Montag, 8. November 2010

Ihr Freunde Gottes allzugleich


Natürlich gibt es im Leben wichtigeres, aber in Bezug auf die Anwendung des Liedes Nr. 608 (Ihr Freunde Gottes allzugleich) schwanke ich an manchen Tagen zwischen Seufzen und einem unwilligen Knurren. Nicht, daß mir von Spees Lied nicht gefiele, allerdings sei mir der Hinweis gestattet: es gäbe für Heiligenfeste schon auch noch etwas anderes, gell. – Vollends wahnsinnig macht mich aber die unheilige Allianz von Lethargikern vor Ort, die das Lied als Eingangslied ansetzt und dann, immer, wirklich immer, egal welchen Heiligen wir feiern, sei er Apostel, Märtyrer, Jungfrau oder Bekenner, die Strophen eins und zwei absingen läßt. Liebe Güte! Als wenn es keine roten Zahlen für die Magnettafel gäbe (wenn man denn durchaus nur zwei Strophen singen will, kann man doch genausogut eine zum Fest passende nehmen). Ich fürchte schon, heute abend fallen die heiligen Märtyrer wieder hinten runter.

An Allerheiligen sang man übrigens von 608 die Strophen eins bis drei. Das hätte mir wirklich beinahe das Wasser in die Augen getrieben. Kann man nicht ein einziges Mal im Jahr, zu Allerheiligen, an alle Heiligen denken?

Einen schönen Gedanken über die Heiligen hat Pfarrer Karlson in seiner Predigt in der Akademiekirche zu Allerheiligen formuliert:
Ich bin froh, daß das Christentum das Licht der Offenbarung in einer gigantischen Fensterrosette, gebrochen in Tausenden von Farbtönen, widerspiegeln darf und hoffe, daß die mangelnde Uniformität der Heiligen nicht als mangelnde Einheit, sondern als wunderbare Vielfalt von Ähnlichkeiten erfahren werden kann.
Der Druck, Verschiedenheiten, Widerständigkeiten gegen das Einerlei unserer Zeit aufzugeben, ist heute sicher groß, wir sollten ihm nicht vorschnell nachgeben. Derjenige, der Christus nachfolgt, muß unverwechselbar sein, und zugleich eine immer größere Ähnlichkeit mit Christus erkennen lassen.
Das Paradox des Allerheiligenfestes ist, daß die Gemeinschaft der vielen verschiedenen Heiligen genau auf diese eine Gegenwart Christi verweist, den Eidos, das Urbild, dem sie ähnlich geworden sind, und dennoch unverwechselbar, dem die Vielen nachfolgen, weil er sie zuerst geliebt hat.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Ich kann's auch nicht mehr hören. Hier in Köln nehmen die dazu noch die eigene Version aus reinen Vierteln. Dabei haben Mary Lu und Gefährten doch auch ganz nette Jungfrauen- und Bekennerhymnen getextet.

Braut des Lammes hat gesagt…

Recht hast Du. 611 (WiMRE): Im Jubel Herr, wir dich erheben schätze ich sehr. 613, den heiligen Jungfrauen gewidmet, ist, finde ich ein bißchen schräg komponiert, aber mal wird es doch gehen…

Stanislaus hat gesagt…

Bemerkenswert finde ich, daß die Ostbistümer mit diesen "schrägen" Melodien besser umgehen können als die Volkskirchler. Daher werden die bei uns auch so gut wie nie gesungen, bestenfalls mit eingängigeren Melodien.

Gespräche-am-Jakobsbrunnen hat gesagt…

Oh ja, das Lied kenne ich, denn ich darf es so ziemlich jeden 2. Samstag und vielleicht auch noch am Tag davor, so denn ein Heiliger gefeiert wird, anstimmen! Das Lied an und für sich wäre ja noch nicht sooooo schlimm, aber da unsere Abendmess-Gemeinde dazu neigt, innerhalb der 1. Strophe um 2-3 Töne zu sinken, egal wie hoch oder tief ich anstimme, wird es manchmal zum Alptraum.
Aber: wir singen immer alle 5 Strophen, 3 am Anfang, 2 nach der Lesung, denn das Singen eines Psalms mit besagter Gemeinde, wäre noch katastrophaler.

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