Mittwoch, 29. Dezember 2010

Die Lehre von den letzten Dingen – das Fegefeuer

Auch wenn es von der Zeit im Kirchenjahr her vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint; ein Kommentar zu meinem Beitrag über die Armen Seelen vom November bringt mich dazu. Jedoch sind die sogenannten letzten Dinge immer aktuell, bis zum Ende aller Tage. Ein Wandspruch, den ich aus meiner Kindheit habe:

Am Morgen erwache mit Gott und bedenke, daß dies dein letzter Tag sein mag.

Zunächst: Dies ist ein katholisches Blog. (Im Falle es jemand etwa noch nicht bemerkt hätte. In meinem Bekennerschreiben, das bei Sende-Zeit im Rahmen der missionarischen Initiative Glauben – Bekennen – Handeln demnächst erscheinen wird, bin ich, was die Kirche betrifft, ausführlicher darauf eingegangen).

Die Kirche, die Christus selbst gegründet hat, beruft sich neben dem, was uns in der heiligen Schrift überliefert ist, auch auf das, „was allenthalben, stets und von allen geglaubt worden ist“, das Lehramt und die Tradition der Kirche.

Zur Lehre von den letzten Dingen gehört das Fegefeuer. Diese Lehre besagt auch, daß nicht alle Menschen noch der Läuterung im Fegefeuer bedürfen. „Das Purgatorium ist der Zustand jener, die in der Freundschaft Gottes sterben, ihres ewigen Heils sicher sind, aber noch der Läuterung bedürfen, um in die himmlische Seligkeit eintreten zu können.“ (KKK 209).

Hier ein längeres Zitat von P. Martin Ramm FSSP, das eine schlichte, eingängige Nahebringung der Lehre vom Fegefeuer und den Armen Seelen, die darin sind, darstellt:
Ein gesundes Auge liebt das Licht, ein krankes Auge aber haßt das Licht. Bei manchen Augenkrankheiten kann es sehr schmerzhaft sein, das Sonnenlicht ertragen zu müssen. Und wenn das Auge längere Zeit im Finstern war, bereitet ihm ein plötzliches helles Licht Schmerzen. Man kann dann das Licht nicht gleich ertragen, sondern muß sich erst langsam daran gewöhnen.

Ganz ähnlich ist es mit der Seele im Augenblick des Todes. Es gibt dann drei Möglichkeiten. Entweder ist sie ganz im Licht. Dann wird sie sofort in die himmlische Herrlichkeit eingehen. Oder sie haßt das Licht. Dann könnte für sie nichts schrecklicher sein, als den Anblick Gottes ertragen zu müssen, und sie wird sich selbst in die Finsternis der Hölle stürzen. Oder sie ist zwar nicht Feind des Lichtes, aber sie ist auch nicht ganz im Licht.

Dies ist der Zustand jener, die zwar in der Gnade Gottes gestorben, aber mit noch ungebüßten zeitlichen Sündenstrafen oder noch nicht getilgten läßlichen Sünden behaftet sind. Solange nur ein Schatten von Finsternis in ihnen ist, vermögen sie die Fülle des göttlichen Lichtes, an der sich die Heiligen im Himmel erfreuen, noch nicht zu ertragen. Sie werden Gott danken, daß es einen Ort gibt, um sich langsam an das Licht zu gewöhnen. Diesen Ort jenseitiger Läuterung nennt die Tradition der Kirche „Fegfeuer“ [vgl. KKK 1030].

Heimweh

Heimweh kann für ein Kind sehr schmerzlich sein. Jeder Augenblick erscheint ihm dann unendlich lang, und es vergeht förmlich in Sehnsucht nach der Heimat.

Ähnlich ergeht es den Seelen im Fegfeuer. Nachdem sie im Gericht einen Strahl des göttlichen Lichtes geschaut haben, erfaßt sie eine unbeschreiblich große Sehnsucht nach Gott. Doch selbst das intensivste menschliche Heimweh ist nur ein schwaches Bild für jene Sehnsucht, mit welcher sie sich nach der ewigen Heimat bei Gott sehnen. Jede Faser ihres Wesens drängt danach, sich mit Gott zu vereinen, von dem sie aus eigener Schuld noch getrennt sind. Dieses „Heimweh“ läßt ihnen jeden Augenblick wie eine Ewigkeit erscheinen.

Eine eindrückliche Erklärung über das Fegfeuer findet sich in den Schriften der hl. Katharina von Genua [1447-1510]. Sie schreibt, daß dort einerseits allergrößte Zufriedenheit herrscht, denn die Seelen sind im Willen ganz mit Gott geeint, und ihr einziges Verlangen ist es, geläutert zu werden.

