Sonntag, 5. September 2010

Strahle Licht in diese Welt – Chiara Luce Badano, ehrwürdige Dienerin Gottes


Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
(aus der Pfingstsequenz)

Ich weiß nicht, wer einmal gesagt hat, daß man mitunter das Muster eines Gewebes nicht zu erkennen vermag, weil man zu dicht davor steht. Tritt man einige Schritte zurück, so vermag das Auge das Muster des Webers erkennen.

Am 25. September wird Papst Benedikt XVI. in Rom die ehrwürdige Dienerin Gottes, Chiara „Luce“ Badano seligsprechen. Letzten Dezember wurde die wunderbare Heilung eines kleinen italienischen Jungen bestätigt, der an Gehirnhautentzündung erkrankt war und bereits im Sterben lag. Nachdem seine Eltern Chiara Badano um Fürsprache angerufen hatten, erholte er sich wieder vollständig,

Das Gewebe von Chiara Badones kurzem Leben besteht scheinbar vorwiegend aus dunklen Farben – das einzige Kind ihrer Eltern, das diese erst nach 11 Jahren Ehe bekamen und das mit nur 18 Jahren nach vielen Schmerzen an Knochenkrebs starb. Und doch vermag dieses Leben Richtung zu weisen in einer Frage, die den Menschen von je her beschäftigt: Liegt irgendein Sinn im Leiden?

Chiara hatte eine Familie, die sie sehr liebte, einen starken Glauben, war bei ihren Freunden beliebt und hübsch. Voll Begeisterung trieb sie Musik und Sport, schwamm, spielte Tennis, ging Bergsteigen. Seit sie neun Jahre alt war, engagierte sie sich in der Jugendbewegung der Fokolare.

Eines Tages beim Tennisspielen spürte sie einen scharfen Schmerz in der Schulter. Kurz darauf wurde ein Knochentumor festgestellt. Die aufregende Zukunft, die sie sich vorgestellt hatte, zerplatzte in der Luft wie eine Seifenblase. An diesem Punkt jedoch beginnt die wahre Geschichte ihres Lebens, die Übung heroischer Tugenden, denn die tiefe Beziehung zu Christus prägte nicht nur die Beziehung zu ihren Eltern und Freunden, sondern auch den Umgang mit ihrer Krankheit – sie folgte Jesus, dem Willen des Vaters gehorsam: Für mich ist nur wichtig, im gegenwärtigen Augenblick das zu tun, was Gott will. Ich will im göttlichen „Spiel“ mitspielen. Ich hatte so viele ehrgeizige Pläne. Jetzt scheinen sie mir bedeutungslos und vergänglich – Ich fühle mich als Teil eines wunderschönen Plans, der sich mir nach und nach enthüllt.

Als Kardinal Saldarini, der von Chiara gehört hatte, sie im Krankenhaus besuchte, fragte er, wieso sie so glücklich aussehe. Chiara antwortete: Ich versuche, Jesus so sehr zu lieben wie ich kann. So unternahm sie etwa trotz qualvoller Schmerzen während eines ihrer vielen Klinikaufenthalte lange Spaziergänge mit einem jungen, drogenabhängigen Mädchen.

Chiara versuchte, ihr Leiden mit den Leiden Christi am Kreuz zu vereinen: Wiederholt wies sie Morphin zur Schmerztherapie zurück, auch weil es ihre geistige Klarheit beeinträchtigte. Ihrer Mutter sagte sie einmal: Ich bitte Jesus nicht mehr darum, mich zu sich in den Himmel zu holen; denn ich möchte ihm weiter meine Schmerzen schenken, um noch ein wenig mit ihm das Kreuz zu tragen. Wie jede Frau war sie stolz auf ihr Haar. Als es auszufallen begann, betrachtete sie es als Opfer für Jesus.

An Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolarbewegung, von der sie den Beinamen "Luce" erhielt, schrieb sie 1983, lange vor Ausbruch ihrer Krankheit:
Ich habe entdeckt, daß Jesus, der Verlassene, der Schlüssel zur Vereinigung ist und möchte ihn zum Bräutigam nehmen und bereit sein, wenn er kommt. Es ist mir klargeworden, daß ich ihn in jenen finde, die weit von ihm entfernt sind, in denen, die nicht glauben können, und daß sie in besonderer Weise lieben muß.

Sieben Jahre später, im Sommer 1990:
Die Medizin hat ihre Waffen niedergelegt. Nachdem die Behandlung abgebrochen worden ist, sind die Schmerzen im Rücken schlimmer geworden. Ich kann mich kaum bewegen. Ich fühle mich so klein und die Straße, die vor mir liegt, ist so beschwerlich … Ich fühle oft, daß die Schmerzen mich überwältigen. Ist es der Bräutigam, dem ich entgegengehe?

Dem Bräutigam entgegeneilend, plante sie ihre Begräbnisfeier wie andere junge Frauen ihre Hochzeit. So wollte sie auch in einem weißen Kleid begraben werden. Nach einer Nacht voller Schmerzen starb Chiara am Morgen des 7. Oktober 1990, dem Rosenkranzfest.

Ihr Schicksal verbitterte sie nicht: Ich habe immer noch mein Herz und mit ihm kann ich immer lieben.

Herr Jesus, gütig und selbstlos von Herzen – bilde unser Herz nach deinem Herzen.
Selige Chiara Luce Badano, bitte für uns!

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