Dienstag, 23. November 2010

Asseln


Aus aktuellem Anlaß – ich hatte mit einer Frau Assel zu tun – kam mir dieses nette Gedicht von Bert Brecht wieder in den Sinn:

Es war einmal eine Kellerassel,
die geriet in ein Schlamassel.
Der Keller, in dem sie asselte,
brach eines schönen Tages ein,
sodaß das ganze Haus aus Stein
ihr auf das Köpfchen prasselte.
Sie soll religiös geworden sein.

Das Bild zeigt eine dreispitzige Meerassel. Soviel zum Zitat des hl. Albert: Auch die niedrigsten Tiere verdienen, daß man sie erforscht, muß man doch ihre Formenvielfalt studieren, um so den Künstler zu preisen, der sie erschaffen hat, weil sich nämlich in der Kunst des Schöpfers seine Art zu schaffen offenbart.

Das erinnert mich an eine laue Vollmondnacht, die ich ausschnittweise mit meinem Kater auf unserem Hinterhof genoß. Dieses traute Idyll ging so lange, bis hunderte von Asseln, offensichtlich auf dem Weg zu wichtigen Geschäften anderswo – etwa einem Asselkongreß oder einer Balznacht, was beißt mich – auftauchten. Anscheinend sind auch Asseln Romantiker. Mein Kommentar: „Iihh, Asseln!“ (es war aber insgesamt doch ganz faszinierend). Der Kommentar meines Katers: „Fiep!“

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dereinst gruselte mir vor (Keller)asseln noch mehr als vor andern vielbeinigen Tieren. Ein bisschen peinlich für eine Biologin. Bis ich lernte, dass es sich bei ihnen um landlebende Krebse handelt. Komischerweise gruselt es mich seitdem nicht mehr. Vor ihnen - vor großen Spinnen schon noch.
We bereits an andere Stelle bemerkt, frage ich mich allerdings nach wie vor, was der Künstler sich bei Parasiten gedacht hat...
Gabriele

Braut des Lammes hat gesagt…

Smile – gut über die Parasiten müßte ich nochmal nachdenken. Vielleicht gibt es auch hübsche…?

Spinnen sind wunderbare Tiere. Weiland saß in meiner Stammapotheke eine Vogelspinne in einem Terrarium; die durfte ich dann einmal halten und streicheln. Das war total nett, wie ein kleines Pelztierchens.

Anonym hat gesagt…

findet ihr das gedicht nicht ein wenig unnett religiösen menschen gegenüber? politisch unkorrekt? oder gemein?

offenbar hält sich brecht nicht für eine kellerassel und er ist nicht religiös, würde ich mal aufgrund des gedichtes schätzen.

vielleicht enthält das gedicht aber auch was wahres? ist ja oft so bei brecht gedichten.
inge

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Gedicht beinhaltet natürlich einen Seitenhieb, nichtsdestotrotz mag ich es.

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