Ruf: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir.

Antonius dachte gerade über eine Stelle in der Apostelgeschichte nach, in der berichtet wurde, wie die wohlhabenderen Gläubigen ihren Besitz verkauften und das Geld zu Füßen der Apostel niederlegten, als er die Kirche betrat, in der eben diese Stelle aus dem Evangelium vorgetragen wurde. Sofort folgte er dem Ruf und verkaufte seinen Besitz – seine ganze Sehnsucht aber und seinen ganzen Eifer richtete er auf die Anspannung in der Askese. In der Folge lernte Antonius von Männern in der Umgebung, die sich durch Frömmigkeit und Tugend auszeichneten.

Von zahlreichen Versuchungen geplagt, die Athanasius einen gewaltigen Sturm von Gedanken in seinem Innern nennt, vermehrte Antonius noch seine Askese:
Er behauptete, die Spannkraft der Seele sei dann groß, wenn die Begierden des Körpers ohnmächtig seien. Er hielt auch folgenden, wirklich seltsamen Gedanken fest: er wollte den Weg zur Tugend und die Trennung vom Leben, die er sich um ihretwillen auferlegte, nicht durch ein zeitliches Maß messen, sondern durch seine Sehnsucht und seinen Vorsatz. Er wollte sich nicht erinnern an die Zeit, die schon verstrichen; nein, wie wenn er täglich die Askese aufs neue begänne, mühte er sich immer mehr ab um seine Vollendung, indem er beständig die Worte des Apostels Paulus wiederholte: Vergessend das, was da zurück liegt, strebend nach dem, was vorwärts liegt; er gedachte auch des Ausspruches des Propheten Elias, der sagt: Es lebt der Herr, vor dem ich heute stehe. Denn Antonius beachtete, daß Elias, da er von „heute“ sprach, die abgelaufene Zeit nicht maß; wie wenn er immer von neuem den Anfang machte, bemühte er sich, aus sich den zu machen, als der er vor Gott erscheinen sollte, reinen Herzens und bereit, seinem Willen zu gehorchen und keinem anderen.
Als er Gott flehentlich bat, ihm die Hilfe aufzuzeigen, die Gott jenen gewährt, die ein Leben wie das seine auf sich nehmen, sah er in einer Vision eine große, brennende Kerze und einen Mönch, umgeben von einer Vielzahl bewaffneter Engel. Und die Stimme des heiligen Geistes wies die Engel an: Weicht nicht von ihm, sein ganzes Leben lang!

Zunächst zog sich Antonius in ein Grab unweit der Stadt zurück und schließlich, im Alter von 35 Jahren, als Einsiedler in ein verlassenes Kastell, wo er fast zwanzig Jahre verbrachte. In dieser Zeit hatte sich sein Ruf soweit verbreitet, daß sich ihm viele andere anschlossen – mit Gewalt, so berichtet Athanasius, stießen sie seine Türe auf. Antonius zeichnete sich nicht nur durch seine Askese und Wunder aus, die er tat, sondern auch durch seine Güte und Freundlichkeit:
Er verlieh unserem Antonius auch die Freundlichkeit der Rede; und so tröstete er viele Trauernde, andere, die im Streite miteinander lagen, versöhnte er, so daß sie Freunde wurden; zu allen aber sagte er, sie sollten nichts von dem Irdischen der Liebe zu Christus vorziehen. In seiner Unterweisung gab er auch den Rat, sich der künftigen Güter zu erinnern und der Menschenfreundlichkeit, die Gott uns erwiesen, der seinen eigenen Sohn nicht schonte, sondern ihn hingab für uns alle. Dadurch überredete er viele, sich dem Einsiedlerleben zu widmen. So entstanden jetzt auch im Gebirge Klöster, und die Wüste bevölkerte sich mit Mönchen, die alles verließen, was sie besaßen, und sich einzeichneten für das Leben im Himmel.
Was können wir von Antonius lernen? Vieles: neben seiner tiefen Christusbeziehung seinen Eifer, vor allem aber die Bereitschaft, das zu vergessen, was – wie der Apostel sagt – hinter einem liegt und immer wieder neu zu beginnen: Jeden Tag sage ich mir, heute fange ich an.

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Bild: Ikone von Isaac Fanous. (Die Hll. Antonius und Paulus von Theben. Der entige Schnabel der herabkommenden Taube Die mit der hl. Kommunion herabkommende Taube ist ein nettes Detail.)
Zitate:
Leben und Wandel unseres frommen Vaters Antonius, verfaßt und abgesandt an die Mönche in der Fremde von unserem heiligen Vater Athanasius, Bischof in Alexandria.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ts ... ich hätte jetzt doch tatsächlich vermutet, dass die Gestalt der Taube eine Hostie im Schnabel trägt ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Au weia. Und ihre Augen waren gehalten, daß sie ihn nicht erkannten.

Danke für den Hinweis, ich habe es gerade geändert. Ich brauch definitiv eine andere Dioptrie...

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