Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sein und Haben

Szene aus Sein und Haben – der Lehrer George Lopez
unterrichtet den kleinen Jojo
Eine reichlich eigenartiges Erlebnis hatte ich neulich in der U-Bahn. Gegenüber und neben mir sitzt eine Familie, der Vater mit mehreren jüngeren Kindern gegenüber, neben mir wohl die Großmutter. Plötzlich kommt es streng und durchdringend von gegenüber: „So was will ich nie wieder aus deinem Munde hören!“ Alles horcht auf: kommt jetzt ein Stück Seife zum Auswaschen des Mundes? Die Großmutter entblödet sich nicht, gleich zweimal quer über den Gang laut nachzufragen, was der Sprößling denn gesagt habe? Erbarme dich, wenns etwas war, was man nie wieder hören will oder auch ein Familiengeheimnis, muß man es dann schallend laut wiederholen? Was war es nun Ungeheuerliches? – Der Vater: „Ich habe gefragt, was er mal werden will, und er hat gesagt: Lehrer!“

Herr schmeiß Hirn herunter! Wetten, der Kleine will nie wieder Lehrer werden? Ich weiß noch nicht mal, ob bei soviel Unverstand die übliche Beschwichtigung, es ginge einen schließlich nichts an, wie andere Leute ihre Kinder erziehen, irgendwie weiterhülfe. Die Nebensitzenden waren jedenfalls völlig perplex. Darob wird noch nachgelegt: es gäbe heute ja soviele arbeitslose Lehrer. Ah ja.

Was ist eigentlich aus der Wahrnehmung des Lehrberufes als schönes und erhabenes Ziel geworden? Mir fiel im Weggehen mein alter Grundschullehrer, der unvergleichliche Herr Trost, wieder ein, und auch der von Arte jüngst wiederholte Dokumentarfilm Sein und Haben, in dem man in wunderbar ruhiger Weise das Leben des französischen Lehrers George Lopez mit seinen Schülern an einer Zwergschule in der Auvergne miterleben kann – dieser Lehrer geht völlig im Lehren auf.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Sein und Haben - einer der besten Filme, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. LG, JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Schön, daß er dir auch gefällt. :)

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