Sonntag, 2. Januar 2011

Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt

Die Nachrichten aus Alexandria machen traurig, stellenweise auch wütend, etwa, wenn es von Präsident Mubarak heißt, das Ziel des Anschlags seien Christen und Muslime gewesen. I beg to differ: das Ziel der Anschläge waren Christen, hier Kopten. Daß unter den Opfern auch Muslime waren, zeigt nur, daß radikalen Attentätern dieser Art einfach alles egal ist, auch ihre eigenen Glaubensgenossen.

Auch wenn diese Christen das Martyrium um ihres Glaubens willen unfreiwillig erlitten haben, die Geschichte ist vertraut. Der Apostel schreibt:

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.
Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.
Denn ich bin gewiß: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Röm 8, 35-39)

Und das ist es: wir erleiden nicht nur um seinetwillen Bedrängnis, Not, Verfolgung und Entbehrungen, wir werden nicht nur um seinetwillen behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat, wir überwinden es auch durch ihn, weil uns nichts scheiden kann von dem, der uns zuerst geliebt hat.

In seiner wirklich wunderbaren Predigt in der heiligen Nacht hat unser Pfarrer gepredigt:

Oft denke ich daran, wie viele Menschen heute ähnlich wie die Mönche in Algerien Angst haben, Angst vor der heute üblichen Karikatur des Islam, die immer furchtbarere Folgen für die Menschen hat, vor allem in den traditionell islamischen Ländern, zunehmend auch hier bei uns.
Aber immer deutlicher wird mir: Mit einer Religion, die ein wehrloses und unschuldiges Kind auf ihre Fahnen geschrieben hat, kann man nicht in den Kampf ziehen, auch nicht in den Kampf der Kulturen. Der Friede wird sein, wenn immer mehr Menschen das Geheimnis von Weihnachten leben, wie es die Trappisten von Thiberine gelebt haben.
Das Geheimnis Christi ist es, zu erobern, ohne zu besiegen, ja ohne zu gewinnen. Es ist ganz sicher ein sehr anspruchsvoller Weg, aber einer, der einzig und allein wirklichen Frieden verspricht. Es ist der, über den gesagt worden ist: Wunderrat, Friedensfürst. Heute an Weihnachten sagt uns der Glaube: es kann anders sein auf dieser Welt. Denn Gott ist anders, als wir denken. Gott überrumpelt niemanden – sein Weg ist die Liebe in Freiheit. Er erobert, ohne den anderen, ohne uns Menschen zum Verlierer zu machen. Das ist bei Liebenden allerdings immer so.


Ich gehe jetzt in die Kirche und bete darum, daß Friede auf Erden werden möge, den Menschen seiner Gnade.

Kommentare:

abitene hat gesagt…

find ich sehr berührend, was der Pfarrer gesagt hat

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, ich auch. Ich bin immer wieder froh, daß wir ihn haben.

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