Samstag, 27. November 2010

Advent – Christus entgegengehen

Als Katholik antizyklisch leben – im Advent einmal mehr Thema. Schon vor Christkönig sichtete ich erste Weihnachtsbäume (vom ersten Schokoladenweihnachtsmann im Sommer will ich erst gar nicht anfangen, meines Erachtens ein neuer Rekord) und vereinzelte Weihnachtsbeleuchtungen, nur einen Tag später dann volle Illumination. Beim abendlichen Einkaufen trompetete man mir gestern von oben her „Noël, Noël“ auf den Kopf. All das wohlgemerkt, noch vor dem ersten Advent. Wenn die Glitzerorgien und Weihnachtslieder dann eigentlich angesagt wären, nämlich von Weihnachten bis zum 2. Februar, sind sie irrsinnigerweise schon wieder verschwunden. Der Herr Pfarrer erzählte im vorigen Jahr, daß sich zu seiner Zeit im Priesterseminar eines Advents eine Dame beschwert habe, es wäre ja gar nicht dekoriert. Räusper…

„Kathrein stellt den Tanz ein“, hieß es früher in Bezug darauf, daß der Advent eine sogenannte geschlossene Zeit ist, eine Zeit des Fastens und der inneren Erneuerung als Vorbereitung auf das Hochfest Christi Geburt. In der Liturgie verwenden wir violette Paramente wie in der Fastenzeit, wir verzichten auf das festliche Gloria, zuweilen auch auf den Weihrauch, und schränken den Blumenschmuck ein. Zugleich gehören die Adventssonntage mit den Fastensonntagen im Kirchenjahr zu den Tagen mit dem höchsten liturgischen Rang; sie können von keinem anderen Gedenktag oder Fest verdrängt werden.

Ich kann am kollektiven Weihnachtswahnsinn nichts ändern, ebensowenig wie ich die Nachbarin über den Hof dran hindern kann, die Bäume und Sträucher im Hof pünktlich zum Beginn der Passionszeit mit Plastikostereiern zu dekorieren (grusel). Eigentlich hätte ich der Stadt und dem Einzelhandel (Urbi et …?) den Vorschlag zu machen, die ganze Dekoriererei einfach auf die Zeit vom 24. Dezember bis zum Fest Taufe des Herrn zu verschieben, Lichtmeß wär noch besser, dann lohnt es sich richtig. Wäre genauso lang, liturgisch stimmig und das Wort Lichtmeß käme auch wieder in Mode. Jedoch kann man das wahrscheinlich wegen allgemeiner Sinnlosigkeit getrost vergessen.

Eines aber kann ich tun: ich kann mich dem kollektiven Weihnachtswahnsinn um mich herum so gut wie möglich entziehen, ich kann mich am Adventskranz und später an der Krippe freuen, ich kann mich durch Buße, Zuwendung und Fasten auf das Fest der Geburt unseres Erlösers vorbereiten und mich dem entgegenstrecken, was sicher kommen wird, dem Herrn, ihm, der war und der kommen wird.
Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten.

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