Sonntag, 5. Dezember 2010

2. Adventssonntag – der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen

An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib.

Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frißt Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Sproß aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.

Eine Lesung, auf die ich mich immer wieder freue: Jesajas wunderbares Bild des Reiches des Friedens, wenn der Herr kommt. Die Tiere, die miteinander im Frieden wohnen – an dieser ungewohnt erscheinenden Krippe finden wir den Löwen und das Lamm, den Wolf, die Kuh und die Bärin, den Panther, die Schlange und den kleinen Knaben, der alles Leben hütet, einmütig versammelt.




Die Worte der Schrift, über die der Apostel in der zweiten Lesung schreibt, daß sie zu unserem Trost und zu unserer Hoffnung geschrieben sind, kommen vom Propheten Jesaja. Er schreibt über den grünen Sproß, der aus dem Baumstumpf wächst und als Siegeszeichen dasteht: An jenem Tag wird es der Sproß aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf. Johannes, der Rufer in der Wüste weist in einer weiteren Geste direkt auf den Christus, spricht es unmißverständlich aus: Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

Dieser grüne Sproß aus der Wurzel Jesse ist zugleich Anbruch des Reiches Gottes und dessen Verheißung: Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.
Dreimal kommt der Herr zu uns hernieder: das erste Mal im Fleische, das zweite Mal im Geiste, das dritte Mal als Richter. Das erste geschah zur Mitternacht, nach den Worten des Evangeliums: Um Mitternacht erscholl der Ruf: Auf, der Bräutigam kommt! Doch das erste Kommen ist lang vergangen, da Christus auf der Erde umherging und zu den Menschen sprach. Wir befinden uns nun im zweiten Kommen, vorausgesetzt, daß wir solcherart sind, daß er zu uns kommen möchte; da er sagte, wenn wir ihn liebten, würde er kommen und bei uns Wohnung nehmen. Dieses zweite Kommen ist daher voller Ungewißheit für uns; wer, außer dem Geist Gottes, weiß, daß er aus Gott ist? Jene, die durch das Streben nach den himmlischen Dingen sich selbst entrissen sind, wissen in der Tat, wenn er kommt, jedoch woher er kommt oder wohin er geht, wissen sie nicht. Zum dritten Kommen: es ist steht fest, daß es kommen wird, nicht jedoch wann es kommen wird. Denn außer dem Tode ist nichts gewiß, und nichts ist ungewisser als die Stunde des Todes.
So war das erste Kommen demütig und verborgen, das zweite ist geheimnisvoll und von Liebe erfüllt, das dritte wird königlich und schrecklich sein. In seinem ersten Kommen wurde Christus von den Menschen ungerecht gerichtet, im zweiten erwies er uns seine Gnade, in seinem dritten wird er alle Dinge gerecht richten. In seinem ersten Kommen war er ein Lamm, in seinem letzten wird er ein Löwe sein, zwischen beiden der zartfühlendste aller Freunde. (Petrus von Blois)

1 Kommentar:

abitene hat gesagt…

ja, wunderschön die Jesaja-Stelle mit der Paradies-Vision.

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