Samstag, 27. November 2010

1. Adventssonntag – Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Seele


Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich.
Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren!
Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Der Introitus des ersten Adventssonntags ist zugleich charakteristisch für das Sehnen und Bestreben dieser ganzen Zeit, für den Beginn des neuen Kirchenjahres, aber auch Mitte und Erfüllung unseres Lebens: Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Seele.

Alle Lesungen dieses ersten Adventssonntages sind voll von diesem Gedanken des Sichzuwendens, des neuen Aufbruchs: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs, heißt es beim Propheten Jesaja. Der 122. Psalm besingt die Pilgerschaft zur heiligen Stadt Jerusalem, und der Apostel mahnt uns, vom Schlaf aufzustehen und die Waffen des Lichts anzulegen, damit uns der Herr des Hauses, Christus, nicht schlafend vorfinde, wenn er wiederkommt. Diese Bewegung, Christus entgegen, nimmt auch das Tagesgebet auf: Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten. All sein Vertrauen auf diese Gnade und in der festen Zuversicht, daß er, der war, sicher kommen wird, kann der Beter zusammenfassen in der schönen Antiphon: Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn es nahet eure Erlösung.

Die ganze Liturgie des Advents wird von Dank, Bitte und Vertrauen bewegt. Dank für das unendliche Erbarmen, das Gott bei seiner Menschwerdung erwiesen hat und die Bitte, er möge uns seine Huld auch bei seiner Wiederkunft erweisen.

Um das unendliche Erbarmen Gottes, das in der Menschwerdung seines Sohnes liegt, zu besingen, findet der unbekannte Prediger in der Matutin wunderbare Worte:
Jetzt ist die Zeit, liebe Brüder, das Erbarmen und die Huld Gottes zu singen. Denn es ist Advent des Herrn, der war und der kommen wird, des Allmächtigen. Warum kommt er? Damit jene, die ihn nicht kannten, erkennen; die nicht glauben, glauben; die ohne Gottesfurcht waren, Gott fürchten; die nicht liebten, lieben. So kam er, der seinem göttlichen Wesen nach schon da war, nun mit seiner Huld, damit er als Mensch erkannt, als Gott geglaubt, als Mächtiger gefürchtet, als Gläubiger geliebt werde. In unserer Schwachheit erschien er als Mensch, in seinen Wundern als Gott: mächtig, wenn er die Dämonen beherrscht, gütig und barmherzig, wenn er die Sünder aufnimmt; menschlich war sein Hungern, göttlich die Vermehrung der Brote: menschlich sein Schlaf im Fischerboot, göttlich sein Befehl an das Meer. Menschlich war sein Sterben, göttlich war er, wenn er die Toten erweckte. In seiner Macht trieb er die Händler aus dem Tempel. In seiner Güte nahm er Zöllner und Sünder an. Mit seiner Allgewalt schreckte er die Dämonen, in seiner Güte sprach er die Ehebrecherin frei. Zuletzt stürzten vor seiner Erhabenheit die Häscher zu Boden, die ihn gefangennehmen wollen, und in seiner Liebe heilte er das Ohr des Knechtes. Dies alles gehört zu der Huld seines ersten Kommens. Da seine Güte bei deinem ersten Kommen so groß war, will ich dir singen, Herr. Erbarmen war es, daß du Mensch wurdest, unsere Schwäche auf dich nahmst. Alles entströmte dem Quell deiner Barmherzigkeit.

Kommentare:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Habe ich gerade mit großer Freude gelesen!

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke vielmals :)

Braut des Lammes hat gesagt…

Nachtrag: also, ich gehe davon aus, daß du das "mit großer Freude" auf die schöne Lesung zur zweiten Nokturn bezogen hast, aber trotzdem danke!

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