Donnerstag, 4. November 2010

Die Krone des Lebens – sel. Bernhard Lichtenberg

Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. (Offb. 2, 10)

VERMELDUNG
In Berliner Häusern wird ein anonymes Hetzblatt gegen die Juden verbreitet. Darin wird behauptet, daß jeder Deutsche, der aus angeblicher falscher Sentimentalität die Juden irgendwie unterstützt, Verrat an seinem Volke übt.

Laßt euch durch diese unchristliche Gesinnung nicht beirren, sondern handelt nach dem strengen Gebote Jesu Christi: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“


Diese Kanzelvermeldung der Domgemeinde St. Hedwig, die Dompropst Bernhard Lichtenberg 1941 als Reaktion auf ein Flugblatt des Propagandaministeriums der Nationalsozialisten verfaßte, sollte niemals verlesen werden. Zwei Tage vor ihrer Verlesung wurde Dompropst Lichtenberg verhaftet, die Kanzelvermeldung spielte später eine entscheidende Rolle im Prozeß, denn am 3. November 1941 bekräftigte Bernhard Lichtenberg seinen Entschluß, seinem Gewissen zu folgen und seiner Verpflichtung treu zu bleiben, den katholischen Gläubigen zu predigen, daß sie sich nicht durch unchristliche Gesinnung beirren lassen dürften.

Der selige Bernhard muß ein beeindruckender Priester gewesen sein. Der Gründer des Maximilian-Kolbe-Werkes, Alfons Erb, schreibt über ihn:
Er war zugleich der erste und größte Beter seiner Gemeinde. In dem Sühne- und Bittgebet sah er das notwendigste Mittel der Seelsorge und die wirkungsvollste Kampfweise gegen den Un- und Irrglauben. Mehr als dreißig Jahre hindurch hat er jeden Abend mit seiner Gemeinde, zuletzt in St. Hedwig, das Abendgebet gebetet. Ein Abendgebet mit geistlicher Lesung, Gewissenserforschung, Rosenkranz, Litanei und mit jenen weit bekannt gewordenen Fürbitten für alle Not der Menschen und der Menschheit. Im Mai und Oktober hielt er täglich eine Marienpredigt. Zum Abschluß des Abendgebetes spielte er auf der Orgel ein Lied und übertönte alle mit seiner Stimme, wie er ja daheim morgens zu Beginn und abends zum Beschluß zum Lobe Gottes ein Lied sang und auf dem Harmonium begleitete.
Abend für Abend hatte Dompropst Lichtenberg in der Kathedrale gebetet und beten lassen. „Lasset uns beten für die Juden und für die armen Gefangenen in den Konzentrationslagern, vor allem für meine Amtsbrüder ...“ – am 29. August denunzierten ihn zwei Studentinnen wegen dieser Fürbitte im Abendgebet der Kathedrale. Nach seiner Verhaftung „wegen Störung des öffentlichen Friedens“(!)* brachte man ihn, den bereits schwer Herzkranken, in die JVA Moabit, von wo er nach der Verkündung des Urteils auf zwei Jahre Haft nach Tegel verlegt wurde. Seine Verfolger schrieben über Lichtenberg im Sommer 1942: Als Ergebnis der Erörterung und als Eindruck, der von dem Verurteilten gewonnen wurde, ist festzuhalten: „Steht im 67. Lebensjahr ... Nicht vorbestraft. Sitzt wegen Heimtücke. Motiv: Religiöser Fanatismus. Eigenwilliger, unbelehrbarer Mann.“

Bernhard Lichtenberg wurde zum „Gefangenen Gottes“, das Gefängnis zur Klausur:

Ich will nichts anderes haben
als was mein Heiland will,
Drum hält der Strafgefangene
bis an das Ende still.
Und was der Heiland will,
das steht schon lange fest:
Apokalypse Zwei
vom 10. Vers den Rest.

Eigentlich hätte Dompropst Lichtenberg am 23. Oktober 1943 entlassen werden sollen. Stattdessen verfügte die Gestapo jedoch, ihn am 3. November mit 200 weiteren Gefangenen in das Konzentrationslager Dachau abtransportieren zu lassen. Am Freitag, den 5. November 1943, einem Herz-Jesu-Freitag, starb Dompropst Lichtenberg noch auf dem Transport nach Dachau im Diakonissenkrankenhaus Hof. Zu seinem Bischof, Konrad Preysing, hatte er während eines Besuches in der Gefängniszelle gesagt: „Was kann einem denn besseres passieren, als für seinen heiligen katholischen Glauben zu sterben! Ich bin bereit, heute noch, ja diese Stunde noch, für ihn zu sterben.“

Wenn ich abends in der Kathedrale bin, habe ich oft die schöne Möglichkeit, noch am Grab des Seligen zu beten. Am morgigen Gedenktag des Heiligen feiert Weihbischof Heinrich um 18 Uhr das Pontifikalamt in der St.-Hedwigs-Kathedrale. Der Gedenktag aller Märtyrer des Erzbistums ist am 8. November.

Seliger Bernhard Lichtenberg, bitte für uns!
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* Dazu sagte er später bei der Urteilsverkündung vor Gericht: „Ich gebe der Überzeugung Ausdruck, daß der Staat durch einen für Juden betenden Bürger keinen Schaden erleidet.“

1 Kommentar:

abitene hat gesagt…

danke für diese interessante Kurzbiographie, bin sehr beeindruckt. Ja, heiliger Bernhard Lichtenberg, bitte für uns Christen, dass wir genau so viel Standhaftigkeit und Opferbereitschaft wie du zeigen

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