Samstag, 11. Dezember 2010

3. Adventssonntag – Freut euch, nahe ist schon der Herr!

Er ist der, von dem es in der Schrift heiß:
Ich sende meinen Boten vor dir her, er soll den Weg
für dich bahnen (Mt 11,10)
Der dritte Adventssonntag wird nach dem ersten Wort seines Introitus Gaudete genannt. Ursprünglich dauerte die Adventszeit wie die Fastenzeit vor Ostern 40 Tage und begann am Fest des hl. Martin, weshalb man diese Zeit früher auch Martinsfasten nannte (und woher der Brauch rührt, sozusagen als Carne vale vorher noch einmal eine ordentliche Gans zu essen). Im 9. Jahrhundert wurde die Ende des vierten Jahrhundert erstmalig schriftlich erwähnte Adventszeit auf vier Wochen verkürzt, und seit dem 12. Jahrhundert war anstelle des Fastens nur noch Abstinenz geboten. Ungeachtet dessen hat der Advent die Charakteristika einer Bußzeit, was er in der Tat auch ist.

In der Mitte beider Bußzeiten markiert jeweils ein Sonntag, daß diese bereits halb vorüber ist und etwas von dem Festgeheimnis bereits aufzustrahlen beginnt. Sogar in der Wahl der liturgischen Farbe wird dies sichtbar, durch das Violett der Bußzeit hindurch erhascht man einen kurzen Blick das Weiß und Gold des nahenden Hochfestes – in diesem Jahr folgt gleich am Tag darauf das Fest der heiligen Jungfrau Lucia, deren Name "Licht" bedeutet.

Daß es auch in einer Gefängniszelle möglich ist, sich zu freuen, beweisen bis auf den heutigen Tag viele Märtyrer und auch der Apostel, von dem diese Worte stammen, schreibt aus der Gefängniszelle heraus an die Gemeinde in Philippi: Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.

Freut euch, nahe ist schon der Herr, ruft uns die Kirche bereits im Eröffnungsvers der Heiligen Messe zu. Statt einer einzelnen Kerze am Adventskranz spenden nun deren schon drei Licht; an Gaudete wird die in der fröhlichen Farbe rosa entzündet, die man auch die Johanneskerze nennt. Gegen Ende dieser Woche singen wir von dem schönen Hymnus Veni redemptor gentium (Du Heiland aller Völker, komm) auch die vierte Strophe, in der es heißt

Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.

Auf diesen Glanz, der von der Krippe aufstrahlt, richtet sich unser Blick und unser Sehnen, das sich ab dem 16. oder 17. Dezember (je nachdem, ob man sieben oder acht Antiphonen singt) in den großen und wunderbaren O-Antiphonen der Kirche Bahn bricht, deren Drängen von Tag zu Tag mächtiger werden zu scheint: Komm!

Die Prophezeiung Jesajas berichtet von der Zeit, wenn Gott selbst kommt und sein Volk retten wird: die Steppe wird zum üppigen Tal, denn die Wolken werden den Gerechten herabregnen. Blinde sehen, Taube hören, die Stummen sind des Sprechens mächtig und Lahme gehen umher.

Johannes der Täufer hat die Erfüllung dieser Sehnsucht selbst erlebt. Im Gefängnis sitzend, läßt er Jesus fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Zuvor heißt es, daß Johannes „von den Taten Christi hörte“, Johannes hat Christus selbst getauft und stets auf ihn verwiesen. Die Antwort des Herrn, die nicht „Ich bin es!“ – sie ist eine unmittelbare Bekräftigung dieser Prophezeiung: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Johannes kann wie der greise Simeon in Frieden sterben, denn seine Augen haben das Heil gesehen, das Gott allen Völkern bereitet hat.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für diese Auslegung und Erinnerung, die so viel erhellender und tröstlicher ist als die heute in der Messe gehörte.

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