Donnerstag, 18. November 2010

Eucharistischer Frühling


Zur Kurzkatechese des heiligen Vaters bei der gestrigen Generalaudienz über Juliana von Lüttich und den eucharistischen Frühling sind mir auch einige Anmerkungen Father Marks wieder eingefallen, auf die ich verlinken wollte. Father Mark führt schlicht aus, daß die sogenannte „Erosion des Glaubens“ von folgenden Veränderungen sogar noch gefördert wird:
  • die Darbringung des Meßopfers durch den Priester, der zur Gemeinde gewandt zelebriert
  • die Entfernung der Kommunionbänke und die Verdunklung des Altarraums als „heiliger Ort“
  • die Verbannung des Tabernakels an die Seite des Altarraums
  • der Empfang der heiligen Kommunion im Stehen und in die Hände
  • die Einführung von Kommunionhelfern
Alles in allem sandten diese Veränderungen eine erschreckende Botschaft an die Gläubigen (und sogar an verwirrte Kleriker): „Leute, das allerheiligste Altarssakrament ist gar nicht das, was wir glaubten, das es sei.“

Es sei nebenbei bemerkt, daß jede dieser Änderungen für orthodoxe Christen ein Skandalon darstellen, keine von ihnen aber von Mainstream-Protestanten für anstößig gehalten würde. Wenn der Gottesdienst protestantisiert wird, beginnt man allmählich zu glauben wie ein Protestant. (Im Ganzen nachzulesen hier, Wounded in the house of them that loved me.)
Was kann man tun, um diesen Frühling, für dessen Ausbreitung der Heilige Vater betet, zum Erblühen zu bringen? Den Herrn häufig im Sakrament und zur Anbetung aufsuchen, wie der Heilige Vater sagt. Darüber hinaus sollte man meines Erachtens beginnen, den Erstkommunikanten[1] wieder die Mundkommunion als die ordentliche Form der heiligen Kommunion nahebringen. Viele heute Erwachsene wissen gar nicht, wie die Mundkommunion „geht“ – sie würden schon, trauen sich aber oft lange nicht.

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[1] Daß ich hier als Schleierfan und Nostalgikerin Kinder im Sonntagstaat, vor allem die kleinen Mädchen mit Kommunionschleiern und -kränzchen viel schöner und angemessener gekleidet und als typisch katholisch empfinde, gehört irgendwie auch da hinein. Einheitsbetsäcke? Ein Graus! Kleider machen zwar nicht den Menschen, sie geben aber auch ein Gefühl für das Besondere und Heilige dieses Moments.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Zur Verbannung des Tabernakels möchte ich noch anmerken, daß er nicht nur an die Seite des Altarraums verbannt wurde, sondern auch in manchen Kirchen, die wenige Jahre nach dem Konzil geplant und gebaut wurden, in den "hinteren Teil" der Kirche gesetzt wurden, oder gar angelehnt an die Sakramentskapelle in irgendeinem den Blicken der Gläubigen entzogenen, abgetrennten Winkel verbannt wurde, damit man als normaler Kirchenbesucher außerhalb der Messe nicht durch die Eucharistische Gegenwart des Herrn behelligt wird, außer man ist einer der wenigen, die gerade die Gegenwart des Herrn suchen und die verwinkelten Schleichpfade kennt, die man beschreiten muß, um zu ihm zu gelangen.

Stefan hat gesagt…

Jetzt wissen's wir: Nicht der stetige postmoderne Wertewandel, der über Jahrhunderte wachsende Individualismus und aggressive Relativismus, der spätestens seit der Aufklärung in der Welt tobt, ist Schuld an der Glaubenserosion. Nein, es ist die Zelebrationsrichtung. Zum Glück ist es so einfach. Der Pfarrer muss sich nur umdrehen und mir den Blick auf den Heiland versperren und bricht in mir der tiefe Glauben aus. Die Protestanten sind uns da weit voraus, die grundsätzliche Zelebrationsrichtung ist dort schon Rücken zu den Gläubigen. Tolle Vorbilder.

Braut des Lammes hat gesagt…

Marcus, hier wollte ich tatsächlich erst anmerken "oder sonstwohin", allerdings hätte das eine Veränderung des Originaltextes bedeutet. Inhaltlich gebe ich dir völlig recht.

Father Mark wollte aber wohl darauf hinaus, daß man das Allerheiligste aus der Mitte, die es ist, herausgenommen hat.

Braut des Lammes hat gesagt…

Stefan, hier interpretierst Du aber ziemlich wild hinein. Zunächst; das Zitat listet eine Reihe von Ursachen auf, die nach Ansicht des Verfassers zur Erosion des Glaubens geführt haben. Erosion ist ein langsamer, allmählicher Vorgang. Weder im Zitat selbst noch im wesentlich umfangreicheren Artikel Father Marks, auf den ich verlinkt habe (hast Du den eigentlich gelesen?) wird das behauptet, was Du oben herausgelesen hat. Father Mark will meines Erachtens darauf hinaus, daß, wenn man dem Leib Christi mit wenig Ehrfurcht begegnet oder ihn gar geringschätzig behandelt, dies allmählich zur Verwässerung bis hin zum völligen Erlöschens des Glaubens an die leibliche Gegenwart Christi führt. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Zelebrationsrichtung: Christus ist beim Meßopfer auch im Tabernakel gegenwärtig – warum also nicht zum Tabernakel gewandt zelebrieren? Interessanterweise ist dabei der Blick auf den Heiland durch den Zelebranten gar nicht versperrt, zumal der Priester die eucharistischen Gestalten eigens erhebt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Und jetzt klappt es auch mit dem Link auf den Beitrag von Verena – keine Ahnung, was da falsch lief…

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