Mittwoch, 5. Januar 2011

Hochfest der Erscheinung des Herrn

Bie Anbetung der Weisen (Sandro Botticelli)

Ich steh an deiner Krippen hier,
O Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir's wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren.
Und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

In enger Beziehung zum Fest der Erscheinung des Herrn steht für mich Paul Gerhardts Lied Ich steh an deiner Krippen hier – mit den Sterndeutern oder Königen stehen wir staunend und anbetend vor ihm und bringen ihm wie einst diese dar, was wir darbringen können. Statt Gold, Weihrauch und Myrrhe sind es Geist, Herz, Seel und Mut, unsere Gaben, aber auch unsere Armseligkeit in unseren Schwächen, was wir eben empfangen haben oder auch zu überwinden hoffen. Im alten Schott-Meßbuch heißt es zum Fest der Erscheinung:

Heute feiert die Kirche und feiern wir mit ihr freudig den feierlichen Einzug des Christus-Königs in sein Reich: in die zu erlösende Menschheit, in die Kirche, in die einzelne Seele. Der in der Stille der heiligen Weihnacht als König geboren ward, wird heute als König anerkannt. Epiphanie ist das Fest der Erscheinung, des Offenbarwerdens des Gott-Königs Christus, das altchristliche Königsfest Christi.

Drei Offenbarungen der Herrlichkeit des Gott-Königs Christus werden heute gefeiert: die Anbetung und Huldigung der Weisen aus dem Osten; die feierliche Verkündigung durch den Vater bei der Taufe Christi: Diesen sollt ihr hören, endlich die Offenbarung der Herrschermacht Christi über die Elemente (Verwandlung des Wassers in Wein bei der Hochzeit zu Kana).

Der Tag der Erscheinung ist ein Königsfest und zugleich ein Hochzeitsfest. Christus der König kommt in seine Stadt und vermählt sich mit seiner Braut, der heiligen Kirche, mit uns, die er in den Weisen aus dem Osten beruft, um uns an dem Hochzeitsmahl der heiligen Eucharistie und der ewigen Seligkeit im Himmel teilnehmen zu lassen. So ist Epiphanie das Fest der Berufung der Heidenwelt.

Wir eilen, dem Gott-König Christus unsere Gaben, nämlich unsere Herzen, unsere Neigungen, unsere Kräfte, unsere Arbeiten und Leiden, unser Leben zu weihen und zu opfern.

Als König und Herrscher hält Christus Einzug in seine Stadt. "Verleih, o Gott, dein Richteramt dem König, dem Königssohne dein gerechtes Walten." (Schott-Meßbuch von 1952)

Gerhardts Lied hat (wie eigentlich immer) viel mehr Verse, als es etwa ins Gotteslob geschafft haben. Gerade die letzte paßt aber besonders gut zum Festgeheimnis:

Zwar sollt ich denken, wie gering
ich dich bewirten werde:
Du bist der Schöpfer aller Ding,
ich bin nur Staub und Erde.
Doch du bist so ein frommer Gast,
daß du noch nie verschmähet hast
den der dich gerne siehet.

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