Donnerstag, 16. Dezember 2010

O veni! – die O-Antiphonen

Das Einhorn  legt seinen Kopf in den Schoß
der Jungfrau – Illumination in einem Antiphonale,
um 1290
Mit dem 16. oder 17. Dezember tritt die Kirche in die gesegnete Zeit des Advents ein, in der sie in den großen O-Antiphonen unter den uralten Anrufungen des Messias dessen Kommen ins Fleisch, in die Welt, erfleht. Von Tag zu Tag scheint die Bitte immer drängender zu werden – komm, Herr, zögere nicht länger! Im Evangelium des letzten Sonntags haben wir mit dem heiligen Johannes dem Täufer von der Erfüllung der Bitten dieser großen Antiphonen gehört: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

Die O-Antiphonen des römischen Stundenbuches beginnen mit der Vesper am 17. Dezember. Es sind:


Davon abweichend gibt es Eigenriten mancher Orden und auch Gegenden in denen der mittelalterliche englische Brauch beibehalten wurde, acht O-Antiphonen – also eine vorweihnachtliche Oktav – zu singen. Die achte O-Antiphon ist die Antiphon O Virgo Virginum (O Jungfrau über allen Jungfrauen). Wo dieser Brauch besteht, beginnt man mit dem Singen der O-Antiphonen zum Magnificat bereits am 16. Dezember.

In der heiligen Messe kann man an den jeweiligen Tagen im Vers, den der Kantor beim Ruf vor dem Evangelium singt, auch einen kurzen Blick auf diesen wunderbaren Reichtum der Liturgie der Kirche erhaschen.

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