Sonntag, 26. September 2010

Und mit Lazarus, dem einst Armen…

In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. (Lk 16,19)


Bemerke wohl, daß die Leute gewöhnlich viel eher die Namen der Reichen wissen als die der Armen. Der Herr aber nennt den Namen des Armen – und den des Reichen nicht. Denn Gott kennt und anerkennt die Niedrigen, und die Stolzen kennt er nicht. (Gregor der Große)

In seiner Predigt Sind wir alle Lazarus? zum heutigen Sonntagsevangelium ging der Zelebrant unter anderem darauf ein, daß das Bild des armen Lazarus früher zum In paradisum der Exsequien gehört hat. Daß uns nun durch Christus, der für uns gestorben ist, ewiges Leben erfreuen möge, ist zwar auch ein schönes Bild, aber eben durchaus nicht dasselbe.

Der lateinische Text dieses schönen und tröstlichen Hymnus aus dem frühen Mittelalter lautet – et cum Lazaro, quondam paupere – und mit Lazarus, dem einst so armen, soll ewige Ruhe dich erfreuen. Das Mittelalter war offensichtlich mutiger als wir heute: es weicht der Theodizeefrage nicht aus, sondern setzt an die entscheidende Stelle die Gestalt des Lazarus. Es ist klar, die wenigsten Menschen sind wie Lazarus. Aber mit ihm sollen sie getröstet und gerettet werden, weil sie an Christus geglaubt haben.

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