Freitag, 17. September 2010

Gott ist gegenwärtig



Warum es dieses wunderbare Kirchenlied von Gerhard Teerstegen - und so manches andere – nicht mit einem Ö ins Gotteslob geschafft hat, habe ich nie wirklich verstanden:

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitten.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm neige.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

Gott ist gegenwärtig,
dem die Cherubinen
Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig!
singen ihm zur Ehre
aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm unsre Stimm,
da auch wir Geringen
unsre Opfer bringen.

Wir entsagen willig
allen Eitelkeiten,
aller Erdenlust und Freuden;
da liegt unser Wille,
Seele, Leib und Leben
dir zum Eigentum ergeben.
Du allein sollst es sein,
unser Gott und Herre,
dir gebührt die Ehre.

Majestätisch Wesen,
möcht ich recht dich preisen
und im Geist dir Dienst erweisen.
Möcht ich wie die Engel
immer vor dir stehen
und dich gegenwärtig sehen.
Laß mich dir für und für
trachten zu gefallen,
liebster Gott, in allem.

Luft, die alles füllet,
drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn Grund und Ende,
Wunder aller Wunder:
ich senk mich in dich hinunter.
Ich in dir, du in mir,
laß mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.

Du durchdringest alles;
laß dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
laß mich so still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.

Mache mich einfältig,
innig, abgeschieden,
sanft und still in deinem Frieden;
mach mich reines Herzens,
daß ich deine Klarheit
schauen mag in Geist und Wahrheit;
laß mein Herz überwärts
wie ein Adler schweben
und in dir nur leben.

Herr, komm in mir wohnen,
laß mein' Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen,
dich in mir verkläre,
daß ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh,
laß mich dich erblicken
und vor dir mich bücken.


Gewiß, die Sprache ist altertümlich, das Kirchenlied drückt jedoch eine Ehrfurcht vor dem Mysterium aus, die ich im Gotteshaus manchmal wirklich vermisse.

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Warum nicht im GL? Der unterirdisch öden Melodey von Joachim Neander (1680) wegen ...!?!

Johannes hat gesagt…

Hab gerade heute mal wieder ein politisch korrektifiziertes GL in Händen gehabt. Das Ding sollte man endgültig in die Tonne treten. Etwas besseres als das GL wirst Du überall finden, um mit den Bremer Stadtmusikanten zu reden. Wollen wir nicht endlich ein eigenes GL schreiben. Testeegen inclusive? Und wieso ist die Melodie von Joachim Neander öde? Ich finde sie passend. Jedenfalls hat es das Lied ins "Geistliche Wunderhorn" geschafft. Völlig zu recht. Mit Text und Melodie.

Braut des Lammes hat gesagt…

Über die "öde Melodey" habe ich mich auch gewundert. Ich fand sie in ihrer Schlichtheit eher manchen Hymnen ähnlich.

Die Idee, ein eigenes GL zu schreiben ist klasse. Ich bin sicher, wir schafften das auch noch vor 2016! ;)

Rosenkranz-Atelier hat gesagt…

Ein ganz wunderbares Lied!

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