Freitag, 10. September 2010

Türme und Läufer

Im Evangelium des letzten Sonntags gebrauchte Jesus das Bild eines Turmes:

Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Sicherlich ist es klug, sich in der Auseinandersetzung mit einer Berufung zu vergewissern, daß man ein tragfähiges Fundament hat und mit einiger Zuversicht davon ausgehen kann, daß es mit dem Turm etwas werden wird. Wann und wo aber im Leben gibt es völlige Gewißheit, und etwa zu fürchtenden Spott muß man ohnehin aushalten können.

Ein wunderbares und anspornendes Bild, wie ich finde, kommt aus der ersten Lesung des heutigen Tages. Da schreibt der hl. Paulus:

Wißt ihr nicht, daß die Läufer im Stadion zwar alle laufen,
aber daß nur einer den Siegespreis gewinnt?
Lauft so, daß ihr ihn gewinnt.
Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam;
jene tun dies, um einen vergänglichen,
wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen.
Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft
und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt,
vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib,
damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.


Auch an anderer Stelle, im Philipperbrief, verwendet Paulus ein solch sportliches Bild des unablässigen Sichbemühens und Übens:

Nicht daß ich es schon erreicht hätte oder daß ich schon vollendet
wöre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen,
weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
Brüder, ich bilde mir nicht ein, daß ich es schon ergriffen hätte.
Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis:
der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.


Wichtig ist, daß man nicht das Eigentliche versäumt, der Lauf ziellos oder halbherzig gelaufen wird, der Läufer gar nicht erst antritt oder über dem Planen und Überlegen, ob die Mittel auch wirklich reichen werden, der Turm vielleicht ungebaut bleibt.

Ich bitte ums Gebet für alle, die sich mit ihrer Berufung auseinandersetzen, vielleicht sogar mit ihr ringen, die sich in diesen Tagen auf ihre Profeß vorbereiten, eine Weihe empfangen oder empfangen haben. Am 18. September werden in der Kathedrale fünf Priesteramtskandidaten zu Diakonen geweiht. Beten wir auch besonders für sie – daß sie alle so laufen, daß sie den Siegespreis erringen.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...