Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jahresschluß – das alte Jahr in Gottes Hände zurücklegen

„Zwischen den Jahren“ halte ich persönlich für einen wunderbaren Ausdruck, denn innerlich – wenn auch nicht liturgisch, das Kirchenjahr beginnt im Unterschied zum bürgerlichen Jahr am ersten Adventssonntag – ist diese Zeit tatsächlich eine Art „Zwischenzeit“. Oft muß man auch nicht arbeiten.

Eine schöne Art, den Jahreswechsel zu begehen, ist die Jahresschlußandacht. Liturgisch ist der Tag dem standhaften und stillen Papst Silvester († 335) gewidmet, der die Kirche aus der Zeit der Christenverfolgung in eine Zeit des Friedens führte. Aus dem Konzil von Nicea, das zu seinen Lebzeiten einberufen wurde, ging das Credo der Kirche hervor.

Neben dem Gedenktag dieses heiligen Papstes ermutigt die Kirche die Gläubigen ausdrücklich, auch an Andachten und Heiligen Messen zum Ende des bürgerlichen Jahres teilzunehmen:
Seine [des 31.12.] jährliche Wiederkehr veranlaßt die Gläubigen zum Nachdenken über das “Geheimnis der Zeit”, die schnell und unerbittlich abläuft. Dies verursacht in ihrer Seele ein zwiespältiges Empfinden: Reue und Bedauern über im vergangenen Jahr begangene Schuld und verlorene Gelegenheiten der Gnade und zugleich Dankbarkeit für die von Gott erhaltenen Wohltaten. Diese zweifache Haltung ist der Ursprung für zwei Andachtsübungen: eine verlängerte Aussetzung des Allerheiligsten, das den Ordensgemeinschaften und den Gläubigen Raum für das vornehmlich stille und private Gebet bietet, sowie den Gesang des Te Deum als Ausdruck des Lobes und Dankes der Gemeinde für die von Gott erhaltenen Wohltaten im vergangenen Jahr, dessen Ende kurz bevorsteht.
Daß es zum Jahresende bei uns kein Pontifikalamt gibt, finde ich immer wieder schade. So habe ich im letzten Jahr zwei Gottesdienste zum Jahresschluß besucht, zuerst die Jahresschlußandacht in der Kathedrale (mit sakramentaler Aussetzung und Segen). Später in der Nacht habe ich dann in St. Afra eine Heilige Messe in der außerordentlichen Form mitfeiern können. Danach wurde das Allerheiligste ausgesetzt und genau bei Anbruch des neuen Tages der sakramentale Segen gespendet. Was könnte es Schöneres geben, als das neue Jahr im Angesicht Christi zu beginnen? Oder, wie es Mary Francis Aschmann PCC so schön ausgedrückt hat: „Christus, der soeben in unsere Herzen gekommen ist, blickt zurück.“

Daß nach dem Blickwechsel mit dem Herrn noch die Möglichkeit bestand, auf den Kirchturm zu steigen, von wo man bei einem Glas alkoholfreien Sekt und Krapfen einen Blick über das verschneite Berlin und das Feuerwerk hatte, fand ich ebenfalls schön.

Also, wer noch keine Verabredung zu Silvester hat oder nach einer solchen sucht: eine Verabredung mit dem Herrn Jesus Christus selbst ist nicht zu toppen.

Jahresschlußandacht in der Hedwigskathedrale: 31.12., 18 Uhr
Hochamt zum Jahresschluß im Institut Philipp Neri: 31.12., 22:30 Uhr

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