Donnerstag, 20. Januar 2011

Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt – hl. Agnes, Jungfrau und Märtyrin

Laudibus mitem celebremus Agnum,
casta quem sponsum sibi legit Agnes,
astra qui caeli moderatur atque
cuncta gubernat.
Laßt uns lobpreisend feiern das Lamm,
dem die keusche Agnes sich als Braut verbindet.
Er, der die Sterne des Himmels regiert,
der Lenker aller Dinge.
(aus dem Hymnus zum Fest der hl. Agnes)

Die hl. Agnes war nur zwölf oder dreizehn Jahre alt, als man sie in der diokletianischen Christenverfolgung dazu zwingen wollte, den römischen Göttern zu opfern – sie dagegen erhob inmitten ihrer Ankläger die Hand zum Zeichen des lebensspendenden Kreuzes.

Agnes ist eine der jungfräulichen Märtyrinnen, die im Kanon des ersten Hochgebets genannt werden. Wir wissen von ihrem Leben und Sterben aus den Berichten der Kirchenväter Hieronymus und Ambrosius, aus den Predigten des hl. Augustinus. Sowohl Ambrosius als auch Prudentius haben die Heilige in Hymnen besungen. Sie erlitt das Martyrium im Jahr 303 oder 304, ihre Verehrung wird schon dem Jahr 354 schriftlich bezeugt.

Nach übereinstimmenden Martyrologien schreckte sie nicht vor der Folter zurück, man mußte sie nicht einmal binden. So wäre keine Vermählte ins Brautgemach geeilt, wie die Jungfrau freudigen Schrittes, eilenden Fußes zur Richtstätte voranschritt, nicht mit künstlichem Haarschmuck das Haupt geziert, sondern mit Christus, nicht mit Blumen bekränzt, sondern mit Tugenden. Alles weint, ihr kommt keine Träne ins Auge. So viele wundern sich, daß sie so leicht ihr Leben dahingibt, als hätte sie es schon durchgekostet, nachdem sie kaum noch daran genippt hatte, schreibt der hl. Ambrosius.

Als der Richter sah, daß die Aussicht auf Folter und Tod Agnes nicht schrecken konnten, wollte er der Qual die öffentliche Demütigung hinzufügen. Die Hinrichtung einer Jungfrau, und sei sie auch Christin, hätte die Gesetzgebung nicht gestattet. So befahl er, Agnes entkleiden und schänden zu lassen. Als sie nackt vor den Menschen dastand, geschah der Überlieferung zufolge ein Wunder. Den einzigen, der Agnes anzuschauen wagte, blendete ein Blitz und man trug ihn besinnungslos weg.



Auf der heutigen Piazza Navona sollte Agnes das Martyrium durch Verbrennen erleiden. Da die Flammen ihren Körper nicht verbrennen konnten, enthauptete man sie schließlich. Schon schaue ich, wonach ich mich sehnte, schon besitze ich, was ich erhoffte. Den ich auf Erden von Herzen geliebt, mit dem bin ich im Himmel vereint – dieses von ihr überlieferte Wort im Angesicht des Todes ist die Antiphon zum Benedictus und wird noch heute im Ritus der Jungfrauenweihe gesungen.

Über dem Grab der Heiligen auf einem Friedhof an der Villa Nomentana ließ Constantia, die Tochter Kaiser Konstantins im 4. Jahrhundert eine Kirche errichten, die Basilika St. Agnes vor den Mauern. Auch an der Piazza Navona, dem Ort ihres Martyriums, steht eine ihr geweihte Kirche, in der sich nun ihre Schädelreliquie befindet. Dieser Doppelzahl folgend, hatte die Heilige im Festkalender Roms früher zwei Feiertage, das Gedächtnis am 21. Januar hatte eine eigene Vigil.

In jedem Jahr segnet der Heilige Vater zwei Lämmer, die die Trappisten in Tre Fontane aufzogen haben. Zuvor werden die Lämmer bei der Heiligen Messe zum Patrozinium in der ihr geweihten Basilika St. Agnese fuori le mura in mit Bändern und roten und weißen Blumen (die Farben des Martyriums und der Jungfräulichkeit) verzierte Strohkörbe gelegt und in einer Prozession von jungen Mädchen in weißen Gewändern getragen. Die Nonnen der Abtei Sta. Cäcilia verwenden die Wolle dieser Lämmer, die am Gründonnerstag geschoren werden, für die Pallien der Erzbischöfe. Das Pallium wird dem Erzbischof als Symbol der Verbundenheit Christi, des guten Hirten, mit seiner Braut, der Kirche, übergeben. (Der geistliche Begleiter, der bei der Zeremonie einmal dabei war, berichtet allerdings, daß eines der Tierchen von der Aussicht, seine Wolle für ein Pallium zu geben, gar nicht angetan war. Es sprang kläglich mähend quer durch die Kirche, hinterher die Geistlichkeit).

Wer dieses schöne Bild vom Heiligen Vater mit den Agneslämmern sieht, muß, finde ich, einfach alle gern haben: den scheuen, aber sichtlich erfreuten Heiligen Vater, die weichen Lämmchen und – nicht zuletzt – die tapfere kleine Heilige, klein von Gestalt, aber groß und stark im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung.

Ewiger Gott,
du berufst, was schwach ist in dieser Welt,
um das, was stark ist, zu beschämen.
Höre auf die Fürsprache der heiligen Agnes.
Komm uns zu Hilfe,
damit auch wir unbeirrt den Glauben bekennen.
(Tagesgebet)


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Bildlegende: Mosaik aus der Apsis in St. Agnese fuori le mura
Catacombe di St. Agnese
der hl. Vater segnet zwei Lämmer zum Fest der hl. Agnes

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