Mittwoch, 1. Dezember 2010

Das Maß der Liebe – sel. Bruder Karl von Jesus (Charles de Foucauld)

Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Selig seid ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt. (Joh 13, 12-17)

Du hast die Menschen bis zuletzt geliebt, bis zum Äußersten, bis zum letzten Tropfen deines Blutes. Herz Jesu, so weit gehst du, daß du für uns durchbohrt wirst: wie liebst du uns! (Bruder Karl)


Am 1. Dezember 1916 schrieb Charles de Foucauld in einem Brief an seine Cousine Marie nach Paris: „Unser Zunichtewerden ist das wirksamste Mittel, das wir haben, um uns mit Jesus zu vereinen und den Menschen Gutes zu tun. Das wiederholt der heilige Johannes vom Kreuz mit beinahe jeder Zeile. Wenn man leiden und lieben kann, kann man viel, kann man das Höchste, was in dieser Welt möglich ist. Man fühlt, daß man leidet, man fühlt nicht immer, daß man liebt, und das ist ein großes Leiden mehr. Aber man weiß, daß man lieben will, und lieben wollen, das ist lieben.“ – Am Abend dieses Tages wurde er in seiner Einsiedelei im tunesischen Beni Abbès erschossen. Bei ihm fanden französische Offiziere später die Monstranz mit dem Allerheiligsten.

Der selige Karl wurde 1858 in Straßburg geboren. Als Waise wuchs er bei seinem Großvater auf und folgte dessen Vorbild, indem er die militärische Laufbahn wählte. Nach dem Tode des Großvaters verließ er jedoch die Armee und brachte sein ganzes Geld durch. Während einer Reise nach Marokko 1883 beeindruckten ihn, der seinen Glauben verloren hatte, die Moslems, die sich mehrere Male täglich zum Gebet zu Boden warfen. „Mein Gott, wenn es dich gibt, dann laß mich dich erkennen“.

Nach der Rückkehr nach Frankreich zog er nach Paris in die Nähe seiner Cousine Marie, durch deren gutes Beispiel er sich der Kirche wieder zuwandte. Nach einer Begegnung im Beichtstuhl des Abbés Huvelin, von dem er eigentlich nur eine Auskunft wollte, beschloß Charles de Foucauld, sein Leben Gott zu weihen: „Sobald ich glaubte, daß Gott existiere, war mir klar, daß ich ganz für ihn leben müßte. Meine Berufung entstand im selben Augenblick wie mein Glaube. Gott ist so groß! Was für ein Unterschied zwischen Gott und all dem, was nicht er ist.“

Am 16. Januar 1890 trat Charles de Foucauld als Bruder Marie-Alberic bei den Trappisten in die Abtei Unserer Lieben Frau vom Schnee ein, um, wie er schrieb, „unserem Herrn bei seinen Leiden so weit wie möglich Gesellschaft zu leisten.“ Von dort aus wurde er in eine Tochtergründung in Akbès in Syrien gesandt. Nach einigen Jahren folgte er der in ihm sehr starken Berufung, das verborgene Leben der ersten 30 Jahre Jesu von Nazareth zu führen, in Armut, Bescheidenheit und Stille. So verließ er die Trappisten und lebte in einer ärmlichen Unterkunft in Nähe des Konvents der Armen Klarissen in Nazareth, wo er als Knecht diente. Die Äbtissin der Klarissen weckte in ihm den Wunsch nach dem Priestertum. 1901 wurde er zum Priester geweiht, im Alter von 43 Jahren. Nach der Weihe zog es ihn als Einsiedler in die Wüste. Zunächst lebte er in Beni Abbès, später in Tamanrasset mitten unter den Tuareg – als Bruder aller Menschen. Gekleidet in ein schlichtes weißes Gewand mit dem Heiligsten Herzen Jesu auf der Brust wollte er als Bruder Karl von Jesus durch die Heiligmäßigkeit seines Lebens die Menschen zu der Frage bringen: wenn der Diener solcherart ist, wie mag dann erst der Meister sein?


Bruder Karl, den die Tuareg „den heiligen Mann“ nannten, starb, ohne jemals erfahren zu haben, ob er jemanden zum Christentum bekehrt hatte, und ohne zu Lebzeiten einen einzigen Bruder für die von ihm geplante Gemeinschaft gewonnen zu haben.

Aus dem Beispiel seines Lebens und Sterbens entstanden jedoch die Fraternitäten der Kleinen Schwestern und Brüder Jesu, die Bruder Karls Vorbild folgend, überall auf der Welt, zuweilen völlig unerkannt, mitten unter den Armen und Entrechteten leben. Für sie hatte Bruder Karl niedergelegt:
Sie sollen dies als Maßstab nehmen: sich bei allem fragen, was würde Jesus an ihrer Stelle denken, sagen, tun, und das dann tun. Sie sollen sich stets bemühen, sein Leben in Nazareth, das beispielhaft für alle Lagen ist, als Modell zu nehmen und so unserem Herrn Jesus immer ähnlicher zu werden. Das Maß der Nachahmung ist das Maß der Liebe.

Kommentare:

zeitzubeten hat gesagt…

Die letzten Wochen hab ich mich mit einem von Bruder Karl sehr inspirierten Mann beschäftigt - Carlo Carretto - und heute gar nicht realisiert, dass Bruder Karls Gedenktag ist!
Danke für deinen gelungenen Beitrag, werde ich gerne mit meiner Carretto-Serie verlinken ;-)
LG und GS, Stefan

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für das Lob und das Verlinken. Den bei Tamanrasset hinterlegten Link verdanken wir Giovanni von Alles was gut und recht ist

Laurentius hat gesagt…

Durch demütig-bescheidenes Dienen durchlässig zu werden für den Herrn und seinen Geist und so für suchende Mitmenschen zur Brücke zu Gott zu werden: welch wundervolle, reine Haltung.

Danke für diesen Text über den sel. Bruder Karl von Jesus. Hab ebenso Dank für die Blogbegrüßung und die lieben Wünsche!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...