Andererseits aber herrscht dort allergrößte Pein darüber, von Gott noch getrennt zu sein. Gott hat nämlich jede Seele mit einem sicheren beseligenden Drang auf sich hin erschaffen. Dieser Drang kann im Leben durch die Sünde zwar zugedeckt und die Seele wie durch „Rost“ gleichsam verkrustet werden. Auslöschen aber kann man ihn niemals.

Im Moment des Gerichtes wirft Gott dann einen „verbindenden Liebesblick“ auf die Seele und zieht sie mit unwiderstehlicher Macht an sich. In einem Augenblick erkennt sie mit letzter Klarheit, daß sie für Gott erschaffen und daß er allein ihr Glück und ihre Seligkeit ist. Sie erfaßt aber auch, was es um die Sünde ist, die sie noch von Gott trennt.

Die hl. Katharina beschreibt die göttliche Wesenheit als von solcher Reinheit und Lauterkeit, mehr, als ein Mensch sich vorstellen kann, „so daß die Seele, die eine so minimale Unvollkommenheit an sich hätte, als der kleinwinzigste Splitter groß ist, sich so schnell wie möglich in tausend Höllen stürzen würde, um ja nicht mit diesem ganz minimalen Makel in seiner Gegenwart zu erscheinen”. Weil die Seele also erkennt, daß das einzige Hindernis ihrer Verbindung mit Gott die Sünde ist und dass sie davon nicht anders als im Fegfeuer befreit werden kann, findet sie darin große Barmherzigkeit und stürzt sich sogleich freiwillig dort hinein.

In dieser Läuterung wird dann gleichsam der „Rost“ der Sünde getilgt, so dass die Sehnsucht nach Gott immer größer und größer wird.

Schließlich wird es nichts mehr geben, was geläutert werden könnte, und „selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe.”

Arme Seelen

Obgleich sie ihres ewigen Heiles sicher sind, nennt man sie doch „arme“ Seelen, weil sie in ihrem Zustand für sich selbst nichts mehr tun können. An die Stelle aktiver Genugtuung [satisfactio] tritt ein rein passives läuterndes Leiden [satispassio].

Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten, denn wenn sie auch für sich selbst nichts mehr tun können, so können doch wir dank der Gemeinschaft der Heiligen den armen Seelen durch Gebet und Almosen, durch das hl. Meßopfer und durch die Gewinnung von Ablässen helfen [vgl. KKK 1032].


Diese kurze Abhandlung ist übrigens Teil einer kleinen Schrift Die letzten Dinge, die nicht einmal etwas kostet. Hier findet man sie online.

Da, wie schon in meinem Beitrag beschrieben, der Weg der Seele vom Fegefeuer stets in den Himmel führt, ist der Gedanke daran auch keineswegs qualvoll, wie der Kommentator bemerkt. Wer im Purgatorium ist, weiß, daß er Gott schauen wird. Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit. Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat, heißt es im Buch der Weisheit über die Seelen der Gerechten. Das ist mir wichtig, daran glaube ich. Für den heimgegangenen Großvater bete ich: Herr, gib ihm die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm. Laß ihn ruhen in Frieden. Amen.

Kommentare:

Mcp hat gesagt…

Nun ja, dann werde ich wohl ins Fegefeuer müssen, denn ich liebe die finstere Winternacht und den gestirnten Himmel über mir.

Ode an die Nacht

von Marianne Reepen


Wie schön du bist, du heimelige Stille!

Wie sag ich meinen Dank,
dass hoher Schöpferwille in jeder Nacht
mich sanft umfängt, mein Herz bewegt,
mich begleitet und mich liebend trägt.

Was kann ich hoffen und noch sagen?

Es wird mich weiter tragen,
dieses Wunder,
das zwischen Erd und Himmel,
zwischen Menschenkindern
und den Schöpfermächten,
unbeschreibbar, ahnungsfroh besteht.

Offenbarungen der Stille!

Möge nie verloren gehen
diese wunderbare Kraft,
die mich atmen, leben lässt,
die auch des neuen Tages Bürde
mit geschenktem Willen wieder schafft.

Nun geb’ ich hin mein kleines Ich.
Magst gütig es besehn!
Hüll’s in den großen Mantel ein
und lass mein ganzes armes Sein
darunter selig sein.

abitene hat gesagt…

"Die in die Flammen des Fegefeuers getauchten Seelen leiden einzig und allein aus Liebe" sagt Jesus in den Maria-Valtorta Heften:
http://wegwahrheitleben.wordpress.com/2010/11/02/2-november-allerseelen/

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...