Freitag, 1. Oktober 2010

Das Fragen nach der Hoffnung, die uns erfüllt 


Als Reaktion auf das Bekennerschreiben von Alipius Diaconus beim Sende-Zeit-Blog gab es ein kleineres Rauschen im Blogwald. Eine Leserin des Beitrags verweist auf den hl. Petrus – Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt (1 Petr. 3, 15). Wer belehrt werden will, muß allerdings auch tatsächlich etwas lernen wollen, Ohren haben, um zu hören – und vielleicht auch davon ausgehen, daß es tatsächlich eine Hoffnung ist, die uns erfüllt. Der um die Auskunft Gebetene wiederum ist nicht verpflichtet, sich dabei um jeden Preis zum Brot zu machen. (Dieser Gedanke kam mir übrigens auch nochmal vorhin, als mir in der U-Bahn jemand eine absolut nicht zitierbare Frage stellte.)

Ein schönes Beispiel dafür, wie echtes Fragen nach der Hoffnung, die uns erfüllt – und die Antwort darauf – auch aussehen kann, finden wir in der Apostelgeschichte:

Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen. Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen. Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen? Da begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg? Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.

Daß so etwas zu allen Zeiten möglich und aktuell ist, beweisen die vielen Erwachsenen, die in jedem Jahr, meist in der Osternacht, in die Kirche aufgenommen werden. Ein ganzes Jahr haben sie sich in der Regel im Katechumenat darauf vorbereitet. Zeit für viele Fragen, auch kritische.

Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt – gern tue ich das, wenn man mich fragt, und ich bin überzeugt, Alipius tut es genauso gerne.

Wer allerdings schon in seiner Eröffnung eines möglichen Dialogs sein Gegenüber heruntermacht und postuliert, die Gnade Gottes sei "einfach nicht real", erweckt eher den Eindruck, als wenn er den anderen vorführen möchte und braucht sich nicht zu wundern, wenn man den Staub gegen ihn von den Füßen schüttelt.

Um beim obigen Beispiel zu bleiben: es wäre zielführender (und höflicher) gewesen, den Herrn Alipius erst einmal zu bitten, auf den Wagen zu steigen.

Kommentare:

Alipius hat gesagt…

Huch! Das seh' ich ja jetzt erst! Danke für den Beistand!

Braut des Lammes hat gesagt…

Jederzeit gern. Der Beitrag erschien mir zu lang für die Kommentarfunktion, sonst hätte ich bei Dir kommentiert.

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