Donnerstag, 2. September 2010

Sie folgen dem Lamm, wohin immer es geht


Im letzten Beitrag Was bedeutet es, in der Welt zu leben? vermißte eine Kommentatorin eine Essenz. Daraufhin habe ich ihn mit erstmal dem Label 2Bcontinued versehen, da ich ohnehin noch etwas dazu schreiben wollte (falls ich damit Eulen nach Athen tragen sollte, seht es meinethalben als einen Beitrag zu Los Wochos an). Die durchaus vorhandene Essenz, auch wenn sie nicht am Ende steht: das Leben gottgeweihter Jungfrauen soll als solches erkennbar sein und Frucht tragen.

In Vita consecrata heißt es über das Leben der gottgeweihten Personen:
Auch ihr Lebensstil muß das Ideal, zu dem sie sich bekennen, sichtbar werden lassen und sich als lebendiges Zeichen Gottes und als beredte, wenn auch oft schweigende Verkündigung des Evangeliums darstellen. Immer, aber besonders in der heutigen, oft so säkularisierten Kultur, die aber trotzdem für die Sprache der Zeichen empfänglich ist, muß sich die Kirche bemühen, ihre Anwesenheit im Alltagsleben sichtbar zu machen. Einen bedeutsamen Beitrag in diesem Sinne erwartet sie sich zu Recht von den Personen des geweihten Lebens, die berufen sind, in jeder Situation konkret von ihrer Zugehörigkeit zu Christus Zeugnis abzulegen. (VC 25)
An mehreren Stellen betont die Kirche ausdrücklich die Zeichenhaftigkeit der Lebensform der geweihten Jungfrauen, die auch ein Lebensvollzug der Kirche selbst ist:
Grund zu Freude und Hoffnung ist es zu sehen, daß die bereits seit der apostolischen Zeit in den christlichen Gemeinden bezeugte alte Weihe der Jungfrauen heute wiederaufblüht. Durch ihre Weihe durch den Diözesanbischof erwerben sie eine besondere Bindung an die Kirche, deren Dienst sie sich widmen, auch wenn sie weiter in der Welt bleiben. Allein oder in Gemeinschaft stellen sie ein besonderes eschatologisches Bild von der himmlischen Braut und dem zukünftigen Leben dar, wenn die Kirche endlich die Liebe zu ihrem Bräutigam Christus in Fülle leben wird. (VC, 7)
Vor der Weihe fragt der Bischof die Consecranda:
Bist du bereit,
dein Leben in der Nachfolge Christi
zu der das Evangelium aufruft,
als ein Zeugnis der Liebe zu leben
und als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes?
Im Weihegebet selbst heißt es:
Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe; denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche. Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung, sie verlangt nach dem Leben, das den Engeln eigen ist, und sehnt sich nach der Vermählung mit Christus.
Diese Berufung ist natürlich eine wesenhaft kontemplative, eine Berufung zum Sein, verschiedentlich hatte ich dazu auch schon etwas geschrieben, etwa hier. Dieses „Sein“ hängt jedoch nicht im luftleeren Raum, sondern muß einen Niederschlag finden, was sich natürlich auch im Handeln ausdrückt.

Worin sich dieses Handeln konkret festmacht, kann sehr verschieden sein, wie es auch die Lebensumstände der Jungfrauen sind, sie alle verbindet aber die Berufung zum Gebet und die Aufforderung der Kirche bei der Weihe: Vergiß nie, um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen!

Es geht nicht darum, festzulegen, ihr müßt genau dies oder jenes tun, diesen Schleier oder jenes Gewand tragen – obwohl das Tragen eines Schleiers bzw. eines schlichten Gewandes unter Umständen durchaus möglich ist, wie auch die Kirche selbst zum Ausdruck bringt, indem sie die obige Erinnerung an die Jungfrau zur Übergabe des Schleiers und Rings vorsieht –, es geht darum, Christus alles zu schenken. Die Berufung, ein Leben als Jungfrau „in der Welt“ zu führen, bringt ein ebenso hohes Maß an Verpflichtung, Opfergeist und Verantwortlichkeit mit sich wie die der anderen öffentlichen Formen des geweihten Lebens, ist also keinesfalls eine „Berufung light“. Alles im Leben auf die Berufung, den Dienst der Kirche hin ordnen, alles lassen, weil er mich nicht läßt.

Dazu gehören sicher die tägliche Teilnahme an der hl. Messe, das Eintreten für das Heil der ganzen Welt im fürbittenden Gebet, das betrachtende Gebet, geistliche Lesung, ein Lebensstil, der dem Rat der evangelischen Armut entspricht, Fasten und Buße.

Für mich heißt das konkret auch, daß ich nicht in der völligen Verborgenheit lebe, nur dem Bischof bekannt (was manchmal auch nicht so leicht ist, ich habe es mir aber vorher gut überlegt). Ich habe mir diese Berufung, diese Lebensform nicht in dem Sinne ausgesucht, es ist ganz einfach meine Berufung, der ich folge, weil ich nicht anders kann. Es ist auch kein eigener Verdienst und kein eigenes „Machen“ dabei.– Der Apostel schreibt an mehreren Stellen über das Törichte in der Welt, das Gott erwählt hat, das Schwache, Niedrige und Verachtete in der Welt, das Nichts, das letztlich doch das, was etwas ist, zuschanden machen wird.

Die Zeichenhaftigkeit, die darin besteht, daß hier jemandem Christus alles ist, so sehr, daß diejenige gar nicht anders konnte – Du selbst hast dazu ihr Herz bewegt heißt es im Weihegebet der Kirche. Daß Christus jemanden mit solcher Intensität an sich zieht und daß die Antwort auf diesen Ruf unser Leben nicht verkümmern läßt, sondern einen durch das ganze Leben tragen und dabei mit Freude erfüllen kann: Laß sie alles finden in Dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.

Eine der Antiphonen des Ritus faßt es sehr schön zusammen:

Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Das Lied, das die Jungfrauen singen, die dem Lamm folgen, wohin immer es geht, ist Ausdruck reiner Liebe.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke sehr. Ich mag in diesem Zusammenhang insbesondere das Ende des Weihegebets :

Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.

---> es gibt wohl keinen schöneren "Brückenschlag" zwischen dem Irdischen Sein und der Verbindung zum Himmel

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