Dienstag, 21. September 2010

Was uns Hose heißt, gleich wie es hieße…


…kann anständig, bescheiden und zurückhaltend sein.

Alipius Diaconus bezieht sich in den Marginalien auf Einträge in mehreren amerikanischen Blogs, woraufhin die dortigen Kommentarboxen explodierten oder bei einem Überdruck von mehr als 300 Kommentaren vorsorglich geschlossen wurden. Mit dem Thema Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose kann man sich offenbar erstaunlich intensiv beschäftigen. Daß die Frage auch hierzulande gewälzt wird, beweist das Forum, in dem vor einiger Zeit eine Nutzerin beklagte, bei der Feier der Osternacht hätten 90 Prozent der Frauen Hosen getragen, Das sei doch „nicht normal“. Da bin ich schon fast geneigt zu fragen: Habt ihr eigentlich auch noch was anderes im Kopf?

Meine Ansicht? Es kommt darauf an. Zum einen glaube ich, daß sich Frauen und Männer auch äußerlich unterscheiden sollten – wie soll man sich sonst mit dem eigenen Geschlecht identifizieren? Zum anderen aber ist es nicht entscheidend, ob die Kleidung aus Rock oder Hose, Bluse oder T-Shirt besteht, sondern, daß sie wärmt, den Körper ausreichend bedeckt und anständig ist. So manche Hose erfüllt diesen Zweck um vieles mehr als so manches, was man heutzutage einen Rock nennt. Sowohl in einem Rock[1] als auch einer Hose kann eine Frau anständig oder unanständig aussehen.

Mit dem 5. Buch Mose (Dtn 22,5) macht man meiner Ansicht nach argumentativ auch keinen Stich: Ist die hosentragende Frau dem Herrn ein Greuel? Eine Hose im allgemeinen kann schon deshalb kein Greuel in den Augen des Herrn sein, weil dieses Kleidungsstück zu jener Zeit unbekannt war, also weder von Männern noch von Frauen getragen wurde. Auch heißt es im Originaltext nicht Mannsgewand, sondern Männerzeug (auch: Jagdgerät oder Ausrüstung). Längliche Ausführungen zum Thema „Männerzeug“.erspare ich mir an dieser Stelle und verweise stattdessen auf den schon etwas älteren Beitrag von Werner Tietze Von Haaren und Hosen. Des weiteren würde ich jeden Mann, der das Argument „Mannsgewand“ anführte, recht freundlich bitten, einmal drei Wochen lang Hosen der Art zu tragen, wie ich sie habe. Ich wage zu behaupten, es käme erst gar nicht dazu.

Halten wir uns an die Apostel. Petrus: Nicht auf äußeren Schmuck sollt ihr Wert legen, auf Haartracht, Gold und prächtige Kleider, sondern was im Herzen verborgen ist, das sei euer unvergänglicher Schmuck: ein sanftes und ruhiges Wesen. Das ist wertvoll in Gottes Augen. Der hl. Paulus schreibt: Auch sollen die Frauen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen.

Bereits 866 stellte Papst Nikolaus I, gegenüber dem ersten christlichen Herrscher Bulgariens, Boris I., in der Frage, ob die bulgarischen Frauen, zu deren Stammestrachten Hosen gehörten, diese weiterhin tragen dürften, klar: „Ob ihr oder eure Frauen Hosen tragen oder auch nicht, steht weder eurer Erlösung entgegen, noch führt es zu irgendeiner höheren Tugendhaftigkeit.“

Die aus irgendeinem obskuren Grund weitaus öfter zitierte Aussage Kardinal Siris muß man dagegen im Kontext lesen: Kardinal Siri ging es bei seiner Beurteilung darum, daß sich Männer und Frauen im Äußeren unterscheiden sollen, da sie verschieden sind. Des weiteren verwahrte er sich gegen zu eng anliegende Hosen, die er als Verletzung der Schamhaftigkeit ansah.

Darum trage ich keine Jeans. Insbesondere die unsägliche 501 – von beiden Geschlechtern zu tragen – wäre meines Erachtens tatsächlich ein guter Kandidat für die Kategorie „Greuel“. Zeitlebens hatte ich nur eine einzige Jeans und auch nur, um sie zu so wundervollen Arbeiten wie Schränke abbeizen zu tragen (auch die sah eindeutig nach Frau aus, sie ruht nun in Frieden im Keller). Daß ich nur diese eine einzige hatte, liegt vielleicht auch daran, daß ich auf eine Privatschule gegangen bin, an der man nicht in Jeans oder Turnschuhen zum Unterricht erscheinen durfte. Wer trotzdem damit ankam, wurde nach Hause geschickt, um sich „etwas Anständiges“ anzuziehen.[2]

Das bisher Gesagte bedeutet, wenn man katholisch oder sogar Braut Christi ist, nicht, daß man aussehen muß, wie Laura Ingalls von „unserer kleinen Farm“, wie es ein Kommentator auf dem amerikanischen Blog Veiled glory einmal ausgedrückt hat. (Nebenbei bemerkt, mag ich Laura und die kleine Farm).

Sich ärmlich, anständig und bescheiden[3] zu kleiden, heißt nicht, als sonderbare Figur zu enden. Es heißt zwar: Gebet kein Ärgernis der Gemeinde Gottes (1 Kor 10,32). Es ist allerdings nicht sehr schmeichelhaft für den Herrn, wenn diejenigen, die ihm mystisch anverlobt sind, so erscheinen, als hätten sie schon deshalb Braut Christi werden müssen, weil jeder andere schreiend davongelaufen wäre. Es heißt meines Erachtens auch nicht, daß man sich Mühe geben sollte, so reizlos und unattraktiv wie nur möglich auszusehen. Gott hat mich erschaffen, nicht ich selbst. So verdammen die Apostel auch nicht bestimmte Dinge, sondern schreiben, daß man keinen Wert auf sie legen solle, weil sie einfach nicht wichtig sind.
___
[1] Disclaimer: Ich trage übrigens sehr gern Kleider und Röcke, leider haben aus einem mir nicht nachzuvollziehenden Grund die heutzutage hergestellten meist keine Taschen. Offenbar ist man der Ansicht, Frauen hätten nicht nur einen Rock, sondern bitteschön auch ständig ein Handtäschchen mit sich herumzutragen :rolleyes:. Alternativ befestige ich halt Taschentücher mit Gummibändern, jongliere mit der Lesebrille und balanciere die Streichholzschachtel auf dem Kopf.

[2] Gleich ganz ohne Schuhe zu kommen, wurde dagegen nicht beanstandet. Ganz ohne Hose hat natürlich keiner ausprobiert.

[3] Gibt es irgendeine deutsche Entsprechung des Begriffs „Modest clothing“? Ich habe jedenfalls bisher keine gefunden.

1 Kommentar:

Admiral hat gesagt…

Übelstes 501er Bashing hier!
Ich werf meine ganzen Hosen jetzt NICHT weg!

:-)

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