Mittwoch, 12. Januar 2011

Der überaus feine Goldfaden

Da hier weiterhin angeregt über das Purgatorium diskutiert wird – der heilige Vater hat in seiner heutigen Katechese die heilige Mystikerin Katharina von Genua (1447- 1510) zum Gegenstand seiner Katechese gemacht, zu deren Werken die Schrift Trattato del Purgatorio gehört. Mehr über die Katechese hier bei Kath.net oder hier bei Zenit.

Eigentlich schreibt die hl. Katharina über die Liebe Gottes zu den Menschen. In ihrem Werk Geistliches Zwiegespräch über die göttliche Liebe fragt die Seele Gott um die Ursache seiner so großen Liebe zu den Menschen, der sich ihm doch so sehr widersetzt. Ferner, was denn eigentlich der Mensch ist,
für den er so große Sorge trägt
:
Die Liebe macht aus Tieren Menschen, aus Menschen Engel, aus Engeln sozusagen durch Teilnahme Götter. Du siehst, wie durch sie die Menschen sich in allem verändern, aus irdischen Wesen werden sie zu himmlischen und üben sich mit Leib und Seele in geistlichen Dingen. Du siehst sie ihre Worte und ihr Leben ändern und das Gegenteil von dem tun, was sie zu tun und zu sagen gewohnt waren. Jeder wundert sich über diese Veränderung, und sie scheint ihm gar köstlich, ja man beneidet die, denen solches widerfährt, trotzdem niemand das Werk versteht, der es nicht selbst in sich erprobt.

Diese innige, eindringliche, süße Liebe, die der Mensch in seinem Herzen empfindet, läßt sich nicht erkennen, schildern, begreifen, sie kann nur gefühlsmäßig wahrgenommen werden. Der Mensch fühlt sich von etwas eingenommen, gebunden, umgewandelt, glücklich, friedlich und in sich geordnet, seine körperlichen Triebe empören sich nicht, er besitzt nichts, wünscht sich aber auch nichts, sondern bleibt ruhig und zufrieden im Innersten seines Herzens und weiß von nichts anderem mehr. Ein ganz zarter Faden hält ihn fest gebunden, der in der Hand Gottes ruht.

Ich neige mich zum Menschen herab mit einem überaus feinen Goldfaden, das ist nämlich meine verborgene Liebe zu ihm. An diesem Faden ist eine Angel befestigt, die sich in das Herz des Menschen hakt. Dadurch fühlt er sich verwundet, weiß aber nicht durch wen; er bleibt gebunden und festgehalten, kann sich nicht mehr bewegen noch sich zu bewegen verlangen, denn jenes Herz wird von mir gezogen, zu mir, dem Gegenstand und Ziel seiner selbst. Er aber begreift es nicht. Doch ich, der ich den Faden in Händen halte, ziehe ihn immer mehr an mich durch eine so zarte und eindringliche Liebe, daß der Mensch, überwunden und besiegt, ganz außer sich gerät.

Gleichwie ein Gehängter, der mit seinen Füßen die Erde nicht berührt, in der Luft an dem Seil hängt, das ihn dem Tod überliefert, so hängt jene Seele an dem Faden dieser zarten Liebe, durch die all die verborgenen, unscheinbaren, unerkannten Unvollkommenheiten des Menschen sterben, und alles, was diese Seele nachher liebt, liebt sie mit der Liebe jenes Fadens, durch die sie ihr Herz gebunden fühlt. So wird auch alles übrige, was der Mensch vollbringt, mit dieser Liebe vollbracht. Denn Gott ist es, der wirkt mit seiner reinen Liebe, ohne daß der Mensch sich hineinmengt.

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