Mittwoch, 26. Januar 2011

Der kostbare Schatz

Kardinal Brandmüller hat in seinem offenen Brief ausgedrückt, was viele empfinden:
Es kommt Ihnen anscheinend nicht in den Sinn, daß Sie damit auch Jesus Christus, den Sohn Gottes, selbst beleidigen. Der ehelos lebende Priester tut als Jünger Jesu doch nichts anderes als die Lebensweise des Meisters sich zu eigen zu machen. …
Es sei darum die dringende Bitte ausgesprochen, diese Diskussion, die uns schon zum Überdruß belästigt und beleidigt und darüber hinaus die Verwirrung unter den Gläubigen vermehrt, zu beenden.
In der Tat hat mich ein gewisser Überdruß davon abgehalten, über die bisherigen gesammelten Werke (etwa hier, hier und hier) hinaus nun noch etwas zu schreiben.

Bei einer der allgegenwärtigen Diskussionen ist mir allerdings noch aufgefallen, daß eine der Schwierigkeiten darin liegt, daß viele den Zölibat als Abwesenheit von etwas oder Mangel an etwas sehen: keinen Partner, keine Kinder, kein eheliches Leben. Dies alles bringt eine zölibatäre Lebensweise natürlich auch mit sich – und zu gegebener Zeit setzt man sich damit auch auseinander – nun ist die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen jedoch vor allem Nachahmung der Lebensweise Christi.

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.
heißt es im Matthäusevangelium. Sie verkauften alles, was sie hatten, um das zu erwerben, was sie wahrhaft begehrten, wozu ihr Herz sie drängte. Die Freudigkeit dieses Ereignisses wird ausdrücklich betont. Diese Freude ist so groß, daß alles andere dahinter zurücktritt und in diese Freude eingeht, auch das, was man zurückläßt.

Wer seine Berufung vorwiegend aus einer Haltung des Mangels heraus empfindet oder lebt, wird sich unter Umständen wirklich schwertun. Man kann es aber auch anders sehen. Die Karmelitin Sr. Petra Hagenauer hat in einem Interview die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Lebens einmal schlicht mit den Worten „Weil es wahr ist“ beantwortet.

Die Fähigkeit zu einem solchen Leben in der Nachfolge Christi, das einen wirklich ganz erfüllen kann, ist tatsächlich ein Charisma, eine Gnadengabe. Du selbst hast dazu ihr Herz bewegt, heißt es im Weihegebet und: Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen. – Hier ist kein Mangel, hier ist die Fülle.

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