Freitag, 8. Oktober 2010

Die Männer von Stepford

Warten auf die Auferstehung –
Beinhaus mit bemalten Gebeinen
In letzter Zeit ist es ab und an passiert, daß die Zusammenstellung der liturgischen Texte meinem Dafürhalten nach unter dem Motto der Männer von Stepford stand: „Weil wir es können!“

In der Tat kann man offenbar die sanfte kleine heilige Therese mit dem Buch Hiob – Den Frevlern wird ihr Licht entzogen, zerschmettert der erhobene Arm! – oder das Rosenkranzfest mit den „unvernünftigen Galatern“ kombinieren, mit weißen Paramenten und Fürbitten vom jeweiligen Gedenktag[2]. Die Frage, die sich mir stellt: ist das sinnvoll? Bei mir führt es jedenfalls zu einem gewissen Fußnägelkräuseln. Man verstehe mich recht, ich gehöre nicht zu der Fraktion, die aus irgendeinem Grunde als unbequem oder kantig empfundene Texte ablehnt. Muß man sich aber ausgerechnet dann auf die Wochentagsbahnlesung zurückziehen, wenn es inhaltlich zum Gedenktag eines Heiligen so gar nicht paßt?

Daß das Ganze nach genau demselben Motto auch umgekehrt funktioniert, wenn man will, beweist der Umstand, daß diese sehr schöne Lesung aus dem Buch Ezechiel über die Wiederbelebung der Totengebeine (Ez 37, 1-14) nun schon mehrere Lesezyklen hintereinander unter den Tisch gefallen ist. Also, ich finde diese Lesung äußerst beeindruckend – es ist eine Verheißung der Auferstehung der Toten im Fleische.

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[1] Dagegen die Lesung zum Gedenktag der hl. Therese aus Jesaja: Freut euch mit Jerusalem! … Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.

[2] die „verblendeten Galater“ darüber hinaus mit dem Antwortpsalm vom Rosenkranzfest, was mir den Schweiß auf die Stirne trieb, weil ich dachte, ich hätte nun doch die falsche Lesung gelesen. (Mitnichten!) Der Diakon dachte das wohl auch und las prompt das Evangelium vom Rosenkranzfest. Die Predigt fiel daraufhin aus. Heuuul!

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