Samstag, 20. November 2010

Vom Holz herab als seinem Thron regiert Gott alle Nation – Christkönig


Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, daß ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen.
Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!


Pilatus hätte auch sagen können: Seht her, da ist euer König! Christus, dem wir in der Liturgie als König des Weltalls und König der Völker huldigen, ist ein König, der wie es der Hymnus Vexilla Regis des Venantius Fortunatus ausdrückt, vom Holz herab regiert. Dieses Holz ist das Holz des Kreuzes – der König des Weltalls ist nicht zu denken ohne sein Leiden, seine Krone ist die Dornenkrone, sein Zepter die Palme des Martyriums.



In der Matutin des Festes Christkönig hören wir vom heiligen Augustinus:
Was Pilatus zu Christus gesagt, und was dieser dem Pilatus geantwortet hat, soll in dieser Rede betrachtet und behandelt werden. Als nämlich den Juden gesagt worden war: „Nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetze", und diese geantwortet hatten: "Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten“, „ging Pilatus wieder in das Gerichtsgebäude hinein, rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Und Jesus antwortete: Sagst du das von dir selbst oder haben es dir andere von mir gesagt?" Ohne Zweifel wußte der Herr sowohl das, um was er selbst fragte, als auch das, was jener antworten würde, aber doch sollte es gesagt werden, nicht damit er es kennenlernen möchte, sondern damit aufgeschrieben würde, was wir wissen sollten. „Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet: was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier". Das ist es, was wir nach der Absicht des guten Meisters wissen sollten. …

Beim Propheten spricht der Vater: „Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg." Aber dieser Zion und dieser heilige Berg sind nicht von dieser Welt. Sein Reich sind die Glaubenden, zu denen er spricht: „Ihr seid nicht von dieser Welt, wie auch ich nicht von dieser Welt bin. Er wollte, daß sie in dieser Welt bleiben und betete zum Vater: „Ich bitte nicht, daß du sie aus dieser Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst." Darum sagt er auch hier nicht: Meine Königsherrschaft ist nicht in dieser Welt, sondern: Sie ist nicht von dieser Welt. Zum Beweis fügt er hinzu: „Wenn meine Königsherrschaft von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde." Dann fährt er fort: „Aber meine Königsherrschaft ist nicht von hier", wieder nicht: „Sie ist nicht hier". Hier ist nämlich sein Reich bis zum Ende der Welt, und es hat eingesätes Unkraut bis zur Ernte; die Ernte ist das Ende der Welt, wenn die Schnitter kommen, das heißt die Engel, und aus seinem Reich alle Ärgernisse sammeln. Es geschähe nicht, wenn seine Königsherrschaft nicht hier wäre. Aber sie ist doch nicht von hier, weil wir in dieser Welt nur auf dem Wege sind. Zu seinem Reich spricht der Herr: „Ihr seid nicht von dieser Welt, sondern ich habe euch aus dieser Welt erwählt."

Welcher Art ist nun das Reich, über das dieser König hier auf Erden vom Holz des Kreuzes herab regiert? Der Heilige Vater hat es jüngst so ausgedrückt:
Das Fruchtbringen und in der Verbundenheit mit Jesus Christus an der Erlösung der Menschen mitzuwirken, kann heißen: Jedes angenommene, noch so verborgene Leid, jedes stille Ertragen des Bösen, jede innere Überwindung, jeder Aufbruch der Liebe, jeder Verzicht und jede stille Zuwendung zu Gott – das alles wird wirksam im Ganzen: Nichts Gutes ist umsonst. Der Macht des Bösen, die wie mit Polypenarmen das ganze Gefüge unserer Gesellschaft zu umgreifen und in einer tödlichen Umarmung zu ersticken droht, tritt nun dieser stille Kreislauf des wahren Lebens entgegen als die befreiende Macht, in der das Reich Gottes ohne alles Aufheben, wie der Herr sagt, schon mitten unter uns ist. In diesem Kreislauf wird Gottes Reich, weil Gottes Wille geschieht auf Erden wie im Himmel.

O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlußstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!
(Antiphon O Rex Gentium am 22. Dezember)

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