Dienstag, 18. Januar 2011

Attentio – über die Aufmerksamkeit beim Gebet


Ich bin sicherlich keine Expertin für die Summa theologica (und wahrscheinlich auch kein großes philosophisches Licht) aber ich finde den Aquinaten, dessen Fest wir ja demnächst feiern (ihm ist die Akademiekirche geweiht, im Altar eine seiner Reliquien) – überaus tröstlich.

Wenn es mir – beim besten vorhandenen Willen – einfach nicht gelingt, mich richtig zu sammeln, wenn es beim Beten schwierig wird, weil es im Kopf holterdipolter durcheinandergeht, dann richte ich mich damit wieder auf, was der Aquinate über die Aufmerksamkeit beim mündlichen Gebet zu sagen hat. Er unterscheidet dabei verschiedene Formen:

  • Der Beter richtet seine Aufmerksamkeit auf die genaue Wiedergabe der Texte. Wenn er sich vor dem bewußt gemacht hat, daß er sich im Gebet in der Gegenwart Gottes befindet, so ist diese Art der Aufmerksamkeit nach Ansicht des hl. Thomas absolut ausreichend.
  • Der Beter richtet seine Aufmerksamkeit auf die Gebete und erwägt sie im Herzen, um daraus Nahrung für sein geistliches Leben zu gewinnen. Diese Art der Attentio bezeichnet der Aquinate als sehr gut.
  • Der Beter spricht das Gebet und richtet alle Kräfte seines Geistes auf die Gegenwart Gottes. Dieses nennt der hl. Thomas die beste und höchste aller Formen der Attentio.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Ein Väterspruch
für die Braut des Lammes:
Ein Bruder sprach zu einem Altvater: "Bete für mich!"
Der Greis entgegnete ihm:
"Weder ich habe Erbarmen mit dir, noch Gott, wenn du dich nicht selbst anstrengst und Gott bittest."

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für diesen ganz praktischen bzw. praxisrelevanten Thomas, der ja mit der attentio nah an seine mystisch orientierten Ordensbrüder ran kommt, für die ja die Gegenwärtigkeit des Geistes im Augenblick des Gebets eine ganz zentrale Bedeutung für ihre Spiritualität der "Einheit mit Gott" hat. Ich gebe zu, dass ich oft (zu oft) nicht über "ausreichend" hinauskomme. JoBo

Florian hat gesagt…

Hallo!
Ich bin gerade über diesen schon etwas älteren Eintrag gestolpert, und mir kam dazu ein Zitat des hl. Franz von Sales in den Kopf:

"Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn; und selbst, wenn du in deinem Leben nichts anderes getan hast, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen, obwohl es jedes Mal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hast, dann hast du dein Leben wohl erfüllt."

Tröstend, oder? :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das ist es wirklich, vielen Dank. (Gehts dir gut?)

Florian hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
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