Freitag, 28. Januar 2011

Preise, Zunge, das Geheimnis – hl. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

Die hl. Jungfrau mit den hll. Dominikus
und Thomas von Aquin
Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.  Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.  Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. (Weish 7,7-10)

Der heilige Thomas ist einer der bedeutendsten katholischen Philosophen und Theologen. Vor allem hat er wunderbare Dinge über den Leib und das Blut des Herrn und die eucharistische Anbetung gesagt. Als das Fronleichnamsfest 1264 für die ganze Kirche eingeführt wurde, verfaßte der Heilige die liturgischen Texte. Diese umfaßten die wunderbare Sequenz Lauda Sion, den Vesperhymnus Pange lingua – aus dem das Tantum ergo stammt, das vor dem eucharistischen Segen gesungen wird –, und die Hymnen Sacis solemnis und Verbum supernum prodiens zur Matutin und den Laudes. Manchmal denke ich, das Tantum ergo kann wunderbarerweise ein jeder auswendig (während man für die deutsche Übertragung Sakrament der Liebe Gottes zum Gesangbuch greifen muß).

Die vierte Strophe des Pange lingua faßt den Kern der Lehre des hl. Thomas von der Transsubstantiation in schlichten Worten zusammen:

Verbum caro, panem verum
verbo carnem efficit:
fitque sanguis Christi merum,
et si sensus deficit,
ad firmandum cor sincerum
sola fides sufficit.

Wort ist wahres Fleisch geworden:
Brot kann wahres Fleisch nun sein.
In der Kraft desselben Wortes
wird zu Christi Blut der Wein.
Ist's den Sinnen auch verborgen,
stärkt uns doch der Glaub' allein.
(Übertragung von Liborius Olaf Lumma)

Auf diese Weise war der heilige Thomas nicht „nur“ Gelehrter für andere Gelehrte – oder solche, die es werden wollen –, sondern er schrieb für die einfachen Gläubigen aller Zeiten. Die Kirche gibt ihm darum den Beinamen Doctor angelicus engelsgleicher Lehrer.

1272 stellte der Heilige den zweiten Teil seines bedeutendsten Werkes, der Summa Theologica, fertig und begann mit dem dritten, in dem er auf das Wunder der Menschwerdung und die Sakramente eingeht. Seine letzte Disputation an der Universität von Paris hatte die Menschwerdung zum Thema.

Etwas später im selben Jahr begründete er ein Studienzentrum der Dominikaner bei Neapel, wo er in der Fastenzeit des Jahres 1273 eine Reihe von neunundfünfzig Homilien über die Nächstenliebe, die Gebote, das Glaubensbekenntnis und die christlichen Grundgebete hielt. Tausende kamen, um diese Predigten zu hören.

Die Auferstehung Christi mit der Gottesmutter
und dem hl. Thomas von Aquin
(beide Fresken von Beato Angelico)
Eines Nachts beobachtete der Küster der Dominikanerkirche den Heiligen beim Gebet und hörte, wie eine Stimme vom Kreuz herab zu diesem sprach: „Thomas, du hast gut über mich geschrieben. Was wünschst du dir als Belohnung?“ Der Heilige antwortete: „Nur dich allein!“ – Sein Wunsch sollte sich bald erfüllen.

Am 6. Dezember feierte der Heilige die Messe zum Fest des hl. Nikolaus in der Kapelle, in der Christi Stimme zu ihm gesprochen hatte. Nach dieser Heiligen Messe hörte Thomas auf, seine Gedanken niederzuschreiben. Zu seinem Sekretär sagte er: „Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe.“ Die folgenden Wochen verbrachte er vorwiegend im Gebet. Am 7. März des Jahres 1274 starb Thomas von Aquin, auf dem Weg zu einem Konzil. Er war erst 49 Jahre alt, aber sein irdisches Werk war vollendet.

Der Heilige ist für seine überragende Liebe zur Wahrheit bekannt. Es wird von ihm die Anekdote berichtet, daß einmal im Kloster zwei Mitbrüder zum Fenster hinausgesehen und ihm zugerufen hätten: „Bruder Thomas, Bruder Thomas! Ein fliegender Ochse!“ Als Thomas ebenfalls zum Fenster hinaussah, dort aber keinen fliegenden Ochsen entdecken konnte, verspotteten sie ihn. Er antwortete, es wäre ihm lieber, zu glauben, daß ein Ochse fliegen könne, als daß einer seiner Mitbrüder absichtlich die Unwahrheit spreche. – Ob diese Überlieferung nun der Wahrheit entspricht, mag dahingestellt bleiben. Wir lernen jedoch etwas Überragendes aus dem Zeugnis und den Schriften des Heiligen: Glauben bedeutet, sich vom Licht der Wahrheit Gottes umfangen zu lassen, die unserem Leben die volle Bedeutung, den Wert und den Sinn verleiht.

Kommentare:

Ludolph hat gesagt…

Sehr schön - den Text aus dem Buch der Weisheit habe ich ewig nicht mehr gehört.

Der größten Geniestreich des hl. Thomas war meiner Meinung nach zum Fronleichnamsfest keine eigene Präfation zu schreiben, sondern einfach die von Weihnachten zu nehmen ("um in uns die Liebe zu entflammen, was keine Auge geschaut hat"). Leider ist dies im Laufe der Zeit geändert worden. So weit ich weiß, ist es in den Büchern von 1962 schon nicht mehr so.

Braut des Lammes hat gesagt…

Den Text aus der Weisheit – im ordentlichen Ritus WiMRE vor nicht allzulanger Zeit am Sonntag gelesen und natürlich heute – finde ich auch wunderbar. Ich war versucht, ihn zur Betrachtung der Antiphon O Sapientia zu nehmen, habe aber dann wegen des Bildes "Die Weisheit rühmt sich selbst" aus Jesus Sirach genommen.

Wir feiern am Sonntag das Patrozinium in St. Thomas, insofern habe ich das Wohlgefallen zweimal. :)

.U. hat gesagt…

Ach es gibt so was wie 2 Lesungen?

Ein schöner Blogeintrag, kennst du übrigens "Himmel über Aquino"? Eine gut geschriebene romanhafte Biografie.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich fühle mich privilegiert - bei uns gibt es, wenn vorgesehen, immer zwei.

Ich hatte mich oben aber zu früh gefreut. Der Zelebrant nahm die Lesung vom Wochentag. Hmpft. Bleibt immer noch der Sonntag.

Die Biographie kenne ich noch nicht, danke für den Hinweis.

.U. hat gesagt…

Das Buch ist eine Art Roman, in den die Biografie des Dr. ang. verarbeitet ist. Ich habe sie bei meinen Großeltern im Bücherregal entdeckt, bzw. ich wurde darauf hingewiesen. Aber ich stelle gerade fest, es heißt "Licht über Aquino". Pardon.

.U. hat gesagt…

Was ich auch noch schreiben wollte: Zwei Lesungen gibt es bei uns irgendwie nie, ein wenig schade ist es schon.

Johannes hat gesagt…

Ich kann mich der Empfehlung von U nur anschließen. Das Buch heißt "Licht über Aquino" und ist von Luis de Wohl geschrieben worden. Es gibt in einfühlsamer Weise eine kleine Hinführung zum Leben des heiligen Thomas.
Es reflektiert jedoch leider nur wenig von den theologischen Grundansichten des Heiligen. Um ein bisschen vom Denken mit zubekommen braucht es weitere Hinführungen.

Aber gut ist alles, was zu Thomas führt: ite ad thomam!

